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„Mit Beständigkeit zum Erfolg“ - Unternehmensentwicklung in der Biotechbranche

Für Hochschulabsolventen mit innovativen Geschäftsideen kann der Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit eine interessante Alternative zum klassischen Karriereweg darstellen. So erging es vor 15 Jahren auch Dr. Reinhold Horlacher nach seiner Promotion an der Universität Konstanz. Er entschied sich, seine Geschäftsidee in die Tat umzusetzen und gründete die Trenzyme GmbH. Im Interview für die BIOPRO schildert er seine Erfahrungen bei der Gründung und Entwicklung des Biotech-Unternehmens.

Herr Dr. Horlacher, wie kam es zu Ihrer Entscheidung, Unternehmer zu werden?

Während meiner Doktorarbeit hatte sich eine Geschäftsidee aufgetan, die ich anschließend weiterentwickeln wollte. Dabei wurde ich vom „Junge Innovatoren"-Förderprogramm unterstützt, was mir quasi eine zweijährigen Selbstständigkeit auf Probe ermöglichte. Neben Coaching-Maßnahmen im Rahmen des Förderprogramms stellte die Uni Räumlichkeiten und Geräte zur Verfügung, was natürlich eine entscheidende Hilfe bedeutete. In diesen zwei Jahren entwickelte sich das Geschäft mit Dienstleistungen positiv, so dass ich am Ende den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und Trenzyme gegründet habe.

Welche Hindernisse mussten Sie in der anfänglichen Firmenentwicklung überwinden? Hat sich der wirtschaftliche Erfolg schnell eingestellt?

Die ersten paar Jahre nach der Gründung waren schwierig, da sich die Firma durch nicht vorhandenes Risiko- oder sonstiges Fremdkapital von Beginn an durch Umsätze tragen musste. Das war hin und wieder eine Herausforderung, aber auch eine ständige Motivation, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Rückblickend war das sicherlich positiv, da wir so ein unmittelbares Feedback vom Markt bekommen haben. So bleibt man auf dem Boden und ist gezwungen, sich und die Geschäftsidee ständig zu hinterfragen und weiter zu optimieren. Riesige Entwicklungssprünge macht man hierdurch meist nicht. Aber manchmal sind kleine Schritte beständig in die richtige Richtung besser als große Sprünge. Auf diese Weise halte ich unverhoffte Abstürze auch für unwahrscheinlich. Sicherlich ist diese Art der Entwicklung nicht immer und in allen Bereichen möglich – für den Dienstleistungssektor, in dem Trenzyme tätig ist, war es aber die richtige Entscheidung.

Gab es auch typische Fallstricke, vor denen Sie gerne vorab gewarnt worden wären?

Mit dem Erfolg und dem Wachstum nimmt auch die Zahl der Neider zu – als junger Gründer ist man da vielleicht noch etwas naiv und blauäugig. Irgendwann lernt man aber, dass es nicht alle immer gut mit einem meinen. Hier müssen Jungunternehmer oft vorsichtiger werden und sich ein dickeres Fell zulegen. Diese Erfahrung musste ich auch machen.

Im Laufe der Unternehmensentwicklung haben Sie sich entschlossen, Trenzyme nach DIN ISO 9001 zertifizieren zu lassen. Welche Rolle spielen solche Zertifizierungen für Biotech-Unternehmen?

Dr. Reinhold Horlacher ist seit 15 Jahren als Unternehmer tätig und hat den Schritt in die Selbstständigkeit nicht bereut. © Trenzyme GmbH

Zertifikate werden immer wichtiger. Unsere Kunden, die Pharmaunternehmen, bewegen sich in einem hoch regulierten Umfeld. Daher sind wir als „Zulieferer" gefragt, uns diesen Anforderungen anzupassen. Vor gut fünf Jahren haben wir unser Qualitätsmanagementsystem nach DIN ISO 9001 zertifizieren lassen und kurze Zeit später haben wir viel Energie in ein professionelles LIMS 1 investiert, das die lückenlose Dokumentation und Probenrückverfolgbarkeit ermöglicht. Damit wäre beispielsweise ein Arbeiten nach GxP 2 für uns jederzeit möglich. Wir haben so einen Standard etabliert, der bei unseren Pharma-Kunden oftmals noch nicht in dieser Ausbaustufe gegeben ist – das schafft Vertrauen und ist für uns eine Investition in die Zukunft.

(1 LIMS: Labor-Informations- und Management-System

2 GxP: Good x Practice, gute Arbeitspraxis)

Inwiefern hat sich die Situation für Gründer in der Biotech-Szene seit Ihrer Anfangszeit verändert?

Zu Zeiten des Technologie-Hypes vor 2000 wurden großzügig riesige Summen in neue Geschäftsideen und Start-ups gepumpt, sodass sich die Unternehmen oft selbst beim Wachstum überholten. Das war nicht gut. Und vor 15 Jahren platzte dann die Blase des „Neuen Marktes", wodurch zahlreiche junge und erfolgversprechende Unternehmen aus dem Markt gefegt wurden. Danach wurde es deutlich schwieriger für entwicklungs- und kapitalintensive Neugründungen, aber auch für Gründungen mit moderatem Kapitalbedarf. Sowohl Venture-Capital-Gesellschaften als auch die Banken waren oft sehr zurückhaltend, sodass viele gute Ideen und motivierte Gründer auf der Strecke blieben. Inzwischen hat sich die Situation sicherlich wieder etwas normalisiert. Dennoch müssen wir in Deutschland aufpassen, dass wir den Anschluss an die wichtigsten Biotech-Wachstumsländer nicht ganz verlieren.

Welche Entwicklungen in der Gründerlandschaft für kleine Biotech-Startups erwarten Sie zukünftig?

Durch eigene Forschungs- und Entwicklungsprojekte können kleine Biotech-Unternehmen technologisch am Puls der Zeit bleiben und sich besser auf dem Markt behaupten. © Trenzyme GmbH

Wir haben viele gute Leute und Ideen in Deutschland, die Hochschullandschaft ist attraktiv und die Ausbildung exzellent – also die besten Voraussetzungen, um deutlich mehr Neugründungen zu sehen. Hier ist vor allem die Politik gefragt, den Weg besser zu ebnen, damit diese Leute bessere Startbedingungen und die nötige Unterstützung finden. Hilfreich wären zum Beispiel Gründerzentren mit guter Ausstattung und günstigen Mieten für Jungunternehmen oder auch spezielle Programme und Geldmittel zur Unterstützung von Gründern. Ich denke, generell sind Staat und Gesellschaft hier in der Pflicht, hochtechnologische Entwicklungen zu fördern, um langfristig Wohlstand und Arbeitsplätze zu sichern – das gilt natürlich auch für den Biotech-Bereich.

Sie haben sich in den vergangenen Jahren erfolgreich am Markt etablieren können. Wie sieht nun Ihre weitere Planung für die zukünftige Unternehmensentwicklung aus?

Bisher kamen die Kunden auf uns zu und wir lebten überwiegend von Mundpropaganda und Empfehlungen. Da wir immer noch am Markt vertreten sind und unsere Kundenzahl stetig steigt, scheinen wir wohl ganz gute Arbeit zu machen. Damit haben wir eine ideale Startposition, um einen aktiven Wachstumsprozess durch intensiveres Marketing und Akquise anzustoßen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie in naher Zukunft mehr von Trenzyme hören und lesen werden. Dazu werden wir weiterhin durch eigene Forschungs- und Entwicklungsprojekte technologisch am Puls der Zeit bleiben und diesen Mehrwert unseren Kunden anbieten.

Im Rückblick auf die letzten 15 Jahre: Was spricht Ihrer Ansicht nach für die Gründung eines eigenen Unternehmens?

Man kann sich selbst verwirklichen, kreativ sein und Ideen umsetzen. Man ist quasi seines eigenen Glückes Schmied und übernimmt Verantwortung für sich und die Mitarbeiter. Wenn man allerdings einen 8-Stunden-Arbeitstag und eine Fünftagewoche anstrebt, dann sollte man den Schritt ins Unternehmertum reiflich überlegen. Aber hier investiere ich gerne, das ist es mir wert.

Reinhold Horlacher ist promovierter Mikrobiologe sowie Gründer und Geschäftsführer der Trenzyme GmbH, einem Dienstleister für Pharmafirmen und wissenschaftliche Institute. Das Biotechnologie-Unternehmen entwickelt gentechnisch modifizierte Zelllinien und Proteine und liefert damit wichtige Bausteine für die Pharmaforschung und die Entwicklung neuer Medikamente. Trenzyme feiert in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen und zählt namhafte Pharmakonzerne aus Deutschland und der Schweiz ebenso wie zahlreiche Biotechs und kleine Forschungsinstitute zu seinem Kundenstamm.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/mit-bestaendigkeit-zum-erfolg-unternehmensentwicklung-in-der-biotechbranche