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movisens GmbH – Medizin und Psychologie mobil und vor Ort

Das Labor immer am Körper tragen? Patienten, die etwa unter Stress oder unter Gefäßkrankheiten leiden, müssen oftmals über lange Zeiträume hinweg täglich untersucht werden. Damit ihnen der Gang zur Arztpraxis oder in die Klinik erspart bleibt und damit der Arzt EKG, Atmung oder Bewegungsverhalten trotzdem im Auge behalten kann, bietet die movisens GmbH aus Karlsruhe mobile Systeme zur Messung physiologischer Parameter an. Zu den Kunden gehören Forschungseinrichtungen, Kliniken, Arbeitgeber oder Einsatzkräfte der Polizei und der Feuerwehr. Moderne Smartphone-Technologie hält den Arzt oder Forscher in Zukunft stets auf dem Laufenden – auch aus der Ferne.

Wie ist der Verlauf von EKG, Herzrate oder Atmung des Stresspatienten in den Wochen, nachdem er aus der Klinik entlassen wurde? Wie verändern sich die physiologischen Parameter des Sportlers in Abhängigkeit verschiedener Bewegungsarten wie Gehen, Rennen oder Springen? Wie ist der Zusammenhang zwischen Körpermesswerten und subjektiven Variablen wie Wohlbefinden, Stressempfinden oder Müdigkeit bei Arbeitnehmern? Damit solche Fragen Antworten finden, müssen Patienten oder Probanden am besten rund um die Uhr und über Wochen hinweg beobachtet werden können. Da ist es hilfreich, wenn das Labor mobil ist, wie die handlichen Messgeräte der movisens GmbH aus Karlsruhe. Das Jungunternehmen bietet Systeme an, die physiologische Werte, Bewegungsaktivität und subjektive Variablen erfassen und im Bedarfsfall direkt an den Auswertenden senden. „Ein Patient oder Proband muss ein solches Gerät mit sich am Körper tragen können“, sagt Dr. Jörg Ottenbacher, neben Dr. Ulrich Großmann einer der zwei Geschäftsführer der movisens. „Dabei muss die Signalqualität sehr hoch sein, das ist die Herausforderung.“

Völlig neue Möglichkeiten der Datenerhebung

Der "Stressguard" aus der Produktpalette der movisens GmbH ist ein Brustgurt, der physiologische Parameter wie EKG oder Herzrate überwacht. © movisens GmbH

Das Know-how für die Technik haben Ottenbacher und Großmann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mitgebracht. Beide promovierten am Institut für Technik der Informationsverarbeitung und arbeiteten in der Forschungsgruppe „hiper.campus“, die zum Ziel hat, die kognitive Leistungsfähigkeit der Studenten, Wissenschaftler und Beschäftigten des KIT zu steigern. Deshalb untersucht die Forschungsgruppe den Zusammenhang zwischen persönlicher Fitness und mentaler Leistungsfähigkeit. Ende 2009 bekamen Ottenbacher und Großmann eine Förderung des EXIST-Forschungstransfer-Programms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und gründeten die movisens GmbH, die momentan vier Mitarbeiter hat. Die streichholzschachtelgroßen Aktivitätsmessgeräte aus der aktuellen Produktpalette liefern zusammen mit dem EKG-Brustgurt Informationen über Herzrate, Herzratenvariabilität, Atmung, Energieverbrauch und Bewegungsverhalten. Die Daten können bis zu einer Woche lang gespeichert und dann über einen USB-Anschluss auf einen Computer übertragen werden. Eine extra entwickelte Software arbeitet die Daten auf und liefert sogar Auswertungen in Form von anschaulichen Berichten.

"My Experience" aus der Produktpalette der movisens GmbH eröffnet ganz neue Möglichkeiten der Datenerfassung © movisens GmbH

Zusätzlich zu den Messgeräten hat die movisens ein Softwarepaket für Smartphones entwickelt, das die Erhebung von subjektiven Daten ermöglicht. In Form eines Fragebogens kann ein Patient so zum Beispiel angeben, ob es ihm gerade gut geht, ob er sich gestresst fühlt oder ob er unter Angstzuständen leidet. Darüber hinaus können in diesem sogenannten E-Diary in Zukunft auch Bild-, Ton- oder Videodaten über Funk direkt an den Arzt oder an den Wissenschaftler geschickt werden, damit diese stets up to date bleiben. „Eine weitere Innovation bei unseren Produkten ist die Kopplung eines Smartphones an die Sensoren, die physiologische Parameter messen“, sagt Ottenbacher. „Damit ist es zum Beispiel möglich, bei plötzlichem Anstieg der Herzrate die Befindlichkeit des Probanden abzufragen. Genau diese Kopplung zwischen objektiven und subjektiven Daten eröffnet völlig neue Möglichkeiten der Datenerhebung.“

Unabhängig von der Förderung finanzieren?

Es sind in erster Linie Forschungseinrichtungen wie die Forschungsgruppe hiper.campus am KIT, die das Portfolio der movisens GmbH nutzen. Die Kooperation mit dem KIT ist - auch durch die räumliche Nähe, denn die movisens GmbH residiert direkt neben dem Campus - für beide Seiten von Vorteil. Die Forscher können für ihre Untersuchungen die neuste Technik benutzen und die Spezialisten der movisens bekommen ständige neue Impulse für die Weiterentwicklung ihres Portfolios. Die Einsatzgebiete der Geräte sind über viele Forschungsrichtungen gestreut: Sportwissenschaft, Psychologie, Ernährungswissenschaft, Medizin, Pharmaforschung und auch so exotische Gebiete wie das der Physioeconomis, in welchem zum Beispiel untersucht wird, wie das Entscheidungsverhalten an der Börse mit physiologischen Parametern wie EKG oder psychologischen Variablen wie Stressempfinden zusammenhängt.

Jenseits des Forschungsfeldes finden sich auch Kunden aus angewandten Bereichen. Dazu gehören zum Beispiel Arbeitsmediziner, die körperliche und psychologische Auswirkungen von Coachingmaßnahmen auf Arbeitnehmer untersuchen wollen. Oder Einsatzkräfte der Polizei und der Feuerwehr, die an einem Monitoring von Stressbelastungen interessiert sind. In der noch laufenden ersten Förderphase des EXIST-Programms hat die movisens GmbH ihr Knowhow in eine attraktive Produktpalette verwandelt. „In der zweiten Phase müssen wir marktreif werden und uns danach gänzlich unabhängig von der Förderung finanzieren“, sagt Ottenbacher. „Bei der momentanen Entwicklung unserer Verkäufe wird das aber sicher gelingen.“

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/movisens-gmbh-medizin-und-psychologie-mobil-und-vor-ort