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Mykotown Greentech AG bringt mit Mykorrhiza Pflanzen auf Trab

Zu einer der faszinierendsten fördernden Lebensgemeinschaften im Wald gehört die Symbiose zwischen Pilzen und Pflanzenwurzeln. Beide tauschen lebenswichtige Stoffe aus. Eine Partnerschaft, die sich die Mykotown Greentech AG mit der Entwicklung eines Pflanzenstärkungsmittels erfolgreich zu Nutze gemacht hat.

Dieses Unternehmen ist in der hier beschriebenen Form nicht mehr am Markt aktiv.

Der Endomykorrhiza gelangt in die Wurzelrindenzellen und verzweigt sich zu Arbuskeln. Bekannteste Arten dieses Mykorrhiza-Typs sind Glomus Intraradices, Glomus Etunicatum, Glomus Fasciculatum und Glomus Mosseae. © Mykotown Greentech AG

Mykorrhiza (griech. mykes = Pilz, rhiza = Wurzel) steht für eine Form der mutualistischen Vergesellschaftung von Pilzen und Pflanzen, in der ein Pilz mit dem Feinwurzelsystem einer Pflanze in Kontakt ist. Die Pflanzen versorgen die natürlichen Bodenpilze dabei mit Kohlenstoff, während die Pilze wiederum für die Pflanzen die Aufnahme von Nährstoffen und Flüssigkeiten erleichtern. Dabei durchziehen die feinen Fäden (Hyphen) den Boden, dringen in feinste Bodenporen vor und ernten Wasser und Nährstoffe, die sie dann den Wurzeln zuführen. Für die Mykotown Greentech AG eine wertvolle Wechselbeziehung, die das Unternehmen nach der Übernahme der Ergebnisse aus geförderten Forschungsprojekten des Bundes bzw. der EU im Jahre 2004 zu einem heute marktfähigen Massenprodukt weiterentwickelt hat. Das biologisch reine Pilzgranulat sorgt sowohl im Kleingarten als auch im Garten- und Landschaftsbau für einen kräftigen Wachstumsschub bei Pflanzen jeglicher Art.

Pilze und Pflanzen als Partner im Stress

In achtjähriger Zusammenarbeit mit dem Köthener ’Institut für innovative Technologien’ in Dessau hat das Unternehmen mit Hauptsitz im Schweizerischen Walchwil (Kanton Zug) und Zweigstelle in Konstanz seine Mykorrhiza-Impfstoffe durch die Immobilisierung von aktiven Pilzsporen auf einem anorganischen Trägermaterial, bestehend aus gebrochenem Blähton, entwickelt. Die Impfstoffe basieren dabei auf zwei natürlich vorkommenden Bodenpilzarten, der Ektomykorrhiza und der Endomykorrhiza (Arbuskuläre Mykorrhiza). „Bei der Ektomykorrhiza dringt der Pilz nicht in die einzelnen Rindenzellen ein, sondern verbleibt in den Bereichen zwischen den Zellen der Wurzelrinde und umspinnt diese mit einem dichten Hyphennetz“, erklärt Oliver Hubold, Verwaltungsrat der Mykotown Greentech AG. Die Endomykorrhiza, der zweite Bestandteil der Präparate, steht für die älteste und am weitesten verbreitete Form der Mykorrhiza und wird von mehr als 80 Prozent der Pflanzen gebildet. Hierbei gelangt der Pilz in die Wurzelrindenzellen und verzweigt sich zu Arbuskeln, so dass man von einem endotrophen Mykorrhiza-Typ spricht. Das Geheimnis der Mykotown-Düngepilze ist dabei vor allem die Bindung an spezielle dänische Tonkügelchen, die man beispielsweise aus der Hydrokultur kennt.

Reife Arbuskeln mit zahlreichen fein verzweigten Hyphen © Mykotown Greentech AG

„Die Mykorrhizapilze dieser verschiedenen Arten wurden aus der Natur an idealen Standorten, d.h. mit Bodenwertzahlen von 80-100 entnommen und Schritt für Schritt in kleinen Gewächshäusern und im Labor vermehrt, bis ein Startinokulum für die Großproduktion vorhanden war“, berichtet Oliver Hubold. Seither werden die Produkte auf dieser Grundlage vervielfältigt. Bei den Feldversuchen und Nutzenanalysen kamen spezielle Testverfahren, unter anderem MPN (most probable number)-Tests zur Berechnung der Anzahl an infektiösen Besiedlungseinheiten in einem Inokulum sowie Sporenzählungen zum Einsatz. Gewonnen werden die Düngerpilze unter sterilen Bedingungen mit Hilfe von Tagetes (Studentenblumen) unter diversen Trocken- und Nässestressphasen. „Im Stress werden Pilze und Pflanzen Partner“, so Oliver Hubold. Rund 2.000 Kubikmeter möchte die Mykotown in 2009 und in den Folgejahren durchschnittlich produzieren.

Schutz vor Schwermetallen, Wertsteigerung von Böden

Vegetationsdecke aus Gräsern ohne (links) und mit Behandlung mit Mykorrhiza-Präparaten (rechts) © Mykotown Greentech AG

Neben der positiven Wirkung auf das Pflanzenwachstum sorgen die Mykorrhizapräparate darüber hinaus auch für eine dauerhafte Verbesserung von Bodenstrukturen. So ist es Mykotown vor Kurzem gelungen, ein Produkt zu entwickeln, das die Absorption von Schwermetallen und anderen Bodenschadstoffen verhindert und die Anwendung von Bodenpilzen bei der Phytoremediation in stark kontaminierten Gebieten der Ukraine und Russland vorantreibt.

Was die biologischen Bodenverbesserer betrifft, verfügt das 2002 in der Schweiz gegründete Unternehmen mittlerweile über ein reiches Produktportfolio für eine Vielzahl von Anwendungsbereichen, unter anderem auch in Abhängigkeit des geographischen Einsatzgebietes. „Die größten Unterschiede sind hierbei die Anzahl der Sporen je Liter, die je nach Einsatzgebiet zwischen 100.000 und 1.000.000 Sporen reichen können“, erklärt Oliver Hubold. Je größer die Anzahl der Sporen, desto schneller setzt die Symbiose ein. Unterschiede gibt es Oliver Hubold zur Folge auch in den Trägermaterialen. So fungiert Blähton dabei als das Hauptmaterial, aber auch auf Torf, Rinde, Sand, Schiefer kann produziert werden. „Hierbei steht die Weiterverarbeitung im Vordergrund, ob es mit anderen Substarten vermischt oder direkt angewendet wird“, so der Verwaltungsrat von Mykotown.

Expansion und soziales Engagement im Visier

Oliver Hubold, Verwaltungsrat der Mykotown Greentech AG © Markus Hotz/Akzent-Magazin

Im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Mykorrhizaprodukte arbeitet Mykotown gemeinsam mit universitären sowie unabhängigen wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen in der Schweiz, Deutschland und Österreich bereits an neuen Kombiprodukten für den Einsatz in bestimmten Gebieten. „Auch für den Kleinkundenbereich wird es in Zukunft Kapseln zur noch einfacheren Anwendung der Mykorrhiza geben“, verrät Oliver Hubold. Der Abschluss der Produktentwicklung steht kurz bevor, eine Markteinführung ist für 2010 vorgesehen. Weitere erklärte Ziele für die kommenden Jahre sind eine noch kostengünstigere Produktion der Düngerpilze sowie die Unternehmensexpansion. Im vergangenen Jahr hatte Mykotown seinen Standort an den Bodensee verlagert (lesen Sie dazu: "BioLAGO-Netzwerk begrüßt 50. Mitglied").

Insgesamt beschäftigt das Unternehmen momentan drei Mitarbeiter in Konstanz sowie zwei weitere in Walchwil. Schon bald sollen in der Seeregion weitere Arbeitsplätze, hauptsächlich im Verkauf, geschaffen werden. Das Unternehmen verfügt mit „Professor Mykos Düngerpilze GmbH“ in Konstanz über eine Tochterfirma, die die Mykorrhizaprodukte für kleine Abnehmer bereitstellt. „Zur Zeit suchen wir nach weiteren Vertriebspartnern und Investoren sowohl für den industriellen als auch den Kundenbereich, da die Produkte im Fachhandel bisher kaum zu bekommen sind“, sagt Oliver Hubold.

Neue Partner können auch vom langfristigen Erfolg des Unternehmens profitieren. Dabei ist die Unternehmensphilosophie der Mykotown stark mit einem sozialen Gedanken verbunden. Seit Jahren werden die Endkundenprodukte in einer Behindertenwerkstatt am ehemaligen Standort in Dessau in Sachsen-Anhalt abgefüllt und verpackt. Dies soll nach Wunsch von Oliver Hubold zukünftig auch in der Bodenseeregion passieren.

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