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Neues MRT- Kontrastmittel

Im Tiermodell der Multiplen Sklerose (MS) haben Neuroradiologen und Neurologen der Universitätsklinika Heidelberg und Würzburg bislang meist unerkannt gebliebene Gewebeschäden mit Hilfe eines neuen Kontrastmittels in der Magnet-Resonanz-Tomographie sichtbar machen können.

Professor Dr. Martin Bendszus, Ärztlicher Direktor der Abteilung Neuroradiologie (Foto: Privat)
Im frühen Stadium der Erkrankung ist eine medikamentöse Behandlung besonders erfolgreich. Bislang konnte eine frühe Diagnose jedoch meist nicht mit Sicherheit gestellt werden, insbesondere wenn keine oder nur wenige Entzündungsherde in der MRT zu finden waren. "Mit dem neuen Kontrastmittel konnten wir fünf bis zehn Mal mehr entzündliche Läsionen im Vergleich zu üblichen MRT-Bildern und Kontrastmitteln sichtbar machen", berichtet Professor Dr. Martin Bendszus, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Die MS ist eine chronische entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems unbekannter Ursache. Meist beginnt sie im jungen Erwachsenenalter; Frauen sind häufiger betroffen. In Deutschland sind rund 120.000 Patienten erkrankt. Gekennzeichnet ist die MS durch vielfältige entzündliche Herde, in denen die Nervenfasern die schützenden Markscheiden verlieren. Diese Entmarkungsherde verursachen neurologische Ausfälle, die sich wieder zurückbilden können. In späteren Stadien kann es dann auch zu einem Verlust von Nervenfasern mit irreversiblen Schäden kommen. Die MRT spielt eine entscheidende Rolle in der Frühdiagnose der MS.

Die Wissenschaftler aus Heidelberg und Würzburg untersuchten mit dem neuen Kontrastmittel Gehirn und Rückenmark von Tieren zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Krankheitsverlaufs und fanden deutlich mehr entzündliche Läsionen als mit herkömmlichen Kontrastmitteln. Gewebeuntersuchungen der Läsionen zeigten, dass es sich hierbei tatsächlich um Entzündungsherde handelte. Insbesondere im Rückenmark oder im Sehnerv, die zu den schwer zu untersuchenden Nervenregionen zählen, war die Diagnostik mit dem neuen Kontrastmittel deutlich überlegen.

Neues Kontrastmittel reichert sich besser in MS-Läsionen an

Die Ergebnisse der Studie könnten die Behandlungsergebnisse bei MS
entscheidend verbessern helfen. „MS ist die häufigste Ursache für Berufs-
unfähigkeit und Behinderung im jungen Erwachsenenalter“, erklärt Profes-
sor Bendszus. „Neue Therapien haben einen positiven Einfluss auf den
Krankheitsverlauf, werden jedoch häufig nicht rechtzeitig eingesetzt, da
die Diagnose MS oft erst im fortgeschritteneren Stadium gestellt werden
kann.“

Das neue Kontrastmittel Gadofluorine M stellt MS-Läsionen vermutlich
besser da, weil es besonders gut an bestimmte Bestandteile der Zellum-
gebung (extrazelluläre Matrix) in den entzündlichen Herden bindet. Da-
durch reichert es sich in höherer Konzentration in den Läsionen an.

Das nächste Ziel der interdisziplinären Arbeitsgruppe ist nun die Weiter-
entwicklung des neuen MRT-Kontrastmittels für eine Anwendung in der
klinischen Routine. Bislang ist das Kontrastmittel noch nicht zugelassen.
Für die geplante klinische Anwendung sind weitere präklinische Untersu-
chungen erforderlich.

Quelle: Pressemitteilung Universitätsklinikum Heidelberg-28.07.2008


Weitere Informationen zum Beitrag:
Professor Dr. Martin Bendszus
Ärztlicher Direktor Abt. Neuroradiologie,
Neurologische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 7566
E-Mail: martin_bendszus@med.uni-heidelberg.de
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/neues-mrt-kontrastmittel