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Neues Zentrum für „Chemische Biologie“ in Konstanz

Mit der Eröffnung des „Zentrums für Chemische Biologie“ erhält die Universität Konstanz einen neuen interdisziplinären Forschungsstandort auf dem Campus. Der moderne Bau beheimatet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Gebieten der Life Sciences und führt so die Fachbereiche Chemie und Biologie näher zusammen. Neben fünf Professuren sind auch zwei Gerätezentren im neuen Gebäude integriert, deren Infrastruktur auch externen Kunden zur Verfügung steht.

Am Nordrand des Campus gelegen, schließt sich das neue Gebäude direkt an den Wald an, der die Universität umgibt. © Otlinghaus Bodmann/Ludwigshafen

Die Kooperation zwischen den Fachbereichen Chemie und Biologie hat in Konstanz bereits Tradition. Der seit 2002 angebotene Studiengang „Life Sciences“ verbindet Lehrinhalte und Fragestellungen der Biologie und der Chemie. Damit wurde die Grundlage für eine besondere Kompetenz auf dem Gebiet der modernen biomolekularen Forschungsfelder gelegt. Durch die Graduiertenschule Chemische Biologie, die seit 2007 im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert wird, wurde diese interdisziplinäre Ausbildung auch für Doktoranden der beiden Fachbereiche weitergeführt. Der dadurch entstandene Forschungsschwerpunkt „Chemische Biologie“ stellt inzwischen einen von vier Schwerpunktbereichen der Universität Konstanz dar.

Dieser Forschung wurde nun durch den Bau des „Zentrums für Chemische Biologie“ ein eigener Ort gegeben. Das neue Gebäude an der Nordgrenze des bestehenden Campus beheimatet fünf Professuren aus den Lebenswissenschaften. Durch die räumliche Nähe sollen der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachgebieten weiter vereinfacht und gefördert werden. „Hier sind Spitzenforscher der Graduiertenschule Chemische Biologie und des Sonderforschungsbereichs „Chemical and Biological Principles of Cellular Proteostasis“ mit den Core Facilities unter einem Dach konzentriert“, beschreibt dies Prof. Dr. Ulrich Rüdiger, Rektor der Universität Konstanz. „Der Neubau ist ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Entwicklung des Forschungsschwerpunkts“, erklärt er weiter.

Erste Arbeitsgruppen sind bereits eingezogen

Großzügige Laborräume sind im Neubau direkt mit zugehörigen Büroarbeitsplätzen kombiniert. © BioLAGO

Mit rund 2.700 Quadratmetern Nutzfläche auf vier Stockwerken fällt der Bau vor allem durch die großzügigen Labore und die offene Bauweise auf. Die einzelnen Arbeitsbereiche sind durch transparente Glasflächen getrennt und bieten zur Seeseite einen besonders schönen Ausblick. Durch ein Modulsystem aus Wänden und Möblierung können die Labore flexibel an die Anforderungen der Arbeitsgruppen und zukünftige Veränderungen in der Nutzung angepasst werden.

„Es war für mich eine tolle Möglichkeit, meinen zukünftigen Arbeitsplatz selbst planen und gestalten zu können“, bemerkt Prof. Dr. Christof R. Hauck, Professor für Zellbiologie, der die Aufteilung der Labore und Büroräume im gesamten Gebäude mit konzipiert hat. Seine Arbeitsgruppe war im Sommer dann auch eine der ersten, die das Gebäude bezogen hat. „Wir konnten die Labore optimal einrichten, so dass der Umzug relativ problemlos vonstattenging“, erklärt Hauck weiter. „Prof. Hauck war als Planer für das Gebäude sehr hilfreich, da er die Anforderungen des Laboralltags kennt und in die Planung miteinbeziehen konnte“, würdigt der Rektor Prof. Dr. Ulrich Rüdiger dessen Arbeit. Außer der Gruppe von Professor Hauck ist auch die Professur für Molekulare Toxikologie von Prof. Dr. Alexander Bürkle bereits ins neue Gebäude eingezogen. Für beide ersetzt der Neubau die veralteten Laborgebäude, in denen sie bisher beheimatet waren und die sich nicht auf dem Universitäts-Campus befanden.

Die Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Andreas Marx, Professor für Zelluläre Chemie, und Prof. Dr. Thomas Mayer, Professor für Molekulare Genetik, ziehen ebenfalls ins neue Gebäude ein. Auch Prof. Dr. Elke Deuerling, Professorin für Molekulare Mikrobiologie und Sprecherin des Sonderforschungsbereichs „Chemical and Biological Principles of Cellular Proteostasis“, der der Umzug noch bevorsteht, sieht dem Ganzen entspannt entgegen: „Die langfristige Vorbereitung über etwa zwei Jahre macht es natürlich einfacher. Zudem konnten auftauchende Probleme vor Ort recht schnell gelöst werden.“ Die Vorteile des Neubaus liegen für sie auf der Hand: „Wir haben hier nicht nur ein modernes Umfeld, sondern auch neue Geräte und eine bessere Ausstattung, was natürlich auch neue Möglichkeiten für unsere Forschung mit sich bringt. Jetzt müssen wir das Gebäude nur noch mit Leben füllen.“

Infrastrukturplattformen zur Verstärkung des Standorts

Die Verbindungs-Brücke zum Hauptgebäude der Universität Konstanz erscheint dem Betrachter durch spezielle Muster und Beleuchtung als pulsierende Nabelschnur. © Universität Konstanz

Neben den fünf Arbeitsgruppen beherbergt das neue Gebäude auch zwei Gerätezentren, sogenannte Core Facilities: die „Proteomics Facility“ und das „Screening Center“. Sie sind bereits seit Mai im neuen Zentrum beheimatet und konnten damit noch vor der kompletten Fertigstellung des Gebäudes genutzt werden. Durch die Einrichtung der Core Facilities stehen allen Arbeitsgruppen der Universität anspruchsvolle und teure Geräte für die Massenspektrometrie und automatisierte Probenanalyse gleichermaßen zur Verfügung und können optimal genutzt werden. Neben den Geräten können die Forscher dadurch auch auf die nötige Expertise für die Technologien zurückgreifen und in Zusammenarbeit mit den Gerätezentren für verschiedene Fragestellungen passende Anwendungen entwickeln. Die Proteomics Facility bietet ihre Dienstleistungen im Bereich der Massenspektrometrie zur Analyse von Proteinen und niedermolekularen Verbindungen außerdem auch für externe Kunden an.

Kunst am Bau

Durch eine kunstvoll gestaltete Brücke ist das neue Gebäude mit dem Gebäudekomplex verbunden, der den Fachbereich Chemie der Universität beheimatet. „Die Brücke verbindet das alte Hauptgebäude mit dem Neubau, so dass sie zu einer Einheit zusammenwachsen“, beschreibt dies Prof. Dr. Ulrich Rüdiger. Künstlerin Sinje Dillenkofer hat für das Design der Brücke eine natürliche Nabelschnur zum Vorbild genommen. Durch die Überlagerung mehrerer Farb- und Linienmuster auf den Glasflanken der Brücke entsteht ein optischer Effekt, wenn der Betrachter sich bewegt. So erscheint die Brücke besonders nachts durch zusätzliche Beleuchtung als pulsierende Nabelschnur.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/neues-zentrum-fuer-chemische-biologie-in-konstanz