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Patentierung und klinische Studien Hand in Hand

Bereits im Rahmen seiner Diplomarbeit am Deutschen Krebsforschungszentrum hat der an der Universität Konstanz tätige Immunbiologe Prof. Peter Öhlschläger die Grundlagen für die Entwicklung eines künstlichen Gens zur Therapie des Gebärmutterhalskrebses gelegt. Mittlerweile arbeitet der Wissenschaftler an der Patentierung der gegen HPV gerichteten DNA-Vakzine mit. Im Interview berichtet er, dass die größte Herausforderung jedoch noch bevorsteht.

Prof. Peter Öhlschläger ist Immunologe an der Universität Konstanz. © privat

Herr Prof. Öhlschläger, können Sie Ihre Erfindung und das Projekt in Kürze beschreiben?

Wir haben im Labor von Prof. Dr. Lutz Gissmann am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg ein künstliches Gen entwickelt, welches zur adjuvanten Behandlung von Gebärmutterhalskrebs eingesetzt werden soll. Jährlich werden etwa 500.000 Fälle neue Fälle diagnostiziert und alleine in Deutschland sterben Jahr für Jahr 2.000 Frauen an diesem Krebs. Da die konventionelle Therapie (vor allem chirurgische Maßnahmen, aber auch Radio- und Chemotherapie) ungenügend ist, war es unsere Idee, das körpereigene Immunsystem gegen die Krebszellen mittels einer Impfung zu mobilisieren.

Gebärmutterhalskrebs wird durch eine persistierende Infektion mit bestimmten Humanen Papillomviren (HPV) hervorgerufen. Unser Gen basiert auf dem Onkogen E7 des Humanen Papillomvirus Typ 16. Das künstliche Gen, welches wir für die Immuntherapie einsetzen, zeigte im Tiermodell sehr eindrucksvoll eine antitumorale Aktivität.

Was konkret macht Ihr Forschungsergebnis zu einer Erfindung?

Die Erfindung an diesem Projekt besteht in der Zusammensetzung des künstlichen Gens. Wir haben ein Gen generiert, welches ausgesprochen immunogen ist und dabei aber, anders als das E7-Wildtyp-Gen, keine transformierende Eigenschaften mehr aufweist. Die Gen-Synthese erfolge in PCR-Reaktionen mit langen überlappenden Primern beim Unternehmen GENEART in Regensburg.

Wann fiel die Entscheidung, die Erkenntnisse aus dem Projekt zu einem Patent zu führen und was war der ausschlaggebende Grund dafür?

Die Entscheidung fiel nicht schlagartig, sondern wurde eher sukzessive gefällt. Prof. Lutz Gissmann hat die Idee maßgeblich vorangetrieben, als sich in den Tierversuchen das immunogene Potenzial des neuen Gens zeigte.

Wie könnte eine industrielle Verwertung Ihrer Erfindung aussehen?

Eine mögliche gewerbliche Anwendung könnte so ausschauen, dass ein Pharmaunternehmen das Patent bzw. eine Lizenz kauft und das Gen als therapeutischen Impfstoff vermarktet. Entsprechende Gespräche zu Kooperationen mit der Industrie werden vorangetrieben.

Nach der Patentierung soll das von Peter Öhlschläger entwickelte künstliche HPV-Gen als therapeutischer Impfstoff vermarktet werden. © privat

Inwiefern könnte sie zur Entwicklung einer Therapie genutzt werden? In wie vielen Jahren könnte es so weit sein?

Patentierung und Vorbereitung der klinischen Studie laufen bei diesem Projekt Hand in Hand. Derzeit wird eine Studie der Phase I vorbereitet – wenn alle drei erforderlichen Phasen entsprechend positiv ausgehen, könnte der Impfstoff in einigen Jahren verfügbar sein. Es sollen dann Frauen mit dem Impfstoff behandelt werden, bei denen Gebärmutterhalskrebs bzw. idealerweise erst Vorstufen des Krebses diagnostiziert wurden. Der Impfstoff wird das körpereigene Immunsystem der Patientinnen gegen die betroffenen Gebärmutterhalszellen aktivieren und soll in Kombination mit den erwähnten konventionellen Maßnahmen angewendet werden. Die gesamte Entwicklung dürfte sicher noch fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen.

Planen Sie eine weltweite Patentierung?

Wir planen eine PCT-Anmeldung beim Europäischen Patentamt. Diese führt nicht zu einem Internationalen Patent, sondern ist vielmehr eine Art Option auf spätere nationale Anmeldungen. Spätestens bei der kostspieligen Nationalisierung benötigen wir unbedingt Partner aus der Industrie. Das Patent gilt zunächst für ein Jahr. In diesem Zeitraum werden wir aktiv auf Firmen zugehen, um für das Projekt zu werben.

Was waren generell die bisher größten Hürden im Prozess der Patentanmeldung?

Im Prinzip waren alle Schritte nicht einfach für uns – niemand von uns hatte wirklich Erfahrung mit den Details. Und so blieb es natürlich nicht aus, dass auch Fehler gemacht wurden, aus denen wir für weitere Verfahren gelernt haben. Wahrscheinlich steht uns die größte Herausforderung aber noch bevor, nämlich das Finden von Partnern aufseiten der Industrie.

Werden Sie diese schwierige Aufgabe deshalb in Auftrag geben oder akquirieren Sie und Ihr Forscherteam neue industrielle Partner selbst?

Dies wird so aussehen, dass ich selbst Firmen mit unserer Erfindung kontaktiere und diese, sofern die betreffenden Unternehmen Interesse zeigen, im Rahmen eines Vortrages vorstellen werde.

Hatten Sie in der Vergangenheit bereits Erfahrungen in der Patentierung von Erfindungen gemacht?

Wir haben bis zur Patentierung des künstlichen HPV-Gens keine Erfahrung damit gemacht. Derzeit läuft eine weitere Patentierung im Rahmen unseres Prostatakrebs-Projektes. Dabei sind die Vorgehensweisen nahezu identisch, so dass man parallel an beiden Prozessen neue Erkenntnisse sammelt.

Wurden Sie bei der im Vorfeld einer Anmeldung notwendigen Recherche professionell unterstützt oder eigenhändig aktiv?

Jegliche Recherchen wurden professionell durch einen Patentanwalt durchgeführt und haben einige Wochen in Anspruch genommen.

Welche professionelle Unterstützung erhalten Sie generell im Zuge der Anmeldung?

Eine Unterstützung während des Prozesses der Patentanmeldung erfolgt durch die Abteilung Technologietransfer des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/patentierung-und-klinische-studien-hand-in-hand