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PEPperPRINT – Peptide aus dem Laserdrucker

Ein Unternehmen zu gründen bedeutet immer, einen Schritt ins Ungewisse zu machen. Die Firma PEPperPRINT aus Heidelberg geht nach jahrelanger Entwicklungsarbeit nun an den Markt – mit einer ungewöhnlichen Idee, die immer wieder Erstaunen auslöst, aber funktioniert. Über die spannende Zeit der Unternehmensgründung sprach Christoph Bächtle mit dem PEPperPrint-Geschäftsführer Dr. Volker Stadler.

PEPperprint wurde 2001 gegründet, geht aber erst jetzt, 2009, mit einem Produkt und einer Dienstleistung an den Markt. Was haben Sie in den ganzen Jahren gemacht?

Geschäftsführer Dr. Volker Stadler und das Kernstück der PEPperPRINT-Technologie: der Peptiddrucker. © BIOPRO/Bächtle

2001 war der Boom in der Biotechnologiebranche und wir hatten eine gute Idee und ein Patent, das auf dieser Idee basierte. Für Ideen hat man in der freien Wirtschaft sehr schnell sehr viel Geld bekommen, sprich Risikokapital. Die Förderlandschaft war jedoch so ausgelegt, dass es hieß: Ihr habt zwar eine gute Idee, aber es ist zu anwendungsnah, und für anwendungsnahe Forschung gibt es in der öffentlichen Forschung kein Geld. Daher hat man damals schon versucht, die Idee über eine Firma umzusetzen.

Dann kam leider der Punkt, an dem die Biotechnologieblase implodiert ist. Es gab kein Geld mehr, doch es änderte sich gleichzeitig auch die Förderlandschaft, sodass solche Projekte wie unseres auch wieder von der öffentlichen Hand finanziert wurden. Wir konnten das Projekt daraufhin im Deutschen Krebsforschungszentrum vorantreiben.

Das heißt, die Firma bestand zwar, die Entwicklungsarbeit lief über die Jahre aber am DKFZ?

Genau. Unser Projekt ist mehrheitlich über Drittmittel finanziert, und wir hatten 2003 die Gelder beisammen. Von 2003 bis 2008 haben wir die Entwicklungsarbeit komplett am DKFZ gemacht und sind auch mit einem Bein nach wie vor am DKFZ verankert. Jetzt geht es darum, die Technologieentwicklung über das Unternehmen zu verwerten.

Würden Sie es Gründungswilligen empfehlen, eine Gründung, die eine technologische Entwicklung einschließt, gemeinsam mit einem Partner, wie in Ihrem Fall dem DKFZ, zu machen?

Ich glaube, alles andere dürfte nicht bezahlbar sein. Als Unternehmen von vornherein in eine Eigenentwicklung zu gehen – ich wüsste nicht, wie man das finanzieren sollte. Man bekommt zwar Forschungsgelder von Bund und Ländern, diese muss man aber in der Regel gegenfinanzieren. Man sollte also von Beginn an mit Partnern arbeiten, entweder in der öffentlichen Forschung, zum Beispiel in Forschungsinstituten, oder eben mit einem großen Unternehmen.

Wie lange läuft so eine Kooperation? Schließlich kommt eines Tages der Zeitpunkt, an dem man seinen eigenen Weg gehen muss oder gehen will.

Das ist schwierig zu sagen. Bei uns kam 2008 der Punkt, an dem wir festgestellt haben, dass unser Produkt allem, was es am Markt gibt, weit überlegen ist. Da haben wir uns entschieden, ins Unternehmen zu gehen. Die andere Seite ist, dass man, wenn man mehrheitlich über Drittmittel finanziert ist, sich irgendwann schwer tut, ein Projekt weiter zu finanzieren. Man kann nie das Gleiche beantragen, sondern muss immer Neuentwicklungen oder andere Projekte beantragen. Wenn ein Vorhaben sehr weit gediehen ist und eine Technologie sehr gut funktioniert, wird es zunehmend schwieriger, es in der öffentlichen Forschung zu finanzieren – besonders dann, wenn es anwendungsnah ist.

PEPperPRINTs Ansatz mit Toner Aminosäuren auf Glasplättchen zu drucken und daraus Peptide zu synthetisieren, ist sehr ungewöhnlich, und der Markt bezahlt nur für Dinge, die funktionieren. Was machte Sie so sicher, dass die Idee umgesetzt werden kann?

Erst die richtigen Rezepte machten es möglich, dass Peptide mit einem Laserdrucker auf Glasträger fixiert weden konnten. © BIOPRO/Bächtle

Es ist nicht meine Idee gewesen, sondern die von Frank Breitling. Er ist Biologe und ist der Frage nachgegangen, wie man Peptidchips verbessern kann. So kam er an einem Sonntagnachmittag auf den Laserdrucker. Als man mir als Chemiker die Idee vorgestellt hatte, fand ich mich mit damals 29 Jahren jung genug, um auch mal was Verrücktes zu versuchen. Zu dem Zeitpunkt gab es aber schon die ersten Proof-of-principle-Experimente, die gezeigt haben, dass es im Prinzip funktionieren sollte. Dass es tatsächlich funktioniert, hat sich erst im Lauf der Jahre ergeben, weil es so viele Fragenstellungen gibt, die beantwortet werden müssen. Es war ein langwieriger Prozess. Aber jetzt können wir sagen, es funktioniert wirklich – auch wenn wir manchmal noch auf Unglauben stoßen.

Sie waren bei Wettbewerben wie dem Science4Life Venture Cup erfolgreich und haben auch den Wissenschaftspreis des Stifterverbandes gewonnen. Welche Rolle spielen für Gründer solche Wettbewerbe und auch die vielen Förderprogramme?

Förderprogramme sind insofern wichtig, dass man als Unternehmen die Risikokapitalbelastung senken kann, indem man diese Gelder zum Beispiel durch BMBF-Programme spiegelt. Risikokapitalbelastung ist vielleicht der falsche Begriff, denn Risikokapital ist auch eine große Hilfe, die man von Investoren bekommt. Nichtsdestotrotz hat man dafür auch einen Gegenwert zu erbringen, sprich Unternehmensanteile abzugeben und entsprechende Kontrollrechte einzuräumen. Insofern sind Förderprogramme ganz wichtig, sie verhelfen schlichtweg zu mehr Freiheit, mehr Flexibilität und mehr Kapital.

Wettbewerbe sind auf drei Ebenen gut und sinnvoll. Sie zeigen dem Unternehmen, wo es mit seinen Planungen steht. Bin ich auf dem falschen Dampfer oder liege ich richtig? Es ist also eine Bestätigung für einen selbst, zeigt aber auch, wo Schwächen sind. Wir haben zum Beispiel trotz des Preisgewinns sehr viele konstruktive Kritik bekommen, die wir auch umgesetzt haben. Auf monetärer Ebene bietet das Preisgeld Möglichkeiten, die wir vorher nicht hatten. Wir finanzieren damit einen Stand auf der Messe „Biotechnica“. Und zum Dritten liefert ein Wettbewerbsgewinn Publicity, die einem im Markt und auch bei der Suche nach Investoren weiterhilft.

Als Innovationen wird oft der Rest einer guten Idee bezeichnet, der im Markt noch übrig ist. Wie identifiziert man als Gründer diesen tragfähigen Rest einer Idee? Wie lief das bei Ihnen?

Also da muss ich sagen, dass wir die Idee, die wir 2001 hatten, bis zum Schluss durchgezogen haben und sie bis heute Grundlage unseres Geschäftskonzepts ist. Wir haben zwar an der einen oder anderen Ecke erweitert, aber die Kernidee findet sich in der Innovation und auch im Produkt wieder. Wir haben aus einer Technologie ein Produkt gemacht und konnten einen recht geradlinigen Weg verfolgen.

Zum Zeitpunkt Ihrer Gründung war die Biotechbranche in Hochstimmung. Dann platzte die Blase und es machte sich große Ernüchterung breit, mit der Folge, dass auch heute noch Investoren zurückhaltend sind, wenn sie 'Biotech' hören. Kann man vor diesem Hintergrund und dem Einfluss äußerer Bedingungen eine Empfehlung geben, wann der beste Zeitpunkt für eine Gründung ist?

Für den Peptiddruck wurde ein spezieller Toner entwickelt. © BIOPRO/Bächtle

Ich glaube, eine Gründung ist eher ideengetrieben als bedingungsgetrieben. Als wir uns entschieden haben, das Projekt zu machen, ist die Biotechnologieblase geplatzt. Jetzt, da wir nach Investoren suchen, ist die Finanzkrise am Markt – wir sind also sicher kein Beispiel für ein optimales Timing bei der Gründung. Aber die Idee hatte eben ein bestimmtes Zeitfenster von der Entstehung bis zur Umsetzung. Und ich denke, das ist das Maß, an das man sich mehr halten muss als an die äußeren Bedingungen.

Sie streben den Break-even für das Jahr 2013 an. Dann werden vom Gründungsjahr an gerechnet zwölf Jahre vergangen sein. Braucht man als Gründer immer so einen langen Atem?

Einem Investor wird es immer zu lange dauern und für einen Entwickler wird es nie die Perfektion erreicht haben, die er gerne hätte. Wir haben unser Produkt und befinden uns jetzt, 2009, in der Start-up-Phase. Vier Jahre bis zum Break-even ist für ein Biotechnologie-Unternehmen glaube ich kein großer Zeitraum. Ich lege immer Wert darauf zu sagen, dass wir mit nichts angefangen haben, dass wir aus komplett verschiedenen Bauteilen etwas Neuartiges zusammengesetzt und zum Funktionieren gebracht haben. Daran gemessen ist die Zeit von der Idee bis zum Erreichen der Gewinnschwelle nicht zu lange.

Gibt es Dinge, wovor Sie Gründer warnen würden? Gab es etwas, wofür Sie vielleicht selber Lehrgeld bezahlt haben?

Ich glaube, die meisten Fehler werde ich erst noch machen. Ich weiß daher nicht, ob ich der geeignete Ratgeber bin. Zunächst sollte man sich hinsetzen und einen Businessplan schreiben. Man sollte sich sehr gründlich überlegen, was man hat, was ist mein Produkt, wo ist der Markt, was kann ich damit verdienen, wie hoch sind die Kosten? Daraus entsteht eine Finanzplanung, die natürlich noch mit Unsicherheiten behaftet ist. Trotzdem sollte man in der Lage sein, hinter seiner Planung zu stehen.

Man sollte aber auch bestimmt nicht beratungsresistent sein. Das ist ein Fehler, den ich bei vielen anderen Gründern beobachtet habe, speziell bei Leuten, die zu technologiegetrieben sind. Sie lassen sich von denjenigen, die sich im Markt auskennen oder unternehmerische Erfahrung haben, nichts sagen. Es schadet nicht, sich mit Beratern zu umgeben, allerdings muss man im Vorfeld herausfinden, welche Leute die richtigen sind. Dazu kann man auch mal einen Testballon steigen lassen.

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