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Peter M. Chumakov erhält erstes Tübinger „Distinguished Guest Professorship“

Der russische Molekularbiologe und Mediziner Prof. Dr. Peter M. Chumakov forscht und lehrt mehrmals im Jahr für ein bis zwei Wochen an der Universität Tübingen. Diese besondere Art des internationalen Austauschs wird drei Jahre lang vom Land gefördert, um die Kompetenzen vor Ort durch die Zusammenarbeit mit hochrangigen Wissenschaftlern anderer Standorte zu verstärken.

Mit der Ausschreibung von „Distinguished Guest Professorships“ unterstützt Baden-Württemberg die Exzellenzinitiative des Bundes auf Länderebene. Entsprechend können Anträge nur von universitären Einrichtungen gestellt werden, die bereits im Rahmen der Exzellenzinitiative gefördert werden oder die ihre Beteiligung an einem Exzellenzvorhaben vorbereiten. Prof. Dr. Alfred Nordheim ist geschäftsführender Direktor des Interfakultären Instituts für Zellbiologie an der Universität Tübingen und gehört zu den Antragstellern der International Graduate School „Molecular and Developmental Cell Systems“. „Unser Antrag wurde in der ersten Etappe der zweiten Runde der Exzellenzinitiative positiv bewertet und wir wurden aufgefordert, einen Vollantrag auszuarbeiten, womit wir zurzeit sehr intensiv beschäftigt sind“, sagt Nordheim.

Exzellenzförderung auf Landesebene

Professor Dr. Peter M. Chumakov. © Friedhelm Albrecht

Die zeitraubenden Aktivitäten dafür hielten ihn nicht davon ab, auch einen Antrag zur Distinguished Guest Professorship einzureichen. „Das bringt durchaus Synergien mit sich, denn wir haben das Konzept in die Pläne zur Graduiertenschule eingebaut“, so Nordheim. Anfang 2011 wurde die Distinguished Guest Professorship bewilligt und am 4. März fand die Verleihung an Prof. Dr. Peter M. Chumakov statt. Er ist ein international renommierter Experte für molekulare Tumorbiologie und „ein echter Kosmopolit“, wie Nordheim sagt. Chumakov leitet eine Arbeitsgruppe am Engelhardt-Institut für Molekularbiologie in Moskau und parallel dazu eine Gruppe am Cleveland Clinic Lerner Research Institute der Case Western Reserve University in Ohio, USA.

„Vor rund zehn Jahren habe ich mich entschieden, ein zweites Labor in den USA aufzubauen, ohne das Moskauer Labor zu verlassen. Das hat den wissenschaftlichen Austausch zwischen beiden Standorten erheblich gefördert“, sagt Chumakov. Mit häufigen Ortswechseln hat er offensichtlich kein Problem – vor Kurzem nahm Chumakov noch die Herausforderung an, ein universitäres Forschungsinstitut in Novosibirsk aufzubauen. „Hier führen wir Wissenschaftler an einem Ort zusammen, die vorher an vier verschiedenen Standorten tätig waren. Außerdem arbeiteten sie vorher an reinen Forschungsinstituten und sind jetzt, da das neue Institut zur Universität von Novosibirsk gehört, in die Lehre mit eingebunden“, so Chumakov.

Tübingen wird in Chumakovs globale Forschungsachse integriert

Prof. Dr. Alfred Nordheim (re) mit Prof. Dr. Peter M. Chumakov (li), einer Koryphäe auf dem Gebiet der molekularen Tumorbiologie. © Lehmann

Den persönlichen Kontakt zu Nordheim knüpfte Chumakov vor rund zwei Jahren, als der Tübinger Zellbiologe in Moskau weilte. Einmal jährlich lädt das Engelhardt-Institut zum Geburtstag seines Namensgebers einen internationalen Sprecher ein, um die Engelhardt-Vorlesung zu halten. „2009 fiel die Wahl auf mich. Natürlich kannte ich vorher bereits Chumakovs Arbeiten. Sein Spezialgebiet sind Mechanismen, die die genetische Stabilität von Zellen kontrollieren, schwerpunktmäßig erforscht er die Funktion des Tumorsuppressor-Proteins p53“, erklärt Nordheim. Als er die Ausschreibung zur Distinguished Guest Professorship erhielt, war Chumakov ein sehr geeigneter Kandidat, der auch rasch seine Bereitschaft signalisierte.

Dank der Landesförderung und des gleich hohen finanziellen Engagements der Universität Tübingen sind nun nicht nur die Reise- und Aufenthaltskosten des russischen Gastes gesichert, sondern auch ein Stipendium sowie Sachmittel für einen Doktoranden, der von Chumakov und einem Tübinger Betreuer gemeinsam angeleitet wird. Als Kooperationspartner hat Chumakov dafür die Gruppenleiterin Dr. Tassula Proikas-Cezanne ausgewählt. „Das Projektthema ist zwar noch nicht endgültig geklärt, aber die grobe Richtung steht fest. In dem Kooperationsprojekt sollen zelluläre Mechanismen der Autophagie im Zusammenhang mit p53 untersucht werden“, so Nordheim. „p53 wirkt auf viele verschiedene Weisen. Vorarbeiten haben bereits gezeigt, dass es sehr komplexe Verbindungen zu den Mechanismen der Autophagie gibt. In mancher Hinsicht gibt es verstärkende, in anderer blockierende Aktivitäten. Wir wollen erforschen, wie dies reguliert wird“, ergänzt Chumakov.

Ein Gewinn für beide Seiten und für die internationale Zusammenarbeit

Abgesehen vom gemeinschaftlich erarbeiten wissenschaftlichen Fortschritt profitieren beide Partner auch noch in anderer Hinsicht. „Internationale Gäste und der Blick von außen sind sehr wichtig, für unsere Wissenschaftler und auch für unsere Studenten. Den Doktoranden unserer verschiedenen Konsortien bieten wir an, ihre Expertise im direkten Gespräch in einer Eins-zu-Eins-Konstellation mit Professor Chumakov auszutauschen. Er regt aus seiner Sicht Ergänzungen an, gibt wertvolle Tipps und übt Kritik“, sagt Nordheim. In diesem Jahr war Chumakov bereits dreimal zu Gast in Tübingen, womit sein Soll für dieses Jahr eigentlich erfüllt wäre. „Offensichtlich gefällt es ihm hier“, schmunzelt Nordheim, denn er ist sich sicher, seinen russischen Partner in diesem Jahr noch öfter in Tübingen begrüßen zu dürfen.

Chumakov findet es sehr wichtig und inspirierend, in verschiedenen Ländern Kooperationen zu pflegen. „Es ist wie eine Frischluftkur, immer wieder neue Wissenschaftler kennenzulernen, es entstehen neue Ideen, die unsere Studien stimulieren“, sagt Chumakov und betont den exzellenten Rang der Tübinger Forschung. Im nächsten Jahr wird er hier auch die Lehre bereichern. „Wir werden entsprechende Vorlesungen in unsere Master- und Doktorandenkurse einbauen“, bestätigt Nordheim.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/peter-m-chumakov-erhaelt-erstes-tuebinger-distinguished-guest-professorship