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Prävention und Früherkennung von Lungenkrebs

Bei der Diagnose, Therapie und Prävention des Lungenkrebses arbeiten das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Thoraxklinik Heidelberg Hand in Hand. Gemeinsam führen sie jetzt eine Screening-Interventionsstudie durch - als deutscher Beitrag an großen multinationalen Anstrengungen zur systematischen Früherkennung des Lungenkrebses.

46.000 Neuerkrankungen – 40.000 Todesfälle pro Jahr: Das ist die erschreckende Bilanz des Lungenkrebses in Deutschland. Weltweit rechnet man mit 1,2 Millionen Toten jährlich, und in vielen Ländern steigt die Zahl weiter steil an. Ursache für diese Häufigkeit und die Zunahme ist eindeutig das Rauchen, der bei weitem wichtigste Faktor für Krebsentstehung beim Menschen. Nur in seltenen Fällen kommt Lungenkrebs auch bei Menschen vor, die niemals geraucht haben und wissentlich niemals anderen bekannten Gefahrstoffen (beispielsweise Asbestfasern oder Radonstrahlung) ausgesetzt gewesen waren.

Prof. Dr. Hermann Brenner, Leiter der Abteilung Klinische Epidemiologie und Alternsforschung am DKFZ © DKFZ

Bei Männern ist das Lungenkarzinom mit 28.820 Fällen die häufigste Krebstodesursache überhaupt, bei Frauen nimmt es mit 11.026 Todesfällen (Zahlen von 2004) den dritten Platz unter den krebsbedingten Todesursachen ein (Krebsatlas GEKID, Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland). In den letzten zwanzig Jahren nahm die Zahl bei Männern ab, bei Frauen hingegen hat sie sich in dieser Zeit nahezu verdoppelt - ein beklagenswertes Ergebnis der Tatsache, dass der Tabakkonsum bei Frauen stark zugenommen hat, während die Bemühungen der Antiraucherkampagnen bei Männern einige, wenn auch bescheidene Erfolge verzeichnen. Besonders beunruhigend ist, dass viele Kinder und Jugendliche stark rauchen und in sehr frühen Jahren damit anfangen. Manche an Lungenkrebs erkrankte Patienten sind erschreckend jung. Es kann gar nicht genug betont werden, dass Rauchen nicht „cool" und keine Lifestyle-Droge ist, sondern eine Sucht, von der die allermeisten Menschen nur mit ärztlicher Hilfe befreit werden können.

Hilfe beim Rauchstopp

Rauchfrei © DKFZ

In einer bevölkerungsbezogenen Studie fanden Wissenschaftler der Abteilung von Professor Hermann Brenner am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) heraus, dass die meisten älteren Raucher in Deutschland gern aufhören würden zu rauchen und es auch schon mehrfach erfolglos versucht hatten. Das DKFZ hat deshalb ein Rauchertelefon (Telefonnummer 06221-42 42 00) eingerichtet, über das Anrufer Unterstützung für den Ausstieg aus dem Rauchen und auf Wunsch auch Adressen von Therapeuten und Kliniken erhalten. Rauchenden Krebspatienten und ihren Familien wird eine spezielle Beratung zur Tabakentwöhnung (Telefonnummer 06221-42 42 24) angeboten. Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören, und auch Lungenkrebspatienten sprechen besser auf die Behandlung an, wenn sie nicht mehr rauchen.

Thoraxklinik Heidelberg-Rohrbach © Thoraxklinik

Auf dem Gebiet des Lungenkrebses hat das DKFZ langjährige Forschungskooperationen mit der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg, einer der ältesten und größten Lungenfachkliniken Europas. Pro Jahr werden an der idyllisch in Heidelberg-Rohrbach gelegenen Thoraxklinik 5.000 Patienten stationär behandelt und etwa die gleiche Zahl von Patienten zusätzlich ambulant betreut. Mit ihrem Leistungsspektrum auf dem Gebiet der internistischen Onkologie der Thoraxtumoren und der Thoraxchirurgie nimmt die Klinik eine führende Position nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa ein. Sie ist in das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), an dem auch das DKFZ zusammen mit dem Universitätsklinikum Heidelberg und der deutschen Krebshilfe beteiligt ist, integriert.

Zur Unterstützung von Erkrankten und ihren Familien hat sich an der Thoraxklinik eine „Patient Support Group" gebildet, ein Zusammenschluss von betroffenen Patienten und ihren Angehörigen. Sie setzt sich auch dafür ein, mehr öffentliche Aufmerksamkeit für die Erkrankung zu erreichen und dazu beizutragen, dass mehr gesamtgesellschaftliche Anstrengungen unternommen werden, dem Lungenkrebs wirksamer vorzubeugen, ihn früher zu entdecken und erfolgreicher zu behandeln.

Die deutsche Lungenkrebs-Früherkennungsstudie LUSI

Prof. Dr. Nikolaus Becker, Leiter des Krebsregisters Baden-Württemberg. © DKFZ

Gemeinsam führen das DKFZ und die Thoraxklinik eine groß angelegte Früherkennungsstudie namens „LUSI" (Lungenkrebs-Screening-Interventionsstudie) durch, um Lungenkrebs in Zukunft frühzeitiger zu diagnostizieren und damit die Heilungschancen zu verbessern. Das Vorhaben begann im September 2007. Bis Mitte 2009 wurden etwa 240.000 Personen im Alter von 50 bis 69 Jahren (Raucher, Nichtraucher und ehemalige Raucher) aus der Region Rhein-Neckar zunächst zu einer schriftlichen Befragung eingeladen. Aus diesem Kreis werden etwa 4.000 Personen für eine randomisierte Studie ausgewählt, die  hälftig von der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen ihres Förderprogramms Klinische Studien und der Dietmar-Hopp-Stiftung in Walldorf finanziert wird.

„Wir wollen mit dieser Studie prüfen, wie gut die Mehrschicht-Computertomographie (MSCT) geeignet ist, Lungenkrebs in einem sehr frühen und damit noch gut behandelbaren Stadium zu erkennen", erklärt der Studienleiter, Professor Nikolaus Becker, Epidemiologe am DKFZ. Das Problem ist, dass Lungenkrebs bisher meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird, wenn kaum noch eine Heilung möglich ist, sodass 85 bis 90 Prozent aller Patienten innerhalb fünf Jahren nach der Diagnosestellung versterben. Wird er dagegen in einem frühen Tumorstadium erkannt, ist die Prognose weit günstiger.

Bei den Diagnoseverfahren wie Röntgenaufnahmen der Lunge oder zytologischen Untersuchungen des Sputums (des ausgehusteten Schleims der Atemwege) konnte eine Effektivität als Früherkennungsmaßnahme bisher nicht nachgewiesen werden. Dagegen gibt es Hinweise, dass mit der MSCT viele Tumoren frühzeitig (im Stadium 1a) entdeckt werden können.

Internationaler Lungenkrebstag 2009. © Thoraxklinik Heidelberg

Die Heidelberger LUSI-Studie ist der deutsche Beitrag zu einer multinationalen europäischen Studie mit insgesamt 28.000 Teilnehmern, unter anderem aus Dänemark, den Niederlanden und Italien, in der die Wirksamkeit der MSCT mit einer Kontrollgruppe verglichen wird. Auch in den USA findet eine große randomisierte Studie statt, in der die Erkennung von Lungenkrebs durch MSCT im Vergleich zu Röntgenaufnahmen bei etwa 50.000 Studienteilnehmern untersucht wird. Ziel dieser vereinten internationalen Anstrengungen ist es, festzustellen, ob sich MSCT zur systematischen Früherkennung von Lungenkrebs eignet und in der Lage ist, die Mortalität an Lungenkrebs unter den Screening-Teilnehmern um mindestens 20 Prozent zu senken. Ergebnisse werden in etwa fünf bis sieben Jahren erwartet.

Für die Teilnehmer an der LUSI-Studie ergibt sich jedoch auch unmittelbarer Nutzen. Sofern sie Raucher sind, erhalten sie das Angebot einer kostenlosen Raucherentwöhnungs-Beratung.  Durch die MSCT-Untersuchungen wurde bereits bei mehreren Personen Lungenkrebs gefunden, der sich bei allen in einem noch sehr kleinen, gut behandelbaren Stadium befand. Bei etwa 20-25 Prozent der untersuchten Personen wurden Auffälligkeiten entdeckt, die einer weiteren Abklärung bedürfen. In den meisten Fällen erweisen sich solche Auffälligkeiten als harmlos, allerdings kann eine Entwarnung hier mitunter erst nach drei bis sechs Monaten gegeben werden.

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