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Präventiv handeln, Gesundheitsschäden vermeiden

Ein dichtes Netz aus Gesetzen und Richtlinien gibt vor, wann welche Umweltfaktoren in welchen Mengen tolerierbar sind und wo die gesundheitliche Belastung anfängt. Damit die Grenzwerte eingehalten werden können, sind umfangreiche und genaue Analysen nötig. Das übernehmen Prüflabore wie die Stuttgarter UIS Umweltinstitut synlab GmbH.

Die beste Medizin ist Prävention - nach diesem Motto wurden umfassende Regelwerke auf nationaler und europäischer Ebene geschaffen, die Grenzwerte für potenziell gesundheitsschädliche Umweltfaktoren angeben. Diese Umweltfaktoren stammen aus den unterschiedlichsten Quellen, sie können von Wasser, Boden, Luft und Lebensmitteln ausgehen, natürlicher Art oder künstlich erzeugt sein. Um die Grenzwerte möglichst lückenlos zu überprüfen, wurden Prüfschemata und -intervalle definiert sowie bestimmte Analysen vorgeschrieben. Oft sind dafür aufwändige Prozeduren und ebenso präzise wie teure Anlagen nötig, was die Analysen zu einem Fall für darauf spezialisierte Unternehmen macht.

In diesem Hightech-Gerät sind zwei Massenspektrometer hintereinander geschaltet. Der Gaschromatograf dient vor allem zur Analyse von Proben auf Pestizide. © UIS Umweltinstitut synlab GmbH

Die UIS Umweltinstitut synlab GmbH ist eines davon. Das Unternehmen ist ein Zusammenschluss von drei unabhängigen Umweltinstituten, die zum Teil schon in den 70er Jahren gegründet wurden und 2004 ihre Kompetenzen in einer neuen GmbH zusammenlegten. Das Unternehmen hat inzwischen Niederlassungen in ganz Süd- sowie in Ostdeutschland, in Österreich und Ungarn. Das Stuttgarter Zentrallabor ist spezialisiert auf Lebensmittel- und Wasser-Analysen und übernimmt Sonderanalysen. Die Teams führen alle Arbeiten von der Probennahme über die Probenlogistik bis zu den Tests selbst durch.
Die wichtigsten Arbeitsgeräte der 45 Mitarbeiter in den Stuttgarter Laboren sind Analysegeräte, die für chromatografische Untersuchungen mit Trennsäulen ausgestattet sind. Diese funktionieren nach dem chemischen Prinzip von Adsorption und Desorption. „Die Geräte selbst kaufen wir. Je nach Fragestellung entwickeln wir dann die passende Analysemethode, wobei wir mitunter auch auf Applikationen der Hersteller zurückgreifen können", erklärt Niederlassungsleiter Robert Ottenberger. Der Nachweis erfolgt je nach Analyt gas- oder flüssigkeitschromatografisch. Thermisch stabile Stoffe werden in der Regel gaschromatografisch analysiert. Je nach Ausgangssubtanz - ob zum Beispiel Mineralwasser oder Industrieabwasser analysiert werden soll - kommen allein schon im Bereich Wasser im Detail sehr unterschiedliche Verfahren zum Einsatz.

Schwerpunkt Wasser

Es gibt allerdings allgemeine Trends: „Wir gehen heute auf sehr kleine Säulen und arbeiten mit deutlich geringeren Probe- und Lösungsmittelmengen als früher. Damit verringern wir unsere eigene Abfallmenge, was sich auch auf die Kosten auswirkt“, sagt Ottenberger. Kleine Säule ist wohl ein relativer Begriff, immerhin sind sie bis zu 50 Meter lang – aber sehr dünn. „Solche Säulen sind dünner als Draht und werden wie dieser aufgewickelt. Damit können wir Proben bis in den ppt-Bereich analysieren“, so Ottenberger. Seine Kunden im Bereich Wasser sind hauptsächlich Heil- und Mineralwasser-Firmen sowie Zweckverbände beziehungsweise Wasserversorgungsunternehmen. „Wir untersuchen auf sämtliche Parameter, die in den Trink- und Mineralwasserverordnungen aufgeführt sind. Rund 80 Prozent der Mineralbrunnen in Süddeutschland lassen bei uns analysieren, wobei es in der Branche üblich ist, das Wasser von mehreren Prüflaboren testen zu lassen“, ergänzt Ottenberger. Damit tragen Unternehmen wie UIS dazu bei, dass Trink- und Mineralwasser in Deutschland nach wie vor eines der bestuntersuchten und sichersten Lebensmittel bleibt.

Das Umweltinstitut prüft den Gehalt an mineralischen Inhaltsstoffen, untersucht Wasserproben auf Pestizide, und es stellt sich mit speziellen Methoden auf aktuell problematische Umweltfaktoren wie Uran ein. Wasserproben werden vor der Analyse üblicherweise aufkonzentriert, und zwar um das 500- bis 2.000-fache, wie Ottenberger erklärt. Kein Fall für die Säule ist die Keimbelastung. Wasserproben werden in der Regel auf ihre Gesamtkeimzahl hin untersucht. Dazu werden Anreicherungen über Nährböden und Membranfilter durchgeführt und es wird nach Indikatorparametern gesucht. So ist E. coli zum Beispiel ein Indikatorkeim für die Fäkalienbelastung von Trinkwasser.

Schwerpunkt Pflanzenprodukte

Boden, Wasser- und Luftproben werden in diesem Gerät auf leichtflüchtige Kontaminanten untersucht. Die Behälter in dem Probensampler werden nach und nach über Nacht automatisch abgearbeitet. © UIS Umweltinstitut synlab GmbH

Ein weiterer wichtiger Geschäftsbereich, den UIS in den letzten Jahren ausgebaut hat, ist die Analyse von Lebensmitteln pflanzlicher Herkunft. Obst und Gemüse, Kaffee und Gewürze werden auf gesundheitsschädliche Umweltfaktoren wie Pestizide, Schwermetalle und Mykotoxine untersucht. Hier liegt die Tücke im Detail und beginnt schon bei der Probenaufbereitung. Meist fängt alles mit zerkleinern und pürieren an, dann kommen diverse Lösungsmittel zum Einsatz. Nun ist zum Beispiel eine Erdbeere keine Kokosschale, die pflanzlichen Gewebe sind so unterschiedlich wie die nötigen Methoden zur Probenvorbereitung. Um sicher zu gehen, dass sich auch wirklich alle Stoffe aus der Matrix lösen, wird häufig eine Wiederfindungsbestimmung durchgeführt: Die Labormitarbeiter stellen eine belastete Probe her mit genau definierter Zusammensetzung und Konzentration. Sie dient in der Analyse dann als Referenz für die zu untersuchende Probe.

Analysiert werden meist die Endprodukte, also Früchte und Gemüse vor dem Verkauf, manchmal werden allerdings auch Vor-Ernteuntersuchungen durchgeführt. Besonders streng sind einige Bioverbände. Hier geht es nicht darum, auf die Einhaltung bestimmter Höchstmengen zu testen, sondern diverse Substanzen wie Pestizide völlig auszuschließen. Im konventionellen Anbau ist genau geregelt, welche Pestizide in welchen Mengen und Kombinationen in welchen Wachstumsphasen verwendet werden dürfen. Eine lückenlose Überprüfung aller Wachstumsphasen ist weder praktikabel noch bezahlbar, aber die Endproduktanalysen lassen durchaus Rückschlüsse auf die vorhergehende Behandlung zu. Wenn aber ein Pestizid XY so früh und wenig eingesetzt wurde, dass es bis zur Ernte vollständig abgebaut ist, kann der Gebrauch nicht mehr nachgewiesen werden. Allerdings: Ist das dann noch relevant? Diese Frage ist jedoch nichts für Analysten, sondern eher für weltanschauliche Diskussionen.

Wer kontrolliert die Kontrolleure?

Im Analysebereich geht nichts ohne Qualitätsmanagement. Für das Umweltinstitut arbeiten zahlreiche öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige sowie Gutachter mit Spezialkenntnissen. Die Untersuchungsmethoden sind nach deutschen und nach europäischen Normen akkreditiert. Im Lebensmittelbereich ist die Sache nicht einfach: Trotz europaweiter Akkreditierung muss die Analyse noch auf Bundes- oder Landesebene zugelassen sein. Und hier haben die Länder mitunter unterschiedliche Vorschriften. Das kann dazu führen, dass Institute eine bestimmte Analyse in Niedersachsen machen dürfen, in Bayern jedoch nur nach speziellen Auflagen, die eine Umstellung des Verfahrens bedingen.

Bei Obst, Gemüse und Kartoffeln hat sich UIS freiwillig nach den Richtlinien des QS-Systems zertifizieren lasen. Dieses System garantiert eine systematische Überwachung bei allen Partnern entlang der Lieferkette. Das Ziel ist die Einhaltung der Höchstmengen für Pflanzenschutzmittel nach der deutschen Rückstands-Höchstmengenverordnung und der ausschließliche Einsatz zugelassener Mittel. Für die Mitglieder und damit auch für UIS bedeutet dies, dass sie zweimal jährlich im Rahmen eines Ringversuches dotierte Proben erhalten, deren Analyse einwandfrei ablaufen muss.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/praeventiv-handeln-gesundheitsschaeden-vermeiden