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Protzek GmbH: Drogen- und Medikamentenanalytik vor Ort

Die Protzek Gesellschaft für Biomedizinische Technik mbH aus Lörrach hat ein mobiles System entwickelt, das eine quantitative Drogen- und Medikamentenanalytik an Ort und Stelle erlaubt – und zwar ausnahmslos nach objektiven Kriterien. Das hilft, Kosten zu sparen, denn die subjektiv beurteilten Urin- oder Speichelproben wurden bisher häufig unnötigerweise ins Labor geschickt.

Die Systeme der Protzek Gesellschaft für Biomedizinische Technik mbH © Protzek Gesellschaft für Biomedizinische Technik mbH

Der Missbrauch von Drogen und Medikamenten im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz stellt ein enormes Sicherheitsrisiko für die Gesellschaft dar. Ob bei Justiz, Polizei, Zoll, Kliniken, Therapieeinrichtungen, Arztpraxen oder Notfallambulanzen – oft sind schnelle und unkomplizierte Tests gefragt, die auf verbotene Substanzen in Blut, Urin oder Speichel ansprechen.

Mit dem mobilen Minilabor PIA aus der Produktpalette der Protzek Gesellschaft für Biomedizinische Technik mbH in Lörrach lassen sich vor Ort die Konzentrationen mehrerer verschiedener Substanzen wie Drogen oder Medikamente schnell und sicher nachweisen, und zwar auf objektive Weise. In einem einzigen Arbeitsgang liefert das System aus unterschiedlichem Probenmaterial wie Urin, Blut/Serum, Speichel und Schweiß Ergebnisse und wertet diese aus. „Stellen Sie sich einen Polizisten in fortgeschrittenem Alter vor, der nachts eine Linie auf einem gängigen, visuellen Teststreifen interpretieren muss“, sagt Christoph Protzek. In manchen Fällen sieht man Linien, wo keine sind. Die Probe wird ins Labor geschickt. Fällt sie negativ aus, muss die Polizei für die Kosten aufkommen.

Fehlerhafte Interpretationen ausgeschlossen

Die Systeme, die die Experten aus Lörrach anbieten, sind handlich und wahre Wunderwerke der Mikrosystemtechnik und Analytik. Auf einem Teststreifen aus speziellem Material sind die Antikörper für verschiedene Substanzen wie zum Beispiel Kokain aufgetragen. Mit einer Pipette wird Urin, Schweiß, Blut oder Speichel zugeführt. Die Probe wandert chromatographisch über den Teststreifen und passiert dabei die verschiedenen Drogen-Antikörper. Auf dem Display sind direkt die Messwerte in ng/ml ablesbar. Fehlerhafte Interpretationen der bisherigen qualitativen Schnelltests durch subjektive Ja/Nein-Auswertung des Anwenders können damit ausgeschlossen werden. Eine lückenlose Dokumentation und die elektronische Weiterverarbeitungsmöglichkeit der vor Ort ermittelten Messwerte liefert die Entscheidungsgrundlage dafür, ob eine teure Blutabnahme und gerichtsmedizinisch beweissichere Gaschromatographie-Massenspektroskopie durchgeführt werden muss.

Protzek konnte als Diplomingenieur für biomedizinische Technik 28 Jahre lang in mehreren großen internationalen Unternehmen Erfahrungen sammeln, lange vor der Gründung der Protzek GmbH im Jahr 2001 also. „Ich habe aufgrund dieser Erfahrungen Chancen im Bereich Medikamenten- und Drogenanalytik gesehen“, sagt er. Zunächst vertrieb das Unternehmen Produkte, die es bei Auftragsherstellern anfertigen ließ. Aber 2004 stiegen Protzek und sein Team selbst in die Entwicklung ein. 2006 war das erste eigene Produkt geboren. Heute hat die Protzek GmbH neben dem Hauptstandort in Lörrach zwei Vertriebsstandorte in der Schweiz und in Frankreich. Unter den 20 Mitarbeitern sind vier Naturwissenschaftler, die hauptsächlich im Labor arbeiten und neue Ideen weiter entwickeln. „Wichtig für die Entwicklung sind unsere strategischen Allianzen mit den Universitäten Heidelberg und Freiburg“, sagt Protzek. Um auf den heutigen technologischen Stand der PIA-Systeme zu gelangen, war es nötig, neue Produktionstechniken zu entwickeln, damit die Antikörperschnelltests die gewünschte Präzision erreichen.

Angst vor der Konkurrenz?

Die Drogen- und Medikamententestysteme der Protzek Gesellschaft für Biomedizinische Technik mbH sind nicht nur absolut zuverlässig und genau, sondern auch handlich. © Protzek Gesellschaft für Biomedizinische Technik mbH

Protzek sieht zukünftig in der Drogen- und Medikamentenanalytik einen riesigen Markt. Er führt zum Beispiel das Stichwort „Bedside-Medizin“ an. Die leicht bedienbaren Schnelltest-Systeme können Proben schnell und sehr exakt analysieren, ohne dass diese in weitentfernte Labors geschickt werden müssen. „In diesem Markt rechnen wir uns für die Zukunft große Chancen aus“, sagt der Geschäftsführer. Aber er sieht auch in anderen Bereichen Potenzial. „Wenn man einmal die Technik und das Know-how hat, dann kann man unsere Systeme im Prinzip überall da einsetzen, wo schnell und zuverlässig getestet werden muss. Zum Beispiel in Schwellenländern, bei Doping-Kontrollen oder im Bereich der biologischen Kampfstoffe.“

Angst vor der Konkurrenz hat Geschäftsführer Protzek nicht. „Wir haben unser neues Produktionsverfahren, wir haben die Mathematik für die Auswertungssoftware - da muss uns erst mal jemand einholen“, sagt er. Im nächsten Jahr wollen er und sein Team nach Frankreich und der Schweiz jetzt auch die Märkte in Osteuropa, Spanien, Italien und Portugal erschließen. Denn auch dort wird schließlich Auto gefahren. Um ein Beispiel zu nennen.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/protzek-gmbh-drogen-und-medikamentenanalytik-vor-ort