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Rezension: Die Pharmaindustrie

Das Buch "Die Pharmaindustrie", herausgegeben von Dagmar Fischer und Jörg Breitenbacher, gibt einen umfassenden Überblick über die zahlreichen Bereiche eines pharmazeutischen Unternehmens. Es richtet sich an Uni- und Hochschul-Absolventen der Life Sciences, Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften sowie Juristen. Das nun in der vierten Auflage erschienene Buch geht auf aktuelle Entwicklungen in den Unternehmen ein - sowohl aus wissenschaftlicher Sicht als auch aus Sicht des Marketings - und macht Lust darauf, sich in der Branche zu bewerben.

© Springer Spektrum

Die Pharmaindustrie – Milliarden Euro schwere Unternehmen, die Arzneimittel vertreiben beziehungsweise Inhaber von Zulassungen für Arzneimittel sind. Laut Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) waren in Deutschland im Jahr 2011 105.435 Menschen in der Pharmaindustrie beschäftigt und im Jahr 2010 waren etwa 19.000 Menschen in der Forschung und Entwicklung in dieser forschungsintensiven Branche tätig. Für Absolventen der Biotechnologie und der Life Sciences sowie den Wirtschaftsfächern ist die Pharmaindustrie ein interessanter Arbeitgeber. Doch häufig fehlt den Studierenden der Überblick über die Branche, kennt man doch nur den Uni-Alltag. Mit der vierten Auflage des Buches „Die Pharmaindustrie“ kann dies anders werden. Denn nach der Lektüre dieses 358 Seiten umfassenden Werkes weiß der Studierende, welch spannende Aufgaben auf ihn zukommen könnten.

Der Einstieg im ersten Kapitel „Wandel und Herausforderung – die pharmazeutische Industrie“ fällt jedoch leider nicht so leicht. So sind die Kapitelabschnitte teilweise mit Umsatzzahlen durchsetzt, die das Lesen erschweren. Umso spannender geht es jedoch im zweiten Kapitel weiter: An Beispielen wird die Arzneimittelentwicklung aufgeführt und im Anschluss im Detail erklärt. Die vier Autoren des Kapitels berichten von der Auswahl geeigneter pharmakologischer Modelle - vom Mikroorganismus bis zur Maus - und von deren Übertragbarkeit auf den Menschen. Auch die Statistik findet dabei ihre Erwähnung und natürlich die Zulassung des Arzneimittels. Während in Kapitel drei der Schwerpunkt auf der Applikation des Arzneimittels liegt, schließt Kapitel vier direkt an Kapitel zwei an. Wenn auch die Art der Abbildung mit dem Screenshot der Organisation der Dokumente, also eines Ordnerbaums, etwas seltsam erscheint, ist das trockenere Thema über Zulassungsverfahren in den USA und der EU interessant geschrieben.

Qualität in der Produktion

Rohstofflagerung in der Produktion © Boehringer Ingelheim

Kapitel 5 und 6 befassen sich nun mit der Produktion von Arzneimitteln und der dazugehörenden Qualitätskontrolle. So wird neben den unterschiedlichen GMP-Regelwerken (GMP: Good Manufacturing Practice) anhand einer Kapselherstellung auf die Produktionsabläufe eingegangen. Damit werden auch die Studierenden der Ingenieurswissenschaften angesprochen. Interessant ist die Darstellung eines Raumkonzepts für die Herstellung fester Arzneiformen. Zeigen doch die zahlreichen Schleusen und Sicherheitssysteme, dass eine Kontamination im Herstellungsbereich unbedingt vermieden werden muss und es dafür eines hohen Aufwands bedarf.

Ab Kapitel 7 stehen Projektmanagement, Lizenz- und Patentfragen sowie das Marketing auf dem Programm. Wie Lizenzverhandlungen aussehen können und mit welchen Verfahren der Vertrieb und Marktanteil eines Medikamentes nach Ablauf des Patentes gesichert werden kann, erklären Dr. Jörg Breitenbacher und Dr. Jon B. Lewis. Die beiden Consulting-Experten beschreiben, welche Kooperationsmodelle sich in verschiedenen Fällen lohnen.

Patienten informieren sich

Dass sich der Pharmamarkt in Zukunft ändern wird, sieht man an dem zunehmenden Gesundheits- und Präventionsbewusstsein der Verbraucher. Dem Markt für funktionelle Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel werden positive Wachstumsraten von bis zu 20 Prozent prognostiziert. Neben dieser positiven Entwicklung bemängeln die Herausgeber jedoch, dass Zivilisationskrankheiten, wie Diabetes und Hypertonie, immer mehr zunehmen. Dennoch: Die durch das Internet zur Verfügung gestellte Informationsfülle zu nahezu jeder medizinischen Fragestellung macht den Verbraucher zu einem aktiven Patienten. Die Häufigkeit der Selbstmedikation nimmt zu. Und so muss das Pharmaunternehmen, laut der Autoren, deutlich patienten- und damit kundenorientierter arbeiten.

Ein anderer Teil der Zukunft der Pharmabranche liegt in den aufstrebenden Märkten der sich entwickelnden Länder wie China oder Brasilien. Und auch den Biotechnologie-Unternehmen schreiben die Herausgeber einen Anteil an der Zukunft der deutschen Pharmaindustrie zu. Gibt es doch zahlreiche Kooperationen zwischen großen Arzneimittelherstellern und kleinen und mittleren Unternehmen aus der Biotech-Szene.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/rezension-die-pharmaindustrie