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Rezension: Im Fokus: Genetik - Dem Bauplan des Lebens auf der Spur

„Im Fokus: Genetik“ ist ein Buch, dass auf interessante Art in die Thematik der Genetik einführt. Es greift einzelne Aspekte der komplexen Forschungsrichtung auf und erklärt diese anhand von Beispielen. Trotz Schwächen im Erzählstil sind Teile des Buches lesenswert, da über die ausgewählten Beispiele spannend berichtet wird. Positiv hervorzuheben ist noch das Glossar, das einen schnellen Überblick über das gängigste Fachvokabular ermöglicht.

© Springer Spektrum

Das Buch aus der Springer Reihe „Im Fokus“ bietet Anekdoten aus der Genetik. Über zahlreiche Geschichten wird der Leser an die Thematik herangeführt. Im ersten Kapitel führt Nadja Podbregar beginnend bei der Entdeckung der DNA in alltägliche Anwendungen oder Vorkommnisse ein, die dank der Forschung im Bereich der Genetik möglich sind. Dazu gehören Vaterschaftstests sowie molekulare Kriminalistik. In den einzelnen kurzen Unterkapiteln wird der Leser mit den Vorgängen in der Zelle vertraut gemacht. Die beigefügten Fotos und Abbildungen unterstützen dies. Nach einem kurzen geschichtlichen Überblick erzählt Edda Schlager in Kapitel 3 die Geschichte der Epigenetik. Der Leser erlebt die Entdeckung der Nobelpreisträger Craig Mello und Andrew Fire mit und lernt so viele Aspekte des doch recht neuen Forschungszweiges kennen.

Kapitel 4 und 5 erfüllen die Erwartungen nicht

Die Kapitel 4 und 5 zu den Themen Klonen und Chimären enttäuschen jedoch. Wie in allen Kapiteln wird auch hier wieder eine Geschichte gespickt mit Zitaten erzählt. Der Leser wird jedoch mit den ethisch problematischen Fragestellungen, wie therapeutisches Klonen oder Mensch-Tier-Hybriden als Organlieferanten, alleingelassen. In den Text eingeflochtene Worte - wie, dass das deutsche Embryonenschutzgesetz „noch“ die Auffassung vertritt „wenige Tage alte Menschen dürften nicht als Ersatzteillager dienen“ - unterstützt die objektive wie auch kritische Beurteilung einer umstrittenen wissenschaftlichen Forschungsrichtung nicht. So wird am Ende von Kapitel 5 und auch im Kapitel 6 über Gentherapie vor „Supermenschen“ oder „genetisch determinierten Klassen“ gewarnt. Die Autorin der Kapitel, Nadja Podbregar, setzt hierzu Zitate von Wissenschaftlern ein. Diese Art der Polarisierung schürt jedoch die Angst vor der modernen Wissenschaft und trägt nicht zu einer objektiven Aufklärung bei.

Die folgenden Kapitel behalten das Konzept des Geschichtenerzählens bei. Kapitel 11 „Das Geheimnis der Hundertjährigen“ berichtet interessant geschrieben über die Suche nach dem „Langlebigkeitsgen“ und klärt auf, dass es dieses eine Gen nicht gibt, sondern vermutlich mehrere solche Gene. Es werden verschiedene Forschungsprojekte wie das Methusalem-Projekt am Universitätsklinikum Kiel vorgestellt. Hier wurde das Erbgut von 380 Hundertjährigen mit dem von 731 zufällig ausgewählten jüngeren Personen verglichen. Die Wissenschaftler konnten bereits bestätigen, dass eine Variation der Sequenz des Gens FOXOA3 häufig bei Menschen auftritt, die das hundertste Lebensjahr erreicht haben.

Synthetische Biologie als Hoffnungsträger?

Interessant ist auch das Kapitel über Synthetische Biologie, in dem über den Weg zu den ersten vermehrungsfähigen künstlichen Zellen berichtet wird. Möglichkeiten, zum Beispiel für die Krebstherapie oder die Produktion von Grippeimpfstoffen, sowie die Gefahren, die durch eine Freisetzung entstehen können und wie die Wissenschaftler hier vorbeugen, werden ebenfalls in dem Kapitel erklärt. So hat das Team um Craig Venter zum Beispiel die Namen der Wissenschaftler und die Internetadresse des Unternehmens in das Erbgut der ersten künstlichen Zelle als Wasserzeichen eingebaut. Weiterhin ist die Zelle außerhalb des Labors nicht lebensfähig.

Das Buch ist eine nette Sammlung von Beispielen zu Anwendungen und Forschungszweigen der Genetik. Leider weicht die Art der Berichterstattung zu häufig von der Sicht des neutralen Beobachters ab und lässt so keine eigene Meinungsbildung des Lesers zu.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/rezension-im-fokus-genetik-dem-bauplan-des-lebens-auf-der-spur