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Startkapital für Technologieunternehmen von morgen

In der Medizintechnik und Biotechnologie wird eine Menge Geld verbraucht – vor allem in der Entwicklung neuer Produkte. An deutschen Universitäten entstehen zwar viele gute Ideen, doch diese in ein neues Medikament oder ein Gerät umzusetzen, erfordert einen langen Atem und eine solide finanzielle Basis. Schließlich sind aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen an Medizin- und Pharmaprodukte die Entwicklungszeiten lang und damit der Kapitalbedarf hoch – eine Situation, die Kapitalgeber oft abschreckt. Ein Ausweg führt über den High-Tech Gründerfonds.

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Die 500.000 Euro, mit denen der High-Tech Gründerfonds sich an Unternehmen in der ersten Finanzierungsrunde beteiligt, sind zwar oft nur ein verhältnismäßig kleiner Betrag. „Doch wir achten darauf, dass mit diesem Startkapital wertsteigernde Meilensteine erreicht werden“, sagt Investmentmanagerin Dr. Caroline Fichtner. Das könne beispielsweise der Abschluss einer wichtigen Studie sein, mit der sich dann weitere Kapitalgeber überzeugen lassen. 13 der vom Fonds finanzierten Life-Science-Unternehmen haben dies bereits geschafft. Sie haben aufbauend auf der Finanzierung durch den High-Tech Gründerfonds Anschlussfinanzierungen in Höhe von insgesamt 16,5 Mio. Euro akquiriert.

Ein großer Erfolg, denn schließlich ist der High-Tech Gründerfonds gerade erst drei Jahre alt. Der Fonds wurde ins Leben gerufen, um chancenreiche Unternehmensideen schon in der frühen Gründungsphase mit Risikokapital auszustatten. Dieses stammt vom Bundeswirtschaftsministerium, der KfW Bankengruppe sowie einer Investorengemeinschaft aus BASF, Deutsche Telekom, Siemens, Bosch, Carl Zeiss und Daimler. Insgesamt haben die Beteiligten 272 Mio. Euro in diese Public-Private-Partnership eingelegt.

Den Millionen-Topf anzapfen

Senior Investmentmanager Marco Winzer (Foto: High-Tech Gründerfonds)
In der ersten Finanzierungsrunde bietet der High-Tech Gründerfonds eine Seed-Finanzierung in Höhe von 500.000 Euro. Dabei erwirbt der Gründerfonds 15 Prozent der Unternehmensanteile und legt zudem ein Gesellschafterdarlehen mit Wandlungsoption ein. Einige Voraussetzungen müssen dafür natürlich erfüllt sein: „Im Life-Science-Bereich sollten die Gründer bereits eine inkubierte Technologie mit in das Unternehmen bringen“, so der Senior Investmentmanager Marco Winzer. In der Medizintechnologie sollte beispielsweise ein Laborprototyp vorliegen. In der roten Biotechnologie können etwa erste Studien zur Wirkstoffentwicklung abgeschlossen sein, sodass die Auswahl der Wirkstoffe bereits eingeschränkt ist und besonders viel versprechende Substanzen schon identifiziert wurden. Die Technologien werden dabei im Rahmen der Beteiligungsprüfung (Due Diligence) von externen Spezialisten analysiert und bewertet.

Management-Unterstützung beim Aufbau des Unternehmens

Auch die Gründer selbst werden unter die Lupe genommen. Liegt schon kaufmännische Erfahrung vor? Sind die Gründer bereit, ihr Team um noch fehlende Expertise zu erweitern? „Während des Auswahlverfahrens – und bei Erfolg auch darüber hinaus – werden die Gründer von Coaches unterstützt“, so Marco Winzer. Dabei handelt es sich um vom High-Tech Gründerfonds akkreditierte Experten, die wertvolle Erfahrung im Aufbau von Unternehmen mitbringen und diese an die Gründerteams weitergeben.

Zuletzt trifft ein erfahrenes Gremium die Entscheidung, ob sich der High-Tech Gründerfonds an einem Unternehmen beteiligt. In diesem sind die Investoren des High-Tech Gründerfonds vertreten, die dorthinein Branchenkenner aus Investoren-, Unternehmer- und Wissenschaftsszene entsandt haben. Bis Mai 2008 konnten in 40 Komiteesitzungen 141 Beteiligungen zugesagt werden. Im Schnitt führte eine von neun Anfragen zur Beteiligung des High-Tech Gründerfonds.

Biotechnologie und Medizintechnik hoch im Kurs

Anfragen an den High-Tech Gründerfonds, aufgeschlüsselt nach Bundesländern (Abbildung: High-Tech Gründerfonds)
Bio- und Medizintechnik haben beim High-Tech Gründerfonds einen hohen Stellenwert: „Gesundheit ist ein Wachstumsmarkt, wir sehen darin ein großes Potenzial“, sagt Caroline Fichtner. Rund 30 Prozent der Portfolio-Unternehmen des Fonds stammen aus der Life-Science-Branche. Beim Blick in die Statistik fällt jedoch auf, dass nur acht Prozent aller Anfragen an den High-Tech Gründerfonds aus Baden-Württemberg kommen. „In Baden-Württemberg fehlt es an institutioneller Unterstützung im Bereich der Seedfinanzierung, Bayern und Nordrhein-Westfalen sind da besser organisiert“, sagt Marco Winzer. Ein positives Beispiel aus Baden-Württemberg ist jedoch die Subitec GmbH. Das Spin-off-Unternehmen des Fraunhofer IGB wurde in der ersten Finanzierungsrunde vom High-Tech Gründerfonds mit Kapital versorgt. „Zusammenfassend sind Anfragen aus der Forschung immer sehr viel versprechend“, so Winzer, denn „die meisten Forscher überlegen es sich gut, bevor sie ein Unternehmen gründen wollen“. ap - 24.07.08 © BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/startkapital-fuer-technologieunternehmen-von-morgen