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Vom Wissen zur Innovation

In Heidelberg haben die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum mit dem Europäischen Molekularbiologischen Laboratorium und dem Deutschen Krebsforschungszentrum im Bereich Technologietransfer eine Partnerschaft geschlossen, um die Anwendung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse zu beschleunigen und ihre Vermarktung zu verbessern.

„Forschung ist die Umwandlung von Geld in Wissen – Technologietransfer die Umwandlung von Wissen in Geld“. Diese Formel hört man oft, wenn von Technologietransfer die Rede ist. Sie hört sich einfach und einleuchtend an, beschreibt aber eher eine Zielsetzung als einen Tatbestand. Vom Technologietransfer bis zum Geldverdienen ist es oft ein weiter Weg. Aufgabe der Technologietransferorganisationen ist es, den richtigen Weg zu weisen und dabei zu helfen, die Voraussetzungen für gute Erfolgsaussichten zu schaffen.

Campus der Universität Heidelberg und des DKFZ, Im Neuenheimer Feld, Heidelberg © Lossen Heidelberg

Universitäten und Forschungszentren erhoffen sich von einem erfolgreichen Technologietransfer zusätzliche finanzielle Mittel, die zurück in die Forschung fließen und weitere wissenschaftliche Projekte ankurbeln können. Man verweist auf die großen Wissenschaftseinrichtungen in den USA wie Stanford University und Massachusetts Institute of Technology, die ihre Erfindungen schon seit Jahrzehnten kommerzialisieren und auf die Weise Riesensummen für ihre Forschung mobilisieren. Von solchen Verhältnissen sind wir bei uns weit entfernt, aber vor allem in den letzten zehn Jahren kann der Technologietransfer auch an Forschungsinstitutionen wie dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Europäischen Molekularbiologischen Laboratorium (EMBL) beachtliche Ergebnisse mit Lizenzeinnahmen und erfolgreichen Firmengründungen aufweisen.

Das TT-Team der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums Heidelberg

Für die Medizin geht es auch darum, den Weg vom Labor zur klinischen Anwendung zu erleichtern und zu beschleunigen: „From the bench to the bedside“, lautet der eingängige amerikanische Slogan für die translationale Medizin. „Wenn wissenschaftliche Ergebnisse auch wirtschaftlich verwertet werden, können Patienten schneller von der Grundlagenforschung profitieren“, erläuterte Professor Dr. Claus Bartram, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg. „So werden auch zusätzliche finanzielle Mittel für die Forschung gewonnen, um weitere wissenschaftliche Projekte anzukurbeln.“

Dr. Jörg Rauch © TT-Team Heidelberg

Deshalb sind die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum Heidelberg den ungewöhnlichen Schritt gegangen und haben gemeinsam mit EMBLEM, der Technologietransfergesellschaft des EMBL, und der Stabsstelle Technologietransfer des DKFZ für die Universitätsmedizin Heidelberg ein TechnologieTransfer-Team (TT-Team) etabliert. Es profitiert von den Erfahrungen dieser Organisationen und bietet ein Servicespektrum, das eine durchgehende Betreuung bei der Anwendung von Forschungsergebnissen - von der Idee im Labor bis zur Vermarktung des Produktes - gewährleistet.

Geleitet wird das im Verwaltungsgebäude, Im Neuenheimer Feld 672, auf dem Campus der Universität Heidelberg angesiedelte TT-Team von Dr. Jörg Rauch und Dr. Volker Cleeves. Als Wissenschaftler verstehen sie die Sprache der Forscher, besitzen aber zugleich auch fundiertes Know-how, um die wirtschaftlichen und rechtlichen Zusammenhänge, insbesondere Fragen des geistigen Eigentums, des Managements und Marketings beantworten zu können.

Dr. Volker Cleeves © TT-Team Heidelberg

Dass der Technologietransfer bei ihnen in guten Händen ist, belegen die Zahlen: 2007, im Jahr der Gründung des TT-Teams, wurden von Klinikum und Fakultät 23 Erfindungen gemeldet, um sie nach Möglichkeit zu patentieren und wirtschaftlich zu verwerten. Im Jahr darauf waren es bereits 45 Erfindungsmeldungen, die durch Cleeves und Rauch betreut werden.

Ihr Tätigkeitsspektrum umfasst die Evaluierung der Erfindungen von Forscherinnen und Forschern der Heidelberger Universitätsmedizin, die Erfindungsmeldungen, Patent-Erstanmeldungen und ihre Weiterführung, Geheimhaltungsvereinbarungen, Materialtransfervereinbarungen, Lizenzen (einschließlich Material und Software), Marketing sowie die Herstellung von Kontakten für Industriekooperationen und Kooperationsverträge.

Patentieren

Die Schutzrechte am geistigen Eigentum (IP) sind ein entscheidender Faktor für die Kommerzialisierung einer wissenschaftlichen Innovation. Man wird auch keinen Kooperationspartner aus der Wirtschaft finden, der eine nicht geschützte Erfindung vermarktet. Daher muss es oberstes Ziel sein, die Rechte an den Forschungsergebnissen und Erfindungen durch eine Patentanmeldung zu sichern.

Es ist nicht immer eine leichte Aufgabe, Forscher von der Bedeutung des Technologietransfers zu überzeugen. Für viele Wissenschaftler liegt der Wert ihrer Arbeit in den Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften, nicht in Patenten oder Lizenzen. Sie fürchten, dass ein langwieriger Prozess der Patentanmeldung die Publikation verzögert. Patentieren und Publizieren sind jedoch kein Gegensatz, wie das TT-Team immer wieder betont: „Das Publikationsverbot gilt nur bis zu dem Tag, an dem die Patentanmeldung eingereicht ist, und das Prozedere bis zur Anmeldung dauert in der Regel nur etwa vier Wochen, im Einzelfall sogar weniger“.

Wie die Patentierung am Universitätsklinikum Heidelberg erfolgt, beschreibt das TT-Team folgendermaßen:

  • Der Wissenschaftler muss als erstes bei der Rechtsabteilung des Klinikums eine Erfindungsmeldung abgeben.
  • Gemeinsam mit den Technologietransfer-Partnern wird geprüft, ob ältere Patente, Patentanmeldungen oder Veröffentlichungen der Patentierung entgegenstehen und ob der Arbeitgeber - meist die Medizinische Fakultät - das Patent in Anspruch nehmen will. Wenn die Erfindung Erfolg verspricht, ist das in der Regel auch der Fall.
  • Der Technologietransfer-Partner treibt die Patentierung gemeinsam mit einem Patentanwalt voran und reicht sie im Namen der Universität Heidelberg als Rechtsperson ein.
  • Mit dem Tag der Anmeldung beim Patentamt besteht ein Prioritätsdatum und einer Veröffentlichung steht nichts mehr im Wege.
  • Der Marketingprozess wird in Gang gesetzt, indem Kunden für Ergebnisse und Schutzrechte gewonnen werden.
  • Nach 18 Monaten muss das Patent nationalisiert werden; das kann wegen der Ländervielfalt teuer werden. Der Technologietransfer-Partner berät den Wissenschaftler, welche Länderpatente sich wirtschaftlich lohnen. Um diese Kosten zu decken, sollte dann der Industriepartner gefunden sein.

„Ihre Idee in guten Händen“

Für die Wissenschaftler ist es extrem wichtig, dass ihnen bei diesem zum Teil sehr komplexen und mühevollen Prozess der Rücken frei gehalten wird. Er kann seine Idee vertrauensvoll in gute Hände legen, so das Motto des TT-Teams Heidelberg, und das tun, was er am besten kann, nämlich forschen. Guter Technologietransfer zahlt sich aus – für den Erfinder, für die Forschungsinstitution, für die Patienten und für die ganze Gesellschaft. Anlässlich einer Technologietransferkonferenz in Berlin-Adlershof am 25. Mai 2010 erklärte der Bundesminister des Innern, Dr. Thomas de Maizière: „Wenn es uns gelingt, Wissenschaft und Wirtschaft intelligent zu verknüpfen und frühzeitig die Entwicklung von Umsetzungs- und Vermarktungsstrategien in den Fokus zu rücken, entstehen auch Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze.“

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/vom-wissen-zur-innovation