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Von der Blutprobe bis zum Granulat

Die Frage nach der richtigen Ernährung ist heute vor allem eine persönliche Frage: Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch, dass Ernährung an die individuellen Lebensumstände und Bedürfnisse angepasst werden muss. Die in Kreuzlingen am Bodensee ansässige Firma Hepart AG entwickelt gemeinsam mit ihrer Tochterfirma, dem Institut für Angewandte Biochemie (IABC), diätetische Nahrungsmittel und individuell auf den Verbraucher zugeschnittene Mikronährstoffpräparate, letztere basierend auf der Analytik von Blut- und Speichelproben. In einer eigenen Klinik hilft sie Patienten mit einem eigens zu diesem Zweck zugeschnittenen Programm bei der Ernährungsumstellung.

Auf der Grundlage von biochemischen Analysen produziert die Hepart AG auf die Bedürfnisse des einzelnen Kunden anpassbare Mikronährstoffpräparate. © Hepart AG

Zur Umstellung der eigenen Ernährung braucht es vor allem Geduld, Motivation und Beharrlichkeit – Eigenschaften, die nicht jeder besitzt. Die Firma Hepart produziert im Rahmen ihres EPD-Ernährungsprogramms (EPD: ErnährungsProgrammDreiphasen) spezielle diätetische Lebensmittel, die diesen Schritt leichter machen sollen. Die zu diesem Zweck entwickelten Lebensmittel wie Müslis, Getränke, Suppen oder Cracker unterscheiden sich auf den ersten Blick kaum von der jeweiligen herkömmlichen Variante. „Besonders an ihnen ist aber ihre Zusammensetzung aus 60% Kohlenhydraten, 20% Eiweiß und 20% Fett und eine speziell eingebaute Kohlenhydratbremse, die Blutzuckerschwankungen verhindert“, erklärt der Geschäftsführer der Hepart AG, Andreas Hefel. „Mit dieser Zusammensetzung sollen die Produkte den Stoffwechsel auf Trab bringen und die Fettverbrennung aktivieren“.

Seit 1991 bietet die Firma in einer eigenen Klinik, dem Fachkurhaus und Ausbildungszentrum Seeblick in Berlingen, Ernährungs- und Stoffwechseltherapien an. Die Ernährungstherapien sind dabei in verschiedene Abschnitte unterteilt: In der Reduktions- und Entgiftungsphase basiert die Ernährung allein auf EPD-Produkten, wobei täglich zwölf bis 15 Mahlzeiten auf dem Programm stehen. „Trotz der reduzierten Kalorienzufuhr von etwa 800 kcal pro Tag erlebt man diese Phase mit verbessertem Wohlbefinden und gesteigerter Vitalität“, so Hefel. In der Stabilisierungsphase erfolgt dann schrittweise die Umsetzung der neuen Ernährungsgewohnheiten im Alltag.

Bei der Deklaration der Lebensmittel ist die Firma an die Health-Claim-Verordnung gebunden, die seit 2007 europaweit gilt. Aussagen, dass ein Produkt beispielsweise zuckerfrei oder fettreduziert sei, die Abwehrkräfte stärke oder die Gelenkfunktionen unterstütze, unterliegen nun strengen Auflagen. Für die Hepart AG stellt die Verordnung kein Hindernis dar, im Gegenteil: „Mit der Publikation der Health Claims für Vitamine und Mineralstoffe steht uns auf einen Schlag eine große Bandbreite an behördlich abgesegneten Gesundheitsaussagen zur Verfügung“, stellt Andreas Hefel fest. Gleichzeitig betont er aber auch: „Für kleinere Unternehmen ist die Verordnung eine klare Innovationsbremse, denn die Anmeldung eines neuen Claims ist an extrem hohe Auflagen gebunden.“

Individualisierte Mikronährstoffpräparate zur Prävention

Otto Knes, Geschäftsführer der IABC AG, demonstriert die Analysemethoden zur Bestimmung des individuellen Mikronährstoffbedarfs. © IABC AG

Doch gerade allgemeine Aussagen zum Tagesbedarf an bestimmten Mineralstoffen und Vitaminen stehen heutzutage immer mehr in der Kritik. „Generalisierte Aussagen zum Nährstoffbedarf sind heute nicht mehr allgemein haltbar“, ist sich Otto Knes sicher. Er ist Geschäftsführer des Instituts für Angewandte Biochemie (IABC), einem Tochterunternehmen der Hepart AG, das biochemische Analysen zur Bestimmung des Mikronährstoffstatus beim Menschen durchführt. Dass von den Gesundheitsorganisationen verschiedener Länder unterschiedliche Angaben zum Bedarf an bestimmten Vitaminen und Nährstoffen gemacht werden, weist laut Knes darauf hin, dass keine eindeutigen Angaben gemacht werden können: Der Bedarf an einzelnen Mikronährstoffen variiere zwischen einzelnen Menschen zu stark. Hepart hat daher Mikronährstoffe entwickelt, die sich speziell auf die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Kunden anpassen lassen.

Verwendet werden diese in den meisten Fällen nicht zur Behandlung bestimmter Krankheiten, sondern präventiv. Aufgrund von Speichel- oder Blutanalysen lässt sich der individuelle Nährstoffbedarf herausfinden. Daraufhin erhalten die Kunden ein auf sie zugeschnittenes Präparat. Nach etwa drei Monaten wird der Nährstoffbedarf erneut überprüft, um die Wirkung des Präparats zu verfolgen. Wichtig bei der Erstellung des individuellen Nährstoffprofils ist dabei die Messung der geeigneten Indikatoren.

Otto Knes verdeutlicht dies am Beispiel Folsäure: „Zur Bestimmung des Bedarfs an Folsäure ist der Folsäurespiegel im Blut kein guter Indikator“, erläutert er. Folsäure dient im menschlichen Körper unter anderem zum Abbau der Aminosäure Homocystein, die in größeren Mengen Schäden am Herz-Kreislauf-System hervorrufen kann. Welche Mengen an Folsäure dabei erforderlich sind, ist allerdings individuell unterschiedlich – so ist auch ein niedriger Folsäurespiegel nicht zwangsläufig ein Indikator für zu hohe Homocysteinwerte. „Geschickter ist es, den Homocysteinspiegel direkt zu messen und daraufhin den Bedarf an Folsäure zu bestimmen“, bemerkt Otto Knes.

Personalisierte Lebensmittel werden an Bedeutung gewinnen

Nach der Analytik durch die IABC AG übernimmt die Hepart AG die Herstellung der Präparate. Dazu werden Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Bioflavonoide und Aminosäuren gekauft und eigens hergestellte Granulate mit ihnen angereichert. „Das Besondere daran ist, dass alle verwendeten Mikronährstoffe mit dem Trägerstoff Guarkernmehl in gleichförmige Granulate eingebunden werden“, erläutert Andreas Hefel. Zur Zubereitung werden sie mit Wasser vermischt und beginnen zu quellen. „Der schwer- bis unverdauliche Trägerstoff bewirkt, dass die Mikronährstoffe über vier bis sechs Stunden kontinuierlich über einen Kolloidfilm an den Körper abgegeben werden können“, erklärt er weiter. Die Nährstoffe werden in pflanzliche Zellen eingebaut, wodurch ihre Resorptionseigenschaften stark denen von Obst und Gemüse ähneln. Auch Nebenwirkungen sind laut Hefel nicht zu befürchten: Zur richtigen Dosierung erhält der Kunde eine Anwendungsanleitung mit Maßlöffel, doch auch bei einer zeitweiligen Überdosierung seien Nebenwirkungen ausgeschlossen.

Die Idee der individuell abgestimmten Herstellung von Mikronährstoffen ist noch nicht alt – erst seit etwa zwölf Jahren wird in diesem Bereich Forschung betrieben und werden Produkte entwickelt. Otto Knes ist dennoch überzeugt, dass dieses Prinzip in Zukunft zum Alltag gehören wird: „Individuell abgestimmte Nährstoffpräparate werden an Bedeutung gewinnen.“ Generalisierte Aussagen zur Wirkung von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln könnten damit eines Tages obsolet werden.

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