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Web 2.0 im weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe

Auf Internationalität seiner Doktoranden legt die International Max Planck Research School (IMPRS) for Organismal Biology großen Wert. Damit dieses Ziel erreicht wird, wirbt das Konstanzer Graduiertenprogramm mithilfe von Facebook um hochqualifizierte Absolventen.

Dr. Daniel Piechowski koordiniert die Konstanzer IMPRS for Organismal Biology, damit auch ihre Web-2.0-Aktivitäten. © privat

Einen Anteil von mehr als fünfzig Prozent an ausländischen Studierenden strebt die Bildungseinrichtung an, die sich selbst als eine Art Netzwerk mit zahlreichen Anknüpfungsstellen in der Wissenschaft versteht. Dieser Anspruch bedingt eine vehemente weltweite Werbung um qualifizierte Absolventen. Schon wegen des großen und weitgestreuten Zielpublikums sind klassische, zum Beispiel Print-Medien kaum für diesen Zweck geeignet. „Dagegen sind Social Media prädestiniert dafür, das einen Hochschulabschluss besitzende Zielpublikum zwischen 20 und 30 Jahren zu erreichen: Es gibt Zahlen, die belegen, dass mehr als 70 Prozent dieses Zielpublikums einen Facebook-Account hat“, betont Dr. Daniel Piechowski, Koordinator der IMPRS.

Soziale Netzwerke als Medium zielgerichteter Kommunikation

Facebook wird damit zum bevorzugten Medium der IMPRS, in welchem die relevanten Adressaten direkt angesprochen werden können. Darüber hinaus lassen sich in der Social-Media-Plattform Werbebanner recht spezifisch schalten – und sind außerdem auch verhältnismäßig preiswert. „Die Vorzüge der Nutzung von Facebook liegen darin, neue und aktuelle Informationen des Programmes zeitnah zu kommunizieren“, erklärt Piechowski. Darunter sind Ankündigungen der neusten Publikationen von Mitgliedern, Informationen zu anstehenden Kursen, Bilder von Veranstaltungen.

Der Austausch zu neuen wissenschaftlichen Publikationen markiert einen der Eckpfeiler des Facebook-Auftritts der IMPRS. Eine virtuelle Pinnwand versammelt Verlinkungen zu Publikationen rund um die organismische Biologie, die in regelmäßigen Abständen gestreut und kommentiert werden – von neusten Erkenntnissen der Kollegen vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen, über den Zusammenhang von Gesang und sozialem Status bei Finken bis hin zur Rolle von Körpersensoren bei Fledermäusen auf der Jagd.

Piechowski zufolge biete Facebook außerdem interessierten Studierenden die „sehr niederschwellige Möglichkeit der Kontaktaufnahme“, unterstreicht der Koordinator des Graduiertenprogrammes. Ein wichtiger Aspekt wird dabei sein, „dass ich die ‚Freunde‘ meiner ‚Freunde‘ eher anspreche, als wenn ich keine offensichtliche Verbindung zu ihnen hätte. So kommt man sicher auch einfacher in Kontakt mit Kollegen, die man selbst noch nicht persönlich kennt.“

Bilder sagen oft mehr als Worte

Um möglichst vielen Absolventen das Graduiertenprogramm der IMPRS in seiner Attraktivität zu präsentieren, setzen Dr. Piechowski und sein Team bei ihren Web-2.0-Aktivitäten insbesondere auf anschauliche und hautnahe Impressionen. Zahlreiche Bilder und Bildgalerien, die vergangene wissenschaftliche Veranstaltungen und Meetings der Kollegiaten dokumentieren, geben lebendige Einblicke in die unhierarchische Atmosphäre während der Promotion unter dem Dach der IMPRS.

Internationalität in der Schule wie im Web-Publikum

Die Bemühungen tragen Früchte. Derzeit stammen die 43 Promotionsstudierenden aus 19 verschiedenen Nationen. Die Facebook-Werbung ist bei der letzten Ausschreibungsrunde erstmals probeweise eingesetzt worden: Bei vorläufig geringem Ressourcen-Aufwand sind immerhin zwei der zehn neu aufgenommenen Doktoranden über das soziale Netzwerk erstmals auf die Konstanzer IMPRS aufmerksam geworden. Die Zusammensetzung der rund 400 Facebook-„Fans“ der IMPRS (Stand: August 2011) gibt Zeugnis vom internationalen Charakter der Schule wie ihrem Web-Publikum: Bei ausgeglichenem Geschlechterverhältnis dominiert Englisch mit 44 % bei den Spracheinstellungen vor Italienisch mit 13 % und Spanisch mit 12 %, erst an vierter Stelle tritt Deutsch mit 11 % auf. „Die Länderverteilung ist ebenfalls sehr international, mit Schwerpunkten in Europa, Nord- und Lateinamerika. Etwa 85 % unserer Facebook-Anhänger sind zwischen 18 und 34 Jahre alt“, so Dr. Daniel Piechowski.

Die Möglichkeiten der Social Media erlauben leichten Austausch von Informationen. Hier ein Bild von Enten, die von Mitarbeitern des MPI in Radolfzell für wissenschaftliche Zwecke mit GPS-Sendern ausgestattet werden. © MaxCine

Für die in Konstanz ankommenden, oft zunächst nicht Deutsch sprechenden Promotionsstudierenden entfällt aufgrund von Sprachbarrieren so mancher mögliche Nutzen von Web-Services: Wohnungssuchportale, Sportvereine, Kinoprogramme und andere lokale Seiten kommen den internationalen Gästen nicht mit englischsprachigen Inhalten entgegen.

Für die interne Organisation: Wissenschafts-Netzwerk ‚maxNet‘

Bei der internen Organisation der Graduiertenschule setzt die IMPRS ebenfalls auf Web-2.0-Anwendungen. Die Kollegiaten kommunizieren seit kurzem über ‚maxNet‘, ein auf der etablierten Wissenschafts-Social-Networking-Plattform ‚ResearchGate‘ basierendes und auf seriöse Koordination und Kommunikation fokussiertes Netzwerk der Max-Planck-Gesellschaft. „Terminabsprachen und Diskussionen auch in Gruppen von mehr als 40 Teilnehmern lassen sich damit einfacher und übersichtlicher als per E-Mail gestalten“, berichtet Koordinator Piechowski. ‚maxNet‘ ergänzt seine speziell auf die Bedürfnisse von Wissenschaftlern angepassten Netzwerk-Funktionen mit einer oft aktualisierten Nachrichten-Seite sowie einem Video-Kanal – ‚maxNetTV‘ –, in welchem Relevantes um Themen wie Drittmittelförderung, Karriere, Konferenzen, aber auch Forscher-Porträts präsentiert werden.

Social Media: Ergänzung statt Konkurrenz zu klassischen Medien

Auf klassische Publikationsmedien verzichtet die IMPRS trotz steigender Aktivität in Web-2.0-Umgebungen dennoch nicht – wissenschaftliche Ergebnisse werden nach wie vor in Fachjournals mit dazugehörigem ‚peer review‘ veröffentlicht. Mit neuen, Web- statt PC-basierten Präsentationsformen wird gleichwohl experimentiert; unter anderem da sie auf unterschiedlichen Systemen zuverlässiger funktionieren als bisher weit verbreitete Programme. Die Gestaltung von ‚Webinars‘, also ‚live‘ ablaufenden, interaktiven Online-Seminaren, ist in der Graduiertenschule bereits angedacht worden. Bisher hat sich aber noch kein zwingender Anlass für solche Veranstaltungen ergeben. Ergänzt werden die Web-2.0-Engagements des IMPRS durch Werbe-Bemühungen in eher klassischen Internet-Medien wie Newsletter, Homepages von Zeitschriften und Gesellschaften – sowie auf der eigenen Homepage. „Die reguläre Internetseite ist relativ statisch. Hier finden sich alle relevanten Details zu unserem Programm, sowie Personen, Ansprechpartner usw.; es ist die eigentliche, ‚offizielle‘ Internet-Präsenz unseres Programmes“ erklärt Piechowski.

Trotz des nennenswerten Effektes der Social-Media-Präsenz entsteht nur ein sehr geringer Zeit- oder sonstiger Ressourcen-Aufwand. Abseits der „heißen Werbephase“ bemisst sich der zeitliche Aufwand für die Betreuung der Facebook-Seite auf wenige Minuten pro Tag, berichtet Koordinator Dr. Piechowski. Konkrete Planungen, andere Plattformen zu verwenden, gibt es nicht – aber die Entwicklung von neuen Systemen wird aufmerksam verfolgt. Negative Erfahrungen hat die Graduiertenschule mit dem Web 2.0 schließlich bislang nicht machen müssen.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/web-2-0-im-weltweiten-wettbewerb-um-die-besten-koepfe