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ZRM – Zentrum für Regenerationsbiologie und Regenerative Medizin

Die Universität und das Universitätsklinikum in Tübingen gründeten 2006 das ZRM mit dem primären Ziel, die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zu regenerativen Verfahren im Tübinger Umfeld zu bündeln und auszubauen. Das ZRM ist Ansprechpartner für Unternehmen und externe Forschungseinrichtungen sowie klinische Anwender regenerativer Verfahren.

Patienteneigene Zellen werden im Labor kultiviert. Das ist der erste Schritt, um neue Gewebe für medizinische Anwendungen zu gewinnen. © REGiNA

Die Region um Tübingen bis nach Stuttgart, Neckar-Alb und den Tuttlinger Raum verfügte schon früh über eine breite Kompetenz speziell zur Entwicklung und Anwendung regenerativer Therapien. Dazu trugen inner- und außeruniversitäre Forschungsinstitute ebenso bei wie die zahlreichen jungen Biotech-Unternehmen und innovationsorientierte Medizintechnik-Hersteller. Sie vernetzten sich zunehmend untereinander, was 2001 einen ersten Höhepunkt im Gewinn des BioProfile-Wettbewerbs des BMBF fand. In den folgenden fünf Jahren flossen damit rund 20,5 Millionen Euro Fördergelder in die Region. Unter intensiver Beteiligung von Arbeitsgruppen der Universität und des Universitätsklinikums Tübingen entstanden Projekte, die teilweise direkt zu neuen Produkten und Verfahren für die Regenerative Medizin führten. Es entstand eine Dynamik, die immer mehr Experten anzog und zu einer breiten Palette an Folgeprojekten führte.

Aus dieser Dynamik heraus wurde das ZRM gegründet. Das Zentrum koordiniert regenerative Forschungsprojekte auf Grundlagenniveau ebenso wie anwendungsnahe Projekte und solche, bei denen es um die Optimierung bereits klinisch angewendeter Verfahren geht. Daneben verfolgen Mitarbeiter des ZRM auch eigene Forschungsprojekte. Ein Beispiel ist die Entwicklung eines neuartigen Bioreaktors zur 3D-Kultivierung von Geweben wie der menschlichen Hornhaut. Das Besondere in diesem Fall: Das Gewebe wird nicht in Flüssigmedium kultiviert, sondern besonders schonend in einem Aerosol.

Forschung koordinieren und selbst forschen

Information und Beratung zur regenerativen Medizin sind wesentliche Aufgaben des Tübinger ZRM, hier auf den Wissenstagen Reutlingen. © Lehmann, ZRM

Auch im Bereich Stammzellforschung verfolgt das ZRM eigene Projekte. Eines davon hat das Ziel, bessere Therapien von neuronalen Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt zu ermöglichen. Das Forscherteam entwickelt ein Verfahren, um neuronale Vorläuferzellen eines Patienten im Labor zu Nervenzellen zu differenzieren, die dann im Rahmen einer Therapie in den Körper eingebracht werden sollen. Wenn zum Beispiel aufgrund einer angeborenen Erkrankung wie Morbus Hirschsprung Nervenzellen im Darm fehlen, könnten sie auf diese Weise ersetzt werden. Beide Projekte werden vom BMBF gefördert und laufen in Kooperation mit Industriepartnern.

Seine umfangreichen Kontakte zu Unternehmen stellt das ZRM prinzipiell allen interessierten Wissenschaftlern und Klinikern in seinem Umfeld zur Verfügung, die auf der Suche nach passenden Forschungs- und Entwicklungspartnern sind. Auf der anderen Seite ist das ZRM Ansprechpartner für Unternehmen und externe Forschungseinrichtungen, die an Kontakten und Partnerschaften zu universitären und klinischen Gruppen in Tübingen interessiert sind. Neben der Kontaktvermittlung beraten die ZRM-Mitglieder auf Wunsch im Vorfeld neuer Projekte und stehen auch in deren weiterem Verlauf gerne beratend zur Seite.

Nachhaltigkeit sichern mit „regenerativen“ Lehrangeboten

Zell- und molekularbiologische Forschung liefern die Grundlage, um Zellen und Gewebe zu regenerieren. © Lehmann, ZRM

Das ZRM hat es sich außerdem zur Aufgabe gemacht, die regenerative Biologie und Medizin möglichst breit in die Lehrangebote zu integrieren. Auf diesem Weg sollen junge Akademiker früh auf dieses besondere Kompetenzfeld der Tübinger Forschung und Medizin aufmerksam gemacht werden. Davon erhoffen sich die Verantwortlichen, die Nachhaltigkeit der Regenerativen Medizin vor Ort zu sichern. Einzelne Aspekte gehen in die etablierten Life-Science-Studienangebote ein. Neue Studiengänge wie der interuniversitäre Studiengang Medizintechnik profitieren von vorneherein von der Expertise der Dozenten in Regenerativen Methoden. Das ZRM hat bereits mehrmals semesterweise Ringvorlesungen zur Regenerationsbiologie und Regenerativen Medizin angeboten und nutzt seine Expertise auch im Rahmen von interdisziplinären Lehrveranstaltungen.

Die Information der allgemeinen Öffentlichkeit und von Patienten über neue Therapien in der Regenerativen Medizin sowie die Weiterbildung speziell von Ärzten sind besondere Aspekte der BMBF-geförderten Gesundheitsregion REGiNA. Unter diesem Namen haben sich rund 30 Partner aus Forschung, Klinik und aus Life-Science-Unternehmen der Region zusammengetan, um die weit gediehene Forschung im Feld der Regenerativen Medizin in die klinische Anwendung zu überführen und bereits angewandte regenerative Verfahren weiter zu entwickeln. Das ZRM ist Partner und Mitinitiator des Anwenderzentrums REGiNA, betreut das Ärzte- und Patienteninformationssystem mit InfoLine und Webauftritt als zentralen Teilen, führt Evaluations- und Akzeptanzanalysen durch und kümmert sich gemeinsam mit der BioRegio STERN Management GmbH um Öffentlichkeitsarbeit und Weiterbildung.

Das ZRM ist Mitglied der RMIG (Regenerative Medicine Initiative Germany), der deutschlandweiten Vereinigung regenerationsmedizinischer Zentren. Außerdem engagiert sich das ZRM bei der Deutschen Gesellschaft für Regenerative Medizin (GRM) sowie der Deutschen Gesellschaft für Stammzellforschung (GSZ), in deren Vorständen Prof. Dr. Konrad Kohler, der Leiter des ZRM, aktiv ist. Zahlreiche bilaterale Forschungskontakte mit nationalen wie internationalen Wissenschaftlern gehören ebenso zum Tätigkeitsfeld der ZRM-Mitarbeiter. In der Region arbeitet das ZRM unter anderem intensiv mit Forschungs- und Anwendergruppen aus folgenden Einrichtungen zusammen:

BG Unfallklinik, Tübingen
NMI Reutlingen
ITV Denkendorf
Fraunhofer IGB und IPA, Stuttgart
Universität Stuttgart

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/zrm-zentrum-fuer-regenerationsbiologie-und-regenerative-medizin