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Abschlusskonferenz des Innovationsrats

Seit seiner Einrichtung im Herbst 2007 hat der Innovationsrat Empfehlungen zur Forschungs- und Innovationspolitik in Baden-Württemberg gegeben. 54 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft haben sich drei Jahre ehrenamtlich mit den Zukunftsaussichten des Landes beschäftigt. Themen waren zum Beispiel Fachkräftebedarf, engere Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft sowie Mobilität und Umwelt. Um Analysen und Vorschläge des Innovationsrats ging es nun bei der Abschlusskonferenz „Baden-Württemberg - Land der Perspektiven“ am 29. September in Stuttgart.

v.l.n.r.: Dr. Eberhard Veit, Vorsitzender des Vorstands der Festo AG, Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg, Prof. Dr. Ernst Messerschmid, Universität Stuttgart, und der Minister im Staatsministerium, Helmut Rau, bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Abschlusskonferenz des Innovationsrats Baden-Württemberg am Mittwoch (29.09.2010) im Landtag © Staatsministerium Baden-Württemberg

Die Analysen und Vorschläge des Innovationsrats bilden einen wichtigen Bezugsrahmen für die Landespolitik. Sie stehen im Mittelpunkt der Abschlusskonferenz „Baden-Württemberg - Land der Perspektiven“, sagten Minister Helmut Rau und Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg sowie für den Vorstand des Innovationsrats Dr. Eberhard Veit und Professor Dr. Ernst Messerschmid am 29. September 2010 vor der Abschlusskonferenz des Innovationsrats in Stuttgart. Am 26. Juli 2010 hatte der Innovationsrat in Stuttgart zum neunten und letzten Mal getagt.

Bei der Abschlussveranstaltung wurden am Nachmittag in kompakter Form die Ergebnisse des Innovationsrats präsentiert und in einen weiteren Kontext der Herausforderungen an den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg gestellt. Zu den aktuellen wirtschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Zukunftsfragen sprachen Prof. Dr. Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums in München, Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln, Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, Stuttgart, und Daniel Goeudevert, Manager und Autor.

Dank für die Arbeit des Innovationsrats - auch künftig Rat von externen Fachleuten erwünscht

Der Ministerpräsident dankte in seiner Schlussrede allen an der Arbeit des Innovationsrats Beteiligten für ihr großes ehrenamtliches Engagement und ihren fachkundigen Rat in den letzten Jahren. „Der Innovationsrat hat das Land Baden-Württemberg durch die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit begleitet und als Dialogforum für Politik, Verbände, Unternehmen und Gewerkschaften, Wissenschaft und Gesellschaft hervorragende Arbeit geleistet“, sagte der Ministerpräsident. Die Beratung durch externe Fachleute habe in Baden-Württemberg eine gute und erfolgreiche Tradition. Mappus: „Eine Gesellschaft, die nur noch vermeintliche Besitzstände wahren will und alles Neue als Bedrohung empfindet, wird auf Dauer nicht mehr innovativ sein. Baden-Württemberg muss deshalb auch weiterhin ein Land bleiben, in dem man bereit dazu ist, Gewohntes in Frage zu stellen und sich auf Neues einzulassen. Die Förderung von Innovationen und der Erhalt der Zukunftsfähigkeit unseres Landes ist eine Daueraufgabe, die immer wieder neu angegangen werden muss. Ich habe deshalb vor, auch in der kommenden Legislaturperiode einen Expertenkreis aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft zu Rate zu ziehen.“

Veit: Strategien gegen den Fachkräftemangel vordringlich

„Allein aufgrund der demografischen Entwicklung werden uns in den kommenden Jahren Fachkräfte fehlen. Eine Arbeitsgruppe des Innovationsrats unter Beteiligung von Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbänden hat einen 10-Punkte-Plan entwickelt, der von der Erweiterung der frühkindlichen Bildung bis zum Ausbau von Studiengängen in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern und besonderen Studienangeboten für Meister und qualifizierte Berufstätige reicht. Besonderes Augenmerk lag darauf, mehr Mädchen und Frauen für eine berufliche Ausbildung oder ein Studium im Bereich Naturwissenschaften und Technik zu gewinnen“, so Veit, der im Vorstand des Innovationsrats die Belange der Wirtschaft vertritt. Auf Initiative des Innovationsrats seien Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium auf diesem Feld noch aktiver geworden. Veit: „Mit dem bundesweit einmaligen ,Sofortprogramm für MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik)-Hochschulabsolventinnen und - absolventen’, das im Sommer 2009 ins Leben gerufen wurde, hat das Land den jungen Leuten Mut gemacht, auch in der Krise technische und naturwissenschaftliche Fächer zu studieren. Auf dieses Programm bin ich besonders stolz.“ Wissenschaftsminister Frankenberg wies darauf hin, dass im Frühjahr 2010 auf Basis einer weiteren Empfehlung des Innovationsrats ein Programm „Frauen in MINT-Berufen“ gestartet wurde, das dazu beitragen soll, den Frauenanteil in Naturwissenschaft und Technik zu steigern.

Handlungsbedarf auch bei den Rahmenbedingungen für Innovationen

Insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen, so Veit, seien erhebliche Innovationshemmnisse identifiziert worden. Fortschritte in Technik, Verfahren oder bei Werkstoffen seien in ihrer hohen Dynamik für kleinere Betriebe oft nicht mehr überblick- und bewertbar. „Der Innovationsrat hat daher die Einrichtung einer zentralen Kommunikationsplattform im Internet empfohlen, um den Transfer von Informationen in Richtung kleinere und mittlere Unternehmen zu erleichtern. Daneben haben wir auch Maßnahmen zur Unterstützung der Innovationskultur - also des Bewusstseins, dass Innovationen für jedes Unternehmen überlebenswichtig sind - angeregt“, berichtete Veit.

Messerschmid: Wissenschaft und Forschung als Basis der Innovationen noch enger mit der Wirtschaft verknüpfen

„Die Basis für Innovationen bilden Wissenschaft und Forschung. Die Hochschul- und Forschungslandschaft ist in Baden-Württemberg hervorragend aufgestellt. Die Ausbeute an Erfindungen könnte aber größer und die wirtschaftliche Verwertung von wissenschaftlichen Ergebnissen erfolgreicher sein, wenn Wissenschaft und Wirtschaft nicht immer in zwei getrennten Welten leben würden. Im Innovationsrat haben wir erörtert, wie diese Gegensätze überwunden werden können“, sagte Messerschmid, im Vorstand des Innovationsrats für die Themen Wissenschaft und Forschung zuständig.

Der Innovationsrat habe Möglichkeiten aufgezeigt, wie der Wissenstransfer verbessert und Barrieren abgebaut werden könnten. Insbesondere strategische Partnerschaften nach dem erfolgreichen Modell „Industrie auf dem Campus“ sollen den Technologietransfer beschleunigen. „Solche Kooperationen zeichnen sich dadurch aus, dass Forscher und Forscherinnen aus Hochschulen und aus Unternehmen in einem Gebäude auf dem Hochschulgelände in längerfristigen Forschungsvorhaben zusammenarbeiten. Inhalte und Ziele werden gemeinsam festgelegt“, hob Messerschmid hervor. Frankenberg betonte, dass es im Land bereits herausragende Vorbilder gebe, zum Beispiel das „Projekthaus e-drive“ (elektronische Antriebe) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gemeinsam mit der Daimler AG, das Labor „CARLA“, in dem die Universität Heidelberg und die BASF AG gemeinsam Katalyseforschung betreiben oder das Projekt „Bildverarbeitende Verfahren“ der Universität Heidelberg mit Bosch, Heidelberger Druck und mittelständischen Unternehmen. „Wir haben vor, weitere Kooperationen zu unterstützen und wollen dabei insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen einbinden“, so Frankenberg.

Der Innovationsrat rate außerdem dazu, den Technologietransfer „über die Köpfe“, insbesondere durch den wechselseitigen Personalaustausch auf unterschiedlichen Ausbildungsniveaus und Ebenen zu intensivieren. „Junge Wissenschaftler einerseits und Mitarbeiter aus dem FuE-Bereich der Unternehmen andererseits sollten davon profitieren. Für den wechselseitigen Personalaustausch haben wir eine Reihe von Referenzmodellen ausgearbeitet“, informierte Messerschmid. Außerdem habe der Innovationsrat Musterverträge für Forschungskooperationen und für Auftragsforschung erstellt, um die häufig sehr langwierige und schwierige Vertragsgestaltung zu vereinfachen.

Zukunftsthema Mobilität und Umwelt ganzheitlich betrachten

„Der Innovationsrat hat die Rahmenbedingungen zur Förderung von Innovationen in Baden-Württemberg überprüft, weil wir hier die entscheidenden Hebel und Ansatzpunkte sehen. Mit den Perspektiven einzelner Technologiefelder haben wir uns bewusst nicht befasst.“ Diese Aufgabe habe das Gutachten „Technologien, Tüftler und Talente - wirtschaftliche und technologische Perspektiven der Landespolitik bis 2020“ übernommen. Wichtige Ausnahme für den Innovationsrat sei das Thema „Mobilität und Umwelt“ gewesen, betonte Messerschmid. „Dabei ging es um die Chancen und Marktpotenziale, die die Elektromobilität für den Hightech-Standort Baden-Württemberg bietet. Wir haben Perspektiven für eine umweltgerechte und nachhaltige Mobilität, die gleichzeitig veränderte Mobilitätsbedürfnisse erfüllt, aufgezeigt.“

Minister Rau: Umsetzung ist bereits angelaufen

„Der Austausch zwischen Innovationsrat und Landesregierung war eng. Regierungsmitglieder aller beteiligten Ressorts haben regelmäßig an den Sitzungen des Innovationsrats teilgenommen. Auf diese Weise sind dessen Analysen und Vorschläge laufend in die Regierungsarbeit eingeflossen. Ich verweise hierzu auf die Landesinitiative Elektromobilität und die Gründung der Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie ,e-mobil BW’“, sagte Minister Rau. Er unterstrich, dass darüber hinaus der Landtag zur Umsetzung von einzelnen Projektvorschlägen des Innovationsrats in den Jahren 2010 und 2011 insgesamt 30,9 Millionen Euro zur Verfügung gestellt habe. Im Mai dieses Jahres habe der Ministerrat ein erstes Maßnahmenpaket mit einem Gesamtvolumen von 21,5 Millionen Euro verabschiedet. Dieses sehe beispielsweise die Förderung von Technologietransferprojekten vor.

Der Innovationsrat wurde Ende 2007 als Beratungsgremium der Landesregierung für die Dauer der Legislaturperiode eingerichtet, um Empfehlungen für die Sicherung der Innovationsfähigkeit des Landes zu erarbeiten. Dem Gremium gehörten rund 50 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Kirchen, Sport und Medien sowie Kommunen, Verbänden, Kammern und Gewerkschaften an. Den Vorsitz hatten Ministerpräsident Stefan Mappus, Dr. Eberhard Veit und Prof. Dr. Ernst Messerschmid inne. Ständige Mitglieder waren Wissenschaftsminister Professor Dr. Peter Frankenberg und Wirtschaftsminister Ernst Pfister. Weitere Mitglieder der Landesregierung nahmen regelmäßig an den Sitzungen teil.

Branchenübergreifende Arbeitsschwerpunkte des Innovationsrats waren die Themen „Fachkräfte“ und „Wissens- und Technologietransfer“. Das Plenum des Innovationsrats hat seit 2007 neun Mal getagt.

Die Berichte der Arbeitsgruppen des Innovationsrats sind in einer Abschlussdokumentation zusammengefasst, die unter www.baden-wuerttemberg.de/innovationsrat abrufbar sind. Dort finden sich auch weitere Informationen zum Innovationsrat und seiner Zusammensetzung.

Informationen zur Abschlusskonferenz finden Sie unter www.abschlusskonferenz-innovationsrat.de.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/abschlusskonferenz-des-innovationsrats