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Andreas Marx über die Wechselbeziehung zwischen Forschung und Lehre

Seit 2007 schafft die Graduiertenschule Chemische Biologie an der Universität Konstanz ein optimales Umfeld für die Ausbildung von Wissenschaftlern an der Schnittstelle von Biologie und Chemie. Andreas Marx, Professor für Organische und zelluläre Chemie, ist deren Sprecher sowie Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität. Im Interview mit uni’kon erläutert er die Wechselbeziehungen zwischen Forschung und Lehre anhand des 2002 in Konstanz eingeführten Studiengangs Life Science und der Aktivitäten der Graduiertenschule Chemische Biologie.

Prof. Dr. Andreas Marx, Professor für Organische Chemie/Zelluläre Chemie an der Universität Konstanz © Binner

uni’kon: Welchen Anteil hat der Studiengang Life Science am Konzept der Graduiertenschule Chemische Biologie?

Prof. Dr. Andreas Marx: Der Life Science-Studiengang hat im Wesentlichen die beiden Fachbereiche Chemie und Biologie zusammengebracht. Er hat bewirkt, dass sich die Studierenden und Absolventen über ihre Arbeitsgruppen und Disziplinen hinaus kennen, was vielleicht der wichtigste Erfolg ist. So können Kooperationen entstehen, ohne dass die Arbeitsgruppenleiter initial involviert sind. Eine solche Zusammenarbeit ist der Baustein schlechthin für die Graduiertenschule.

uni’kon: Stellte die Gründung des Studiengangs schon die Weichen für die Graduiertenschule?

Prof. Marx: Im Jahr 2002, lange bevor überhaupt über die Exzellenzinitiative gesprochen wurde, wurde der Studiengang Life Science ins Leben gerufen: auf Empfehlung einer Evaluierung auf Landesebene, am Standort Konstanz die Fachbereiche Biologie und Chemie näher zusammenzubringen. Als andere Standorte um 2006 im Zuge der Exzellenzinitiative darüber nachgedacht haben, etwas mit Chemie und Biologie auf die Wege zu bringen, da hatten wir das Ganze schon fünf Jahre lang am Laufen gehabt. Wenn man nun die Zwischenbilanz zieht und sich anschaut, wie viel seitdem gewachsen ist an Kooperationen zwischen diesen Fachbereichen – das ist schon beachtlich. Die Wirkung lässt sich hervorragend an den gemeinsamen Publikationen kooperierender Arbeitsgruppen ablesen: 2007, als die Graduiertenschule anfing, hatten wir drei davon. 2008 waren es schon sechs und jetzt, 2011, haben wir 20 – und das Jahr ist noch nicht einmal vorbei. Es geht steil nach oben, es ist selbstverständlich geworden, dass man zusammenarbeitet.

uni’kon: Ist Biologie denn noch ohne Chemie zu denken und Chemie ohne Biologie?

Prof. Marx: Ja, sicherlich. Das sind zwei riesige Forschungsfelder, die auch in bestimmten Bereichen ohne Kooperationspartner aus Biologie bzw. Chemie leben könnten. Aber zwischen den beiden Fächern liegt eine Goldmine, die noch längst nicht so erschlossen ist wie andere Pfade.

uni’kon: Das Konstanzer Modell orientiert sich stark am Rezept »Lehre aus Forschung«. Doch wird nicht auch die Forschung aus der Lehre heraus geschürft?

Prof. Marx: Ist Lehre ein Motor für Forschung? Sicherlich, das ist ganz klar! Die Ausbildung im Master-Bereich ist in Konstanz sehr stark forschungsorientiert, da arbeiten die Studierenden mit den Promovierenden zusammen, also sehr nah am Puls der Forschung. Durch die Fähigkeiten, die diese Studierenden im Labor einüben, entwickeln sich ohne jeden Zweifel wiederum Forschungsfragen. Genau diese eingeübten Arbeitstechniken sind zentral. Die großen Forschungsfragen tragen wir im Hinterkopf, aber wie kommen wir dahin? Dafür werden Leute gebraucht, die die Arbeitstechniken aus beiden Bereichen verinnerlicht haben. Da ist die Konstanzer Ausbildung sehr forschungsnah.

uni’kon: Wie sehen Sie die Entwicklung der Chemischen Biologie in Konstanz?

Prof. Marx: Wir haben die Sättigung der Wachstumskurve noch nicht erreicht. Es ist schön zu sehen, wie sie steigt und steigt und mehr und mehr neue Möglichkeiten hervorbringt.

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