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Anwendungsfelder der Biotechnologie

Wie würde man ohne die Errungenschaften der Biotechnologie leben? Es gäbe kein Bier, keine Antibiotika, kein Insulin, keine Wachstumshormone, keine Gerinnungsfaktoren. Auch müsste man auf bestimmte Lebensmittel wie Jogurt verzichten. Biotechnologie hilft, das Leben für Menschen besser zu machen. Im Open-Space-Workshop "Anwendungsfelder der Biotechnologie" am 26. Juni 2008 stand der Austausch von Informationen im Vordergrund, über einige Themen wurde allerdings auch diskutiert.

Biotechnologen im Fußballfieber: BIOPRO-Stand auf der BIO 2006 (Foto: BIOPRO)
Die Fußball-Europameisterschaft gibt den Aufhänger für erste Anwendungsgebiete biotechnologischer Forschung. So ist bekannt, dass es Firmen gibt, die Nährstoffmischungen und Mikroorganismen-Zusammensetzungen testen, damit Rasen schneller wächst. Gerade Mikroorganismen beeinflussen und verändern unser Lebensumfeld, ohne dass wir es merken. Dieses Themenfeld lässt sich der grünen Biotechnologie zuordnen, die sich mit Pflanzen befasst.

Mikroorganismen besiedeln auch beispielsweise die Haut und den Darm des Menschen, was thematisch in den Bereich der roten Biotechnologie reicht. Die rote Biotechnologie wird auch als medizinische Biotechnologie bezeichnet und umfasst die Anwendungsbereiche, die die Gesundheit fördern. Ein Beispiel, das genannt wird, ist die industrielle Großproduktion von Impfstoffen.

Dieses Beispiel zeigt auch, dass sich die „Farben“ der Biotechnologie nicht klar abgrenzen lassen. Das Beispiel mit den Impfstoffen weist Überschneidungen auf mit der weißen Biotechnologie, bei der Organismen oder Teile von diesen für die industrielle Produktion eingesetzt werden. Bier als ältestes Biotech-Produkt ist ein weiteres Beispiel dafür und schließt den Kreis zum roten Faden „Fußball-EM“.

Technisch machbar ist nicht immer auch ethisch vertretbar

Der Mensch nutzt nicht nur Mikroorganismen in seinem Lebensumfeld, sondern unter anderem auch Enzyme. Als Beispiel wird die Herstellung von Waschmitteln genannt. Auch das Stichwort Bionik fällt, wobei sich dieses Fachgebiet nicht in eine Farben-Kategorie einordnen lässt.

Die Bionik, also die Suche nach Lösungen mithilfe von Vorbildern in der Natur, kommt vor allem bei der Suche nach neuen Wirkstoffen zum Einsatz. Beispielsweise wird die Forschung an den Bärtierchen so vorangetrieben, um von deren Lebensweisen zu lernen. Besonders fasziniert deren Fähigkeit der Kryptobiose. Es wird spekuliert, ob es eines Tages möglich sein wird, unheilbar kranke Menschen „einzufrieren“, um sie wieder zum Leben zu erwecken, wenn es Möglichkeiten gibt, ihre Krankheit zu heilen. Die Frage nach den technischen und medizinischen Möglichkeiten stellt sich hier selbstverständlich ebenso wie die der moralischen und ethischen Vertretbarkeit.

Auf der Suche nach Substanzen, die Antibiotika ersetzen können, ist man inzwischen auf Mikroorganismen und andere spezielle Lebensformen im Meer gestoßen. Diese leben unter widrigen Umständen und produzieren Stoffe, deren Nutzung für den Menschen noch zu prüfen ist. Dies erfolgt durch die Forschung in der blauen Biotechnologie.

Einsatzgebiet Bioenergie

Doch der Mensch fahndet nicht nur im medizinischen Bereich nach Möglichkeiten, die Natur zu nutzen. Vor allem auf der Suche nach alternativen Brennstoffen werden Wasser, Wind, Sonne und Pflanzen eingesetzt. Die Herausforderung stellt die Effizienz dieser Methoden dar. Die Bilanz zwischen dem Energiebetrag, den man aufwenden muss, um einen bestimmten Energiebetrag zu gewinnen, muss positiv sein. Erst dann machen entsprechende Techniken einen Sinn.

Gerade beim Einsatz von Pflanzen wie dem Raps stellt sich die Frage, ob die Verwendung großer Flächen für den Anbau vertretbar ist. Im Zusammenhang mit den Dritte-Welt-Ländern wird der Konflikt offenbar zwischen dem Interesse an Energieressourcen und dem an Nahrungsmitteln.

Es gibt Pflanzen, die unter widrigen Bedingungen an Orten wachsen, wo normale Nutzpflanzen nicht eingesetzt werden könnten. An solchen Standorten wäre es vertretbar, große Flächen zu kultivieren, wenn die Pflanze als Biomasse nutzbar ist. Hier gilt es noch, Wissen zu generieren und auszutauschen.

Als eine der wichtigsten Aufgaben der Biotechnologie wird benannt: biologische Abfallstoffe so zu verändern – beispielsweise durch den Einsatz von Enzymen – dass sie als Brennstoffe eingesetzt werden können. In Norwegen haben viele Menschen hauseigene Kraftwerke, um Biomüll zur Energiegewinnung zu verbrennen.

Individuelle Verantwortung

Bedenken gibt es jedoch, wenn der Mensch aus einem natürlichen Kreislauf etwas entfernt, um es für seine Zwecke zu nutzen. Entfernt man beispielsweise das Laub unter den Bäumen, um es zur Energiegewinnung zu nutzen, entzieht man den Pflanzen wichtige Nährstoffe, die sie durch den natürlichen Zersetzungsprozess des Laubes gewonnen hätten. Auch im Zusammenhang mit der Erforschung mariner Schwämme stellt sich die Frage, wer das Meer schützt und wem es gehört. Was passiert, wenn das Meer für solche Nutzungen „ausgeräubert“ wird?

Es wird die Vorgehensweise des Menschen kritisiert. Bei der Suche nach individuellen Lösungen für ein Problem wird meist der Blick für das Gesamtgefüge verloren. Als Beispiel wird das Thema Biogasanlagen in der Landwirtschaft genannt, die zunächst stark propagiert und gefördert wurden und nun doch auch in Kritik stehen. Generell gilt es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, um Fördergelder anders einzusetzen. Weg vom „Krieg für Öl“ hin zu Geld zur Forschung nach alternativen Brennstoffen.

Viele Lösungen können regional und lokal funktionieren, aber die Anwendung auf große Bereiche muss immer im Vorfeld geprüft werden. Die Effizienz und die Bedürfnisse sind entscheidend für die Selektion der Technologie. Die Biotechnologie ist in einer sehr frühen Phase. Daher empfiehlt es sich, die Technologiefolgenabschätzung vor dem Hintergrund begangener Fehler bei der Atomenergie zu verbessern.

Nicht nur die Bedürfnisse und Ansprüche der Menschen sind wichtig, auch die Emotionen. So investieren prominente Unternehmer, die ihr Geld in der IT-Branche verdient haben, in biotechnologische Forschungen im Bereich Medizin.

Emotionen spielen auch eine Rolle bei der Berufswahl. Sie geben Kraft, die individuellen Ziele zu erreichen. Zumal es, wenn die Wahl auf die Biotechnologie fällt, durchaus eine profitable Entscheidung sein kann. Und Geld mit der Biotechnologie zu verdienen ist auch nicht unmoralisch.

Was wäre ohne die Errungenschaften der Biotechnologie? Es gäbe kein Bier, keine Antibiotika, kein Insulin, keine Wachstumshormone, keine Gerinnungsfaktoren. Auch müsste man auf bestimmte Lebensmittel wie Jogurt verzichten. Dies würde einen Rückschritt bedeuten, die Einzelschicksale wären dramatisch, aber die Menschheit wäre nicht vom Aussterben bedroht. Biotechnologie hilft, das Leben für Menschen besser zu machen. Der Nachteil: Gesunderhaltung und Prävention werden in der Bevölkerung nicht mehr so wichtig gesehen. Viele leben sorglos in dem Glauben und Vertrauen auf die Medizin.

Sind die Menschen in Europa hingegen zu ängstlich und zurückhaltend in Bezug auf die Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen? Während hier viele Anwendungsgebiete der grünen Biotechnologie umstritten sind, werden in den USA seit Jahren gentechnisch veränderte Sojapflanzen für die Herstellung von Nahrungsmitteln eingesetzt. Abgesehen von unterschiedlichen Mentalitäten ist sicherlich auch einseitiges Denken bzw. mangelnde Information eine Erklärung für Ablehnung. Zwar liefert Öffentlichkeitsarbeit Wissen und Informationen hinsichtlich biotechnologischer Themen, jedoch ist es von dem einzelnen Individuum abhängig, wie viel davon abgerufen und genutzt wird.

or – 30.06.08
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Open Space Technology: Open Space (englisch für „geöffneter Raum“) ist eine Methode zur Strukturierung von Besprechungen und Konferenzen. Open Space schafft einen Raum, in dem viele Menschen selbstorganisiert und selbstverantwortlich ihre Anliegen gemeinschaftlich bearbeiten können. Es gibt keine vorgegebenen einzelnen Themen. Jeder kann ein Anliegen, das ihm besonders am Herzen liegt, vorantreiben. Das können komplexe und dringliche gemeinsame, aber auch persönliche Fragen und Themen sein. Sie werden erst zu Beginn der Veranstaltung formuliert.
Im Open Space gibt es vier Prinzipien:
1. Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute - einer oder 25 ist egal, und jeder ist wichtig und motiviert. 2. Was auch immer geschieht, es ist okay - Ungeplantes und Unerwartetes ist oft kreativ und nützlich. 3. Es beginnt, wenn die Zeit reif ist - wichtig ist die Energie (nicht die Pünktlichkeit). 4. Vorbei ist vorbei - Nicht vorbei ist Nicht-vorbei – wenn die Energie zu Ende ist, ist die Zeit um.
Und ein Gesetz: Das Gesetz der zwei Füße
Das „Gesetz der zwei Füße“ ist Ausdruck der Freiheit und Selbstverantwortung: der Teilnehmer bleibt nur so lange in einer Gruppe, wie er es für sinnvoll erachtet, also solange wie er etwas lernen und/oder beitragen kann. (Quelle: wikipedia)
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/anwendungsfelder-der-biotechnologie