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Auftrag führt Rentschler zurück zu seinen Anfängen

Ein Auftrag, der zu den eigenen Anfängen führt: Der Laupheimer Auftragsfertiger Rentschler Biotechnologie wird für das finnische Pharmaunternehmen Faron Pharmaceuticals ein Biopharmazeutikum herstellen und liefern, das er damals als Pionier Ende der 80er Jahre selbst hergestellt hat. Einen entsprechenden Vertrag gaben jetzt beide Unternehmen bekannt. Gegenstand der Vereinbarung ist das rekombinante humane Interferon-beta-1a (IFN-beta-1a) mit dem MarkennamenTraumakine. Finanzielle Einzelheiten zu dem Vertrag wurden nicht genannt.

Das oberschwäbische Unternehmen wird alleiniger Hersteller des Arzneimittels, das laut Pressemitteilung vom in Turku ansässigen Auftraggeber selbst entwickelt wurde. Die Substanz wird nach Farons Angaben gerade in Großbritannien in einer Phase-I/II-Studie zur Behandlung von Gefäßundichtigkeit bei Patienten mit akuter Lungenverletzung und akutem Lungenversagen (ALI/ARDS) geprüft.

Spezialpräparat mit Orphan-Drug-Status

Das Biopharmazeutikum ist so formuliert, dass es bei Raumtemperatur stabil und für Ärzte auf Intensivstationen sofort verfügbar ist. Es soll Gefäßundichtigkeit bei Patienten mit akuter Lungenverletzung und ihrer schwereren Form, dem Lungenversagen vorbeugen, um die respiratorische Funktion bei diesen Patienten zu erhalten.

Das Spezialpräparat mit Orphan-Drug-Status befindet sich vor dem Sprung in die letzte klinische Entwicklungsphase. Faron will in mehreren europäischen Ländern eine klinische Studie 2012 bis 2014 durchführen, und nach positivem Verlauf die europäische Zulassung für die neue Indikation beantragen. Bislang wird IFN-beta-1a bei Multipler Sklerose eingesetzt.

Modell der 'Wirkweise eines rekombinanten humanen Interferons, das undichte Gefäße bei schweren Lungenerkrankungen verschließt.
Modell der Wirkweise von IFN-beta bei akuten Verletzungen und der Vermeidung von Gefäßundichtigkeit. © Rentschler

Die akute Lungenverletzung und das akute Lungenversagen sind schwere klinische Störungen, die nach einer Reihe akuter direkter oder indirekter Lungeninsulte auftreten. In ernsthaft lebensbedrohlichen Situationen, wie einer Infektion mit anschließender Sepsis oder Trauma, die massive Gewebsverletzung verursachen, führt eine Eskalation der systemischen Entzündungs-Reaktion zu multiplem Organversagen wie beispielsweise ALI/ARDS.

ALI/ARDS führt zu verstärkter Gefäßundichtigkeit, die durch das fehlende Adenosin - einem Endprodukt des AMP (Adenosinmonophosphat)-Abbaus - durch 5’-Nukleotidase verursacht wird. Typ-I-Interferone wie besonders das Interferon-beta regulieren nachweislich die 5’-Nukleotidase (auch als CD73-Molekül bekannt) hoch und verhindern ALI im Tiermodell (Kiss et al. (2007, in: European Journal of Immunology, 37:3334).

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/auftrag-fuehrt-rentschler-zurueck-zu-seinen-anfaengen