zum Inhalt springen
Powered by

Bekommt Biberach doch noch in letzter Minute neuen Studiengang?

Eine saubere, nachhaltige Industrie ist erreichbar. Diese Überzeugung vertrat der Chemiker Thomas Hirth beim Neujahrsempfang der Fakultät Pharmazeutische Biotechnologie der Hochschule Biberach. Der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in Stuttgart war Festredner des Empfangs – eine hochsymbolische Einladung, denn Hirth zählt hierzulande zu den Protagonisten der Industriellen Biotechnologie.

Justament einen solchen Studiengang möchte die Biberacher Hochschule zum Wintersemester 2011/2012 anbieten. Die Zeit läuft den Biberachern aber davon. Findet sich bis März kein Investor für das Laborgebäude, wird die Hochschule ihr Projekt wohl beerdigen können. Dazu muss man wissen, dass das zum Sparen entschlossene Land für neue Studiengänge keine neuen Gebäude kauft oder baut.

Noch hoffen die Beteiligten. Stadt und Landkreis suchen nach Informationen der Zeitung vor Ort (Schwäbische Zeitung: Zitterpartie: Gebäude für den neuen Studiengang fehlt, 7.02.2011) einen Investor, der die Labore bauen soll, am besten in einem Technologiezentrum nahe der Räume der Pharmazeutischen Biotechnologie im Biberacher Industriegebiet Aspach. Bislang, wird der Biberacher Finanzbürgermeister Roland Wersch zitiert, fehlen die Investoren, die das finanzielle Risiko tragen wollen. Zahlen wurden keine genannt, doch angesichts der teuren Labore dürfte es sich um einen siebenstelligen Betrag handeln. Sind die Biberacher erfolgreich, würde der Studiengang im Sommer ausgeschrieben.

Hirth: Biotechnologie hilft bei Lösung von Menschheitsproblemen

Festredner Prof. Thomas Hirth warb für die Industrielle Biotechnologie. © HS BIberach

Sollte der Studiengang doch noch in letzter Minute den nötigen Investor finden - die Studierenden könnten in Biberach die Grundlagen zur Rettung der Welt legen. Denn, so der Fraunhofer-Forscher Hirth, einige der zehn größten Menschheitsprobleme (Energie, Wasser, Ernährung, Umwelt und Krankheit) ließen sich über biotechnologische Verfahren kostengünstig, energiesparend und ressourcenschonend lösen. Hirth nannte das Beispiel der industriellen biotechnologischen Produktion von Vitamin B2, die er mit der herkömmlichen chemischen Herstellung verglich. Bei einem konkreten Projekt sei es gelungen, 95 Prozent der Abfälle zu reduzieren, darüber hinaus CO2-Emissionen (30 %), Ressourcen (60 %) und Produktionskosten (40 %).

Geplanter Studiengang wäre "folgerichtig und zukunftsweisend"

„Die Natur nachzubauen“, bezeichnete Hirth als Weg der Zukunft. Dass sich die Bundesregierung für diese sogenannte „Bioökonomie“ ebenso einsetzt wie die Europäische Union, daran ließ Hirth in seiner Darstellung keinen Zweifel. Dafür stehe das Fraunhofer-Institut ebenso wie die Universitäten Stuttgart und Ulm im Süden Deutschlands.
Die Pläne der Hochschule Biberach, das eigene Studienangebot um einen Bachelor-Studiengang Industrielle Biotechnologie zu erweitern, nannte er zukunftsweisend und folgerichtig. Dem Dekan der Fakultät Pharmazeutische Biotechnologie, Jürgen Hannemann, bot er noch am gleichen Abend seine Zusammenarbeit an.

Für die Hochschule Biberach bedeute die Biotechnologie eine große Chance, sagte Dekan Hannemann und ließ Fakten sprechen: Der Bachelor-Studiengang Pharmazeutische Biotechnologie sei bereits um ein Master-Angebot in Kooperation mit der Universität Ulm gewachsen, fast 240 Studierende sind immatrikuliert, im Institut für Pharmazeutische Biotechnologie bearbeiten die Professoren drittmittelstarke Projekte, im März sollen sechs Doktoranden eingestellt werden, und Möglichkeiten der fächerübergreifenden Zusammenarbeit sieht die Hochschule nicht nur zwischen den Biotechnologie-Disziplinen.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/bekommt-biberach-doch-noch-in-letzter-minute-neuen-studiengang