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Biotechnologie zum Anfassen

Anlässlich der Preisverleihung als ausgewählter Ort im Land der Ideen öffnete die BIOPRO Baden-Württemberg am 26. Juni 2008 ihre Pforten im Haus der Wirtschaft. Über 300 Teilnehmer ließen sich begeistern von den Highlights der Biotechnologie. Sie nutzten das breite Angebot, um sich zu informieren, um zu experimentieren und zu diskutieren. Insgesamt 50 Helfer aus Forschungseinrichtungen, Schulen und Unternehmen unterstützten die BIOPRO Baden-Württemberg.

„Diesen Preis erhält heute BIOPRO dafür, dass Sie der Biotechnologie bahnbrechende Impulse geben.“ Mit diesen Worten überreichte Birgit Gnerlich von der Deutschen Bank den Preis an Dr. Ralf Kindervater, Geschäftsführer der BIOPRO Baden-Württemberg und sein Team. "Schon heute ist Baden-Württemberg das führende Bundesland in dieser zukunftsweisenden Disziplin. Das geht vor allem auf das Engagement der Innovations-Agentur BIOPRO zurück. Mit gezielter Wirtschaftsförderung, nachhaltiger Öffentlichkeitsarbeit und effektivem Standortmarketing bringen Sie auf einzigartige Weise die Biotechnologie in diesem „Ländle“ und damit in Deutschland voran." "Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung", bedankte sich Dr. Ralf Kindervater. "Sie wird uns Ansporn sein, auch weiterhin unsere Kraft und Energie in die Entwicklung der Biotech-Branche zu investieren und Baden-Württemberg als ausgezeichneten Standort national und international zu positionieren."
Gruppenfoto der BIOPRO-Mitarbeiter mit der Urkunde "Ausgewählter Ort im Land der Ideen 2008".
Für den Wissensparcours im Rahmen des Aktionstages "Biotechnologie zum Anfassen" erhielt die BIOPRO Baden-Württemberg die Auszeichnung "Ausgewählter Ort im Land der Ideen 2008". (Foto: BIOPRO)

Kleine Helfer ganz groß

Der Star der Forschung von Dr. Ralf O. Schill: das Bärtierchen (Bild: Schill)
Zurück von ihrer Weltraum-Mission trafen die Bärtierchen und ihr Fürsprecher, Dr. Ralf O. Schill von der Universität Stuttgart, pünktlich zum ersten Impulsvortrag in der Halle ein. Die knuffigen Winzlinge können uns lehren, wie man eine erfolgreiche Konservierung durch Trocknung betreibt, denn dies beherrschen die Bärtierchen zur Vollendung. Das Team um Schill versucht nun, den Tierchen ihre Geheimnisse zu entlocken und damit Ansatzpunkte für praktische Anwendungen zur erlangen - wie beispielsweise die Haltbarmachung von Blutplasma durch Trocknung.

Winzig sind auch die Helfer von Dr. Harpreet Singh, Mitgründer der immatics biotechnologies GmbH. Im zweiten Impulsvortrag erklärte er, wie sein Unternehmen biologische Strukturen nutzt, um das Immunsystem zu stimulieren und damit aktiv gegen Krebs vorzugehen. Mit patentierter Technologie ist es dem Immatics-Team gelungen, innerhalb kürzester Zeit ihre Wirkstoffe so zu entwickeln, dass diese nun in der klinischen Prüfung in Phase II gestest werden. Ganz nebenbei vermittelte Singh den Zuhörern auch sehr eindrucksvoll, wie der Einsatz der Biotechnologie in der Medizin Prozesse beschleunigt, Innovationen ermöglicht und last but not least in absehbarer Zeit auch wirtschaftlich erfolgreich ist.

Forschung hautnah

Wie isoliert man DNA aus Früchten und wie sieht so ein DNA-Faden aus? Wie kann man mit Hilfe der Biotechnologie die Milch so behandeln, dass diese auch von Menschen mit einer Unverträglichkeit für Milchzucker (Laktoseintoleranz) vertragen wird? Dies zeigten dem begeisterten Publikum Schüler des Wirtemberg-Gymnasiums, Stuttgart. Das Calwer Maria-von-Linden-Gymnasium führte eine der wichtigsten biotechnologischen Methoden, den ELISA-Test (Enzyme Linked Immunosorbent Assay) vor. Mit dessen Hilfe können Proteine, Viren, Hormone, Toxine oder auch Pestizide nachgewiesen werden – auch in komplexen Flüssigkeiten wie Blut, Milch oder Urin. Den eigenen genetischen Fingerabdruck konnte man sich mit Unterstützung der Johanna-Wittum-Schule aus Pforzheim erstellen lassen. Unterstützt von der Firma BIORAD waren die Schüler mit ihren Zentrifugen, Gelelektrophoresen, Pipetten und sonstigem Zubehör vor Ort.

Dies ist nur eine kleine Auswahl an Themen, die im Wissensparcours präsentiert wurden.
Auf dem Foto sind junge Mädchen zu sehen, die die Mitmachexperimente durchführen.
Großes Interesse fanden die Mitmachexperimente, die von Schülern betreut wurden. (Foto: BIOPRO/Bächtle) © Bächtle/BIOPRO

Diskussionsbedarf

Doch die BIOPRO Baden-Württemberg wollte nicht nur informieren, sondern mit den Gästen auch diskutieren. Dabei wurden die Themen nicht vorgegeben, sie orientierten sich vielmehr an den Wünschen der Teilnehmer. Moderiert von Hubert Romer, K.M.R., meldeten die Besucher ihren Diskussionsbedarf an. Aus den Abstimmungen gingen die Open-Space-Workshops „Wo sind die Grenzen der Forschung hinsichtlich der Ethik?“, „Wo wird Biotechnologie angewendet?“, „Endlichkeit und Einsatz nachwachsender Rohstoffe“ und „Gefahren und Langzeitfolgen der Biotechnologie“ erfolgreich hervor. Zu den wichtigsten Aussagen und Erkenntnissen können Sie hier im Portal mehr lesen (s. Links rechts oben).

Basics umfassend und kompetent präsentiert

Unter dem Titel „Mit Pilzen und marinen Schwämmen zu neuen Biopharmaka“ erklärte Prof. Christoph Syldatk von der Universität Karlsruhe, mit welchen Methoden die Forscher nach neuen Naturstoffen suchen und wie diese zum Nutzen der Menschen weiter entwickelt werden. Hierbei handelt es sich um sehr langwierige Prozesse, die aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen an neue Medikamente in der Regel 10 bis 15 Jahre in Anspruch nehmen.

Als interdisziplinäres Gebiet trägt die Biotechnologie in vielen klassischen Branchen zur Innovation bei. Prof. Rolf Schmid von der Universität Stuttgart erläuterte dies umfassend für den chemischen Sektor. Als Treiber für mehr Biotechnik benannte er explodierende Erdöl- und Erdgaspreise, eine wachsende Weltbevölkerung und die Notwendigkeit der Schonung versiegender Ressourcen, die einen Übergang auf nachwachsende Rohstoffe erleichtern. Insbesondere die Herstellung chiraler Zwischenprodukte und Biopolymere profitieren von den Methoden der modernen Biotechnologie.

bjo - 30.06.08
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Dr. Harpreet Singh, Mitgründer der immatics biotechnologies GmbH hält seinen Vortrag beim Land der Ideen Aktionstag.
Krebsforschung, Bärtierchen, Biotechnologie - die Vorträge fanden beim überwiegend jungen Publikum viel Aufmerksamkeit. (Foto: BIOPRO/Bächtle)
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/biotechnologie-zum-anfassen