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Boehringer Ingelheim hält die Erfolgsspur

Zufriedene Gesichter und Zuversicht bei den Unternehmenslenkern: Deutschlands zweitgrößte Pharma-Firma Boehringer Ingelheim wuchs 2007 zum achten Mal in Folge stärker als der Pharmamarkt. Eine gut bestückte Produktpipeline lässt die Verantwortlichen zuversichtlich in die nahe Zukunft blicken. Einmal mehr wurde auf der Jahrespressekonferenz deutlich, dass das in Familienhänden befindliche Unternehmen seinen Managern Raum und Zeit für mittelfristige Planung lässt.

Im Vorjahr steigerte das Unternehmen seine Umsatzerlöse um 8,8 Prozent in lokaler Währung (+3,6 Prozent auf Euro-Basis) auf fast elf Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis bewegte sich mit 2,1 Mrd. Euro auf Vorjahresniveau, entsprechend einer operativen Rendite von 19,2 Prozent. Das Ergebnis nach Steuern betrug gut 1,8 Mrd. Euro und lag damit um 4,8 Prozent höher als im Vorjahr. Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich weltweit um fast 1.400 auf 39.800.

Wachstum trotz starkem Euro und Generika

Zeigte sich zufrieden mit den Zahlen von 2007, Unternehmenschef Alessandro Banchi. (Foto: Boehringer Ingelheim)
Währungsturbulenzen (starker Euro, schwacher US-Dollar und Yen) und einbrechende Erlöse in Höhe von rund 340 Mio. Euro durch abgelaufene Patente (Mobec®) auf dem US-Markt stellten das Unternehmen nach den Worten ihres Sprechers Alessandro Banchi vor große Herausforderungen. Dass Boehringer Ingelheim trotzdem auf Euro-Basis um 3,6 Prozent wuchs, sei auf die Wachstumsdynamik seines Produktportfolios zurückzuführen.

Nach Branchen-Berechnungen wuchs Boehringer Ingelheim 2007 um 7,1 Prozent und lag erneut über dem Branchendurchschnitt (6 Prozent). Der Marktanteil lag bei fast 2 Prozent, damit liegt das Unternehmen auf dem 15. Platz unter den internationalen Pharmafirmen, zwei Plätze hinter Bayer Schering.

Den Umsatz kurbelten 2007 vor allem drei verschreibungspflichtige Medikamente an, die jeweils mehr als eine Milliarde Euro erlösten.
Rund 1,8 Mrd. Euro erlöste das Atemwegs-Präparat Spiriva®, das über ein selbst entwickeltes Inhalationsgerät verabreicht werden kann und seit Herbst 2007 sukzessive in den europäischen Markt eingeführt wird. Rund 1,1 Mrd. Euro erlöste Micardis®, ein Präparat zur Behandlung von Bluthochdruck. Blockbuster-Status erreichte auch Alna®/Flomax® zur Behandlung von gutartiger Prostatavergrößerung mit Erlösen in Höhe von rund 1 Mrd. Euro. 644 Mio. Euro erlösten die Präparate gegen Parkinson und Restless-Legs-Syndrom (Sifrol®/Mirapex®) sowie das für die Sekundärprävention von Schlaganfällen eingesetzte Medikament Aggrenox® mit 278 Mio. Euro.

USA bleiben wichtigster Absatzmarkt

Den Löwenanteil der Gesamterlöse in Höhe von 79 Prozent stellte das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Human-Medikamenten. Hier stiegen die Erlöse 2007 währungsbereinigt um fast 10 Prozent (+4,2 Prozent auf Euro-Basis) auf mehr als 8,6 Mrd. Euro. Das Selbstmedikationsgeschäft legte währungsbereinigt um 11,7 Prozent (+7,2 Prozent auf Euro-Basis) auf 1,14 Mrd. Euro zu. Die Gesamterlöse aus dem Industriekundengeschäft (Biopharmazie, Pharmazeutische Produktion und Pharmachemikalien) beliefen sich auf 739 Mio. Euro und lagen unter den Zahlen des Vorjahres (-6,5 Prozent wechselkursbereinigt, -8,6 Prozent auf Euro-Basis). Der Erlösrückgang im Biopharmaziegeschäft (2007: 463 Mio. Euro, 2006: 503 Mio. Euro) war eingeplant, weil die ältere der beiden biopharmazeutischen Produktionsanlagen am Biberacher Standort technisch aufgerüstet wurde und fast vier Monate still stand. Der für diesen Geschäftsbereich zuständige Hans-Jürgen Leuchs rechnet im laufenden Jahr mit einem deutlichen Wachstum von 15 Prozent im Biopharmazie-Geschäft.

Nur jede zweite hierzulande verkaufte Arznei wird verschrieben

Das im Jahr 2007 erzielte Wachstum von Boehringer Ingelheim wurde von allen drei Regionen getragen. Umsatzstärkste Region wurde erneut Nord- und Südamerika (5,4 Mrd. Euro, davon 4,5 Mrd. in USA; Zuwachs von 12 Prozent in lokaler Währung). Es folgen Europa (3,6 Mrd. Euro, 8,6 Prozent in lokaler Währung; Deutschland: 853 Mio; davon 444 Mio. Euro verschreibungspflichtige Arzneimittel) und Asien, Australien, Afrika mit Erlösen von 1,9 Mrd. Euro, davon Japan mit 1,2 Mrd. Euro.

Neue Medikamente und gut gefüllte Pipeline

Hohe Erwartungen setzt das Unternehmen nach den Worten ihres Sprechers Alessandro Banchi in den selbst entwickelten ersten oralen Gerinnungshemmer Pradaxa®, der Ende März für die EU zugelassen wurde und gegen venöse Thromboembolien bei Erwachsenen nach einer Hüft- oder Kniegelenkersatz-Operation vorbeugen soll. Weitere vier Indikationen seien in der Klinik. Auch von Phase-IV-Studien, die 2008 veröffentlicht werden sollen, erhofft sich das Unternehmen nach Banchis Worten eine Erweiterung der Indikationen von bereits eingesetzten Arzneimitteln. Erwartet werden Ergebnisse zu Telmisartan(Micardis)®, Aggrenox® und Spiriva®.

Vier Substanzen in Phase III

Mehreren eigenen Entwicklungssubstanzen aus verschiedenen Therapiegebieten gelang der Schritt in die nächste klinische Entwicklung. Jeweils in der Phase III sind zwei Substanzen aus der Onkologie, eine Substanz auf dem Gebiet des Diabetes Typ II, sowie eine Entwicklungssubstanz bei prämenopausalen Frauen mit vermindertem sexuellem Verlangen.

2007 investierte Boehringer Ingelheim in Forschung, Entwicklung und Medizin rund 1,7 Mrd. Euro, ein knappes Zehntel mehr als im Vorjahr. Den FuE-Aufwand an den Erlösen bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten bezifferte das Unternehmen auf rund 19 Prozent.

Finanzchef Muff blickt zuversichtlich in Zukunft

Finanzchef Marbod Muff zeichnete in seinem Ausblick für die nächsten Jahre ein zuversichtliches Bild. Verlusten von 1 Mrd. Euro, vor allem im US-Geschäft durch Generika bei Flomax® stünden bis zu 2,5 Mrd. Euro Gewinne durch jetzige und zukünftige Produkte entgegen. Der für Forschung und Entwicklung zuständige Andreas Barner sieht lediglich für 2010 eine leichte Delle in der Ergebnisentwicklung und äußerte sich zuversichtlich in Bezug auf den Wettbewerb mit Aventis, das ein Konkurrenzprodukt zu Pradaxa auf den Markt bringen wolle.

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