zum Inhalt springen
Powered by

cFLIP – ein Schlüsselprotein bei der Entstehung von weißem Hautkrebs

Mannheimer Forscher untersuchen die Funktion des Apoptose-Inhibitors cFLIP bei Hautkrebs. Das Protein wirkt dabei als Schalter für zwei Mechanismen: Es kann den programmierten Zelltod verhindern und eine Immunreaktion unterdrücken.

Die Zunahme der UV-Strahlung und das steigende Lebensalter der Bevölkerung lassen die Häufigkeit von Hautkrebserkrankungen weiter ansteigen. Noch häufiger als der sehr bösartige schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom, ist der weiße Hautkrebs. Dazu zählen die sogenannten Basalzellkarzinome und das Plattenepithelkarzinom, auch Spinaliom genannt. Sie machen etwa 15 Prozent aller bösartigen Tumore des Menschen aus. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, die in ihrem Leben starker UV-Strahlung ausgesetzt waren. So entstehen die ersten Tumorzellen teilweise bereits Jahrzehnte vor dem Auftreten des Krebses, erklärt der Mannheimer Dermatologe Professor Dr. Martin Leverkus. „Erst durch weitere UV-Bestrahlung werden sie zu invasiven und damit gefährlichen Karzinomen.“

Die Wissenschaftler um Professor Dr. Leverkus, Leiter der Sektion für Molekulare Dermatologie an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsmedizin Mannheim (UMM), untersuchen die Mechanismen, welche die Hauttumorzellen zum Wachstum anregen, mit dem Ziel, neue Ansätze zur Behandlung von Hautkrebs zu entdecken.

Eine defekte Regulierung des sogenannten programmierten Zelltodes, der Apoptose, spielt bei der Entwicklung des Hautkrebses eine große Rolle. Eine Schlüsselfunktion kommt dabei dem Apoptose-Inhibitor cFLIP zu, der einen entscheidenden Einfluss darauf hat, ob eine Hautzelle einen normalen Lebenszyklus durchläuft oder zum weißen Hautkrebs führt. Wie die Mannheimer Forscher zeigen konnten, nutzt cFLIP zwei Mechanismen, um eine normale Hautzelle zur Tumorzelle zu transformieren: Zum einen kann das Protein den programmierten Zelltod verhindern, indem es in der Zelle Signale der sogenannten „Todesrezeptor“-Familie blockiert. Zum anderen kann es eine den Tumor abstoßende Immunantwort unterdrücken, indem es entzündungsfördernde Signale hemmt.

Apoptose bei einer Hauttumorzelle mit typischen Apoptose-Vesikeln. Elektronenmikroskopische Aufnahme. © UMM

Der programmierte Zelltod (Apoptose) ist ein körpereigener Mechanismus, durch den einzelne überflüssige oder störende Zellen sich selbst eliminieren. Im gesunden Organismus sorgt die Apoptose für die Vernichtung schädlicher Zellen sowie für ein ausgewogenes Verhältnis von Zellvermehrung (Proliferation) und Zelltod. Ist der programmierte Zelltod fehlerhaft reguliert, kann dies zur Bildung von Tumoren führen.

Normalerweise binden die Botenstoffe der „Todesrezeptor"-Familie an Oberflächenmoleküle der Tumorzellen und können dadurch Apoptose auslösen. Ist der Inhibitor cFLIP jedoch in den Hautzellen stark exprimiert, verhindert dieses blockierende Eiweiß, dass der programmierte Zelltod ausgelöst wird.

Die exakten Mechanismen, wie Hauttumorzellen durch cFLIP das unkontrollierte Wachstum von Tumorzellen anregen, sind bislang nicht aufgeklärt. Bekannt ist allerdings, dass das Protein in der Zelle in verschiedenen Isoformen, also mit etwas unterschiedlichem Aufbau, vorkommt. Um deren Bedeutung bei der Entwicklung von Hautkrebs weiter aufzuklären, schleusten die Mannheimer Forscher verschiedene Isoformen von cFLIP mittels viraler Vektoren in Tumorzellen ein. Auf diese Weise konnten sie einzelne Signale identifizieren, die durch cFLIP moduliert werden.

Aus der Kenntnis, wie cFLIP in der Zelle reguliert wird,  erhoffen sich die Forscher wichtige Schlussfolgerungen für die Behandlung von Hautkrebs und die Entwicklung zukünftiger Therapien. „Wir können dann nach Wegen suchen, wie wir die beteiligten Signale in den Hautkrebszellen abschalten und auf diese Weise sowohl den Zelltod als auch eine Immunantwort auslösen können, die den Tumor vernichtet", so Leverkus.

Publikation:
cFLIP isoforms block CD95- and trail death receptor-induced gene induction irrespective of processing of caspase-8 or cFLIP in the death-inducing signalling complex Shyam M. Kavuri, Peter Geserick, Daniela Berg, Diana Panayotova Dimitrova, Maria Feoktistova, Daniela Siegmund, Harald Gollnick, Manfred Neumann, Harald Wajant and Martin Leverkus
The Journal of Biological Chemistry, Vol. 286, Issue 21, 18614-18622, MAY 27, 2011

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/cflip-ein-schluesselprotein-bei-der-entstehung-von-weissem-hautkrebs