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CyberOne Award: Sieger ausgezeichnet

Die Sieger des CyberOne Awards 2010, des wichtigsten Businessplan-Wettbewerbs im Südwesten, sind am 8. Juni 2010 im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in Ludwigsburg ausgezeichnet worden. Fünf der zwölf Finalisten stammen aus dem Bereich der Biotechnologie bzw. Medizintechnik. Prämiert wurden unter anderem eine Software zur Analyse medizinischer Bilddaten, ein Hydrophobierungsgel zum Schutz von Bauwerken und ein chemisches Markersystem zum Plagiatschutz.

Die mit Spannung erwartete Bekanntgabe der Preisträger 2010 wurde im Rahmen einer feierlichen Gala im Louis-Bührer-Saal der Kreissparkasse Ludwigsburg zelebriert. Drei Start-up-Unternehmen und zwei Mittelständler wurden mit dem begehrten Award ausgezeichnet. Die Preisträger erhalten Geld- und Sachpreise im Wert von insgesamt 110.000 Euro. Die CyberOne Awards überreichten Helmut Rau, Minister im Staatsministerium, und Dr. Tilman Schad, Vorstand bei bwcon.

Preisträger Start-ups

Die IONYS AG bei der Verleihung des CyberOne Awards: (v.l.n.r.) Dr. Tilman Schad, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der bwcon, Dr. Peter Fritz, KIT-Vizepräsident für Innovation, Martin Schmidt, Dr. Rüdiger Werp, Professor Dr. Andreas Gerdes (IONYS AG) und Helmut Rau, Minister im Staatsministerium Baden-Württemberg. © Julia Grudda

In der Kategorie Start-ups gewann die IONYS AG aus Karlsruhe. Außerdem bekam sie den Sonderpreis der Deutschen Börse verliehen. Kernprodukt des Unternehmens ist ein „Hydrophobierungsgel“, das, wenn es auf Betonoberflächen aufgebracht wird, Bauwerke vor Feuchtigkeit und Korrosion schützt. So kann die Lebensdauer der Bauten bedeutend verlängert werden. Prof. Dr. A. Gerdes, Vorsitzender des Aufsichtsrats der IONYS AG, betonte, dass die Lösung der Probleme der Betonporosität die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachgebiete wie Mineralogie, Biologie, Chemie, Physik und Bauingenieurwesen voraussetzt.
Den 2. Platz erreichte die Polysecure GmbH aus Freiburg. Sie hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Produktfälschungen von Originalen unterschieden werden können. Grundlage ist ein chemischer Marker, der dem ursprünglichen Werkstoff hinzugefügt wird. Die Marker sind ungiftig. Sie können sogar in medizinischen Produkten wie Implantaten eingesetzt werden, da sie die Anforderungen der FDA erfüllen.

Räumliche Darstellung eines Bauchspeicheldrüsentumors (hellgrün, in der Bildmitte) sowie benachbarter Organe und Blutgefäße. Das 3D-Bild wurde mit einer Software erstellt, die Wissenschaftler am DKFZ entwickelt haben, um medizinische Bilddaten besonders effizient und genau auszuwerten. © Mint Medical GmbH

Die Mint Medical GmbH aus Heidelberg wurde Drittplatzierte in der Kategorie Start-ups. Außerdem erhielt sie den mit 5.000 Euro dotierten Sonderpreis des Landes Baden-Württemberg für die beste Forschungskommerzialisierung. Mint Medical ist eine Firmenausgründung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Das Unternehmen wurde im März 2010 von Forschern der Abteilung „Medizinische und Biologische Informatik“ des DKFZ gegründet. Mint Medical entwickelt und vertreibt Softwaretools zur Analyse medizinischer Bilddaten. Mit deren Hilfe ist es Ärzten möglich, diese Daten besonders exakt und effizient zu analysieren. Es besteht eine starke Nachfrage nach solchen Software-Lösungen, denn moderne bildgebende Verfahren wie Computertomografie oder Magnetresonanztomografie liefern eine kaum überschaubare Fülle von Bilddaten aus dem Körperinneren. Nur die optimale Auswertung der Daten erlaubt den Ärzten eine exakte Diagnose zu stellen und eine passende Therapie anzubieten. Zu diesem Zweck entwickelt das junge Unternehmen verschiedene Softwareprodukte. So kann beispielsweise der „Mint Lesion Analyzer“ zur Überwachung und Verlaufskontrolle von Krebstherapien verwendet werden. Mit „Mint Liver“ können, bei Erkrankungen der Leber, die individuelle Anatomie der Leber des Patienten räumlich rekonstruiert und verschiedene Operationsstrategien simuliert werden. Das mittelfristig geplante Produkt „Mint Nauris“ stellt bei endoskopischen Eingriffen an der Lunge die aktuelle Position des eingeführten chirurgischen Instruments dar. Zur Visualisierung verwendet es im Vorfeld aufgenommene 3D-Daten des Patienten.

Preisträger Wachstum/Mittelstand

Für den CyberOne Award konnten sich in diesem Jahr erstmals auch etablierte mittelständische Unternehmen bewerben. Diese wurden in der Kategorie Wachstum ausgezeichnet.
Den 1. Preis in dieser Kategorie gewann die Power Plus Communications AG aus Mannheim. Das Unternehmen bietet Lösungen an, mit denen unter Nutzung bestehender Stromnetze Daten per Breitband-Technologie übertragen werden können.
Den 2. Platz belegte die Palette CAD GmbH aus Stuttgart mit ihrer CAD (Computer Aided Design)-Softwarelösung für mittelständische Handwerksfirmen.

Weitere Finalisten aus dem Life-Sciences-Bereich

Zwölf der 61 Firmen, die sich am Wettbewerb beteiligt hatten, erhielten die Möglichkeit, ihr innovatives Geschäftskonzept der Expertenjury des CyberOne zu präsentieren. Unter den Finalisten befanden sich neben der ausgezeichneten Mint Medical GmbH weitere Life-Sciences-Unternehmen, vornehmlich aus den Bereichen Biotechnologie und Medizintechik.

Platz 4 der Kategorie Start-ups erreichte die Amedrix GmbH aus Esslingen, die kollagenbasierte Implantate für die Behandlung von Weichteildefekten entwickelt und produziert. Die zellfreien Implantate werden vor Ort durch Zellen des Patienten besiedelt, die sich vermehren und so verlorengegangenes Gewebe wiederherstellen können. Die innovativen Medizinprodukte befinden sich zurzeit im Entwicklungsstadium und zum Teil in der Zulassungsphase. Gegenüber bereits auf dem Markt erhältlichen zellbesiedelten Produkten haben die Amedrix Implantate mehrere Vorteile, unter anderem entfallen teure Operationen zur Zellentnahme.

Fünftplatziert unter den Start-ups ist die BCML GmbH mit ihrem neuartigen Biochip für die Pränataldiagnostik. Mittels auf dem Chip aufgebrachter Antikörper können fetale Zellen aus dem mütterlichen Blut isoliert werden. Diese können dann einer herkömmlichen Chromosomenanalyse unterzogen und somit Chromosomendefekte beim Kind festgestellt werden. Da der Test einfach, günstiger und vor allem risikofrei für Mutter und Kind ist, im Gegensatz zur bisherigen Fruchtwasseruntersuchung, birgt er ein großes Potenzial für die Pränataldiagnostik. Die Produktion des Biochips soll bereits 2011 anlaufen.

Den 6. Platz erreichte die Cortec GmbH aus Freiburg. Ihr Kernprodukt, die Technologieplattform BRAINCON, besteht aus einem Implantat und einer Software. Es misst die Aktivität des Gehirns während intendierter Bewegungen und setzt sie in Kontrollsignale um, mit denen sich künstliche Hilfsmittel wie Orthesen oder Roboterarme exakt steuern lassen oder auch gelähmte Körperteile gezielt stimuliert werden können. Das Produkt soll dadurch die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten beschleunigen und Menschen mit schweren Lähmungen im Alltag unterstützen. Zurzeit führen die Unternehmensgründer zusammen mit universitären Partnern Forschungsstudien zur Wirksamkeit der BRAINCON-Technologie durch und arbeiten an der Zulassung eines ersten Produkts.

Siebtplatziertes Start-up ist das Medizintechnik Unternehmen neocor GmbH aus Karlsruhe mit seinem Erste-Hilfe-Sensorsystem „Vital.Assist“. Das handliche Notfallgerät zeigt Laien-Ersthelfern nach Analyse von Puls und Atmung an, ob eine bewusstlose Person wiederbelebt werden muss oder nicht. Derzeit arbeiten die Gründer daran, das System noch zuverlässiger zu machen. Dennoch ist die Markteinführung bereits für August 2010 geplant.

Durch die große Anzahl von Medizintechnik- bzw. Biotechnologie-Unternehmen unter den Finalisten betont der CyberOne 2010 die Bedeutung dieser Branchen für Baden-Württemberg, ebenso wie die Bedeutung der Biotechnologie als Querschnittstechnologie. Klaus Haasis, Geschäftsführer von bwcon sowie der MFG Baden-Württemberg, hob bei der Preisverleihung die Bedeutung der Interdisziplinarität für innovative Unternehmen hervor.

Ausführliche Informationen zu den Preisträgern und Finalisten des Wettbewerbs finden Sie im Internetportal des CyberOne.

Mit dem Unternehmerpreis CyberOne werden jedes Jahr Ausnahmegründer aus Baden-Württemberg ausgezeichnet, die der Hightech-Branche entstammen. Der CyberOne-Wettbewerb richtet sich an Start-ups und mittelständische Wachstumsunternehmen aus allen Technologiebranchen in Baden-Württemberg, die mit innovativen Konzepten und Strategien neue Standards setzen und die Märkte revolutionieren. Veranstalter ist die Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg: Connected (bwcon). Der CyberOne Award wurde 2010 bereits zum 12. Mal verliehen. Das Land engagiert sich bereits seit dem Start im Jahr 1998 für den CyberOne. Schirmherr des Wettbewerbs ist Ministerpräsident Stefan Mappus. Alle Preise des Wettbewerbs sind von Sponsoren finanziert.

Quellen:
Pressemitteilung CyberOne, Hintergrundinformation von CyberOne
Über Mint Medical: Pressemitteilung DKFZ vom 08.06.2010

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/cyberone-award-sieger-ausgezeichnet