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Deutlicher Preisvorteil für reimportierte Medikamente

Im Ausland sind viele Medikamente wesentlich billiger als in Deutschland. Die Gottmadinger Firma ACA Müller importiert sie wieder nach Deutschland, wovon sowohl Verbraucher als auch Krankenkassen profitieren. Nach Angaben des Unternehmens sparen die Kassen durch solche Reimporte jährlich etwa 200 Millionen Euro, weswegen der Gesetzgeber dieses Modell unterstützt.

Die Preisunterschiede sind manchmal nur klein, manchmal aber auch beachtlich. Auf dem europäischen Markt der Medikamente gibt es einige Differenzen, denn die großen Pharmakonzerne verkaufen ihre Produkte in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Preisen. Diese Preisdifferenzen nutzen einige Unternehmen für sich aus, wie etwa die ACA Müller ADAG Pharma AG aus Gottmadingen. Der Pharma-Reimporteur kauft die Medikamente im Ausland und führt sie wieder nach Deutschland ein. Die Medikamente sind Originale der Hersteller, die fürs Ausland produziert wurden. Dasselbe Produkt wie in Deutschland, nur in einer anderen Verpackung.

In Apotheken muss ein bestimmter Anteil der Produkte importiert sein

Nach Angaben des Gottmadinger Unternehmens sparen die Kassen durch solche Reimporte jährlich etwa 200 Millionen Euro, weswegen der Gesetzgeber dieses Modell unterstützt. So muss ein bestimmter Anteil der Produkte, die in einer Apotheke verkauften werden, importiert worden sein. „Wir geben den Preisvorteil an den Handel und damit auch an die Verbraucher weiter“, erklärt Prokurist Uwe Kredig.

Mit 1300 verschiedenen Pharmaprodukten handelt die ACA Müller. Diese werden in Gottmadingen umverpackt und bekommen deutsche Beipackzettel oder auch die richtige Packungsgröße. Das Unternehmen hat noch Standorte in Berlin und Oberhausen sowie zwei Tochterunternehmen und beschäftigt rund 270 Mitarbeiter.

Der Reimporte-Markt ist überschaubar

Der Reimporte-Markt ist überschaubar. Die Unternehmen Kohlpharma und Emra-Med bedienen rund fünfzig Prozent der Kunden. Die andere Hälfte teilen sich etwa zehn Firmen. „Aber da sind wir oben mit dabei“, sagt Andy Jauch, der Leiter des Marketings. Da ACA Müller als Hersteller von Medikamenten eingestuft wurde, führt die Arzneimittelbehörde aus Tübingen regelmäßige Kontrollen durch. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte prüft, ob auch  die richtigen Medikamente in der Verpackung stecken.

Im September 2010 gab es einen Wechsel im Vorstand. Auch heute beschäftigen die ACA Müller immer noch die Querelen unter einigen Aktionären und Vorstand. Dennoch schaut Kredig positiv nach vorne: „Wir arbeiten gerade an der Optimierung der Abläufe und planen keine übertriebene Expansion.“ Genaue Zahlen wollte der Prokurist aber nicht nennen.

Großkonzerne haben feste Rabattverträge mit den Krankenkassen abgeschlossen

Probleme und zusätzliche Kosten bereiten der Branche gesetzliche Neuordnungen. Außerdem haben die großen Konzernen feste Rabattverträge mit den Krankenkassen abgeschlossen, um „die Reimporteure vom Arzneimittelmarkt zu verdrängen“, ist sich Marketing-Chef Jauch sicher. So werden die Gewinne kleiner, doch die Geschäftsleitung schaut sich bereits nach anderen lohnenden Feldern um. So könnte sich die Zusammenarbeit mit kleineren Unternehmen lohnen, die an Medikamenten forschen, aber selbst kein Geld haben, diese an den Markt zu bringen. „Das wären Nischenprodukte, die nur für einen kleinen Kreis von Patienten interessant sind“, erläutert Kredig.

Nach dem Eigentümerwechsel ist nun die Gewerkschaft im Haus und hat sich mit der Geschäftsleitung auf einen Tarifvertrag geeinigt. Kredig möchte alle Mitarbeiter fair und gleich bezahlen. Die Konsequenz wäre, dass er nun alle Löhne auf Tarifniveau anhebt. 25 junge Leute machen in dem Betrieb eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Sie will Kredig fördern und ihnen nach dem Abschluss die Möglichkeit geben, „sich so gut wie möglich weiterzubilden.“

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/deutlicher-preisvorteil-fuer-reimportierte-medikamente