zum Inhalt springen
Powered by

"Die Lehre kommt keineswegs zu kurz"

Als einzige kleine Universität hat Konstanz bei der bundesweiten Exzellenzinitiative im vergangenen Herbst hervorragend abgeschnitten. Seither zählt sie zum engen Kreis der so genannten „Eliteuniversitäten“ im Land. Über die praktischen Folgen dieser Auszeichnung für die Studenten sprach die UNI-ZEITUNG mit Prof. Dr. Andreas Marx, dem Sprecher des Fachbereichs Chemie und Leiter der prämierten Graduiertenschule „Chemische Biologie“.

Herr Prof. Dr. Marx, sehen Sie sich als staatlich geförderte Forschungselite?

Prof. Dr. Andreas Marx (links, hier mit Prof. Dr. Martin Scheffner aus dem Fachbereich Biologie) (Foto: Uni-Konstanz)
Von „Elite“ oder „Elite-Universität“ möchte ich nicht sprechen. Tatsache ist, dass wir den Wettbewerb der Exzellenzinitiative gewonnen haben. Darüber freuen wir beteiligten Wissenschaftler uns natürlich sehr. Das haben wir nach der positiven Entscheidung im vergangenen Herbst auch ausgiebig mit knallenden Sektkorken gefeiert. Mich persönlich freut insbesondere, dass unsere Forschungsidee und unser programmatisches Konzept beim Entscheidungsgremium so gut ankamen. Unser hervorragendes Abschneiden im bundesweiten Wettbewerb und die Bewilligung unseres Antrags zeigen, dass wir unser wissenschaftliches Konzept gut durchdacht und unsere Hausaufgaben sorgfältig gemacht haben. Ich denke, Konstanz hat zu Recht gewonnen.

Wie wirkt sich die gewonnene Exzellenzinitiative vor Ort in Konstanz aus?

Die Universität ist internationaler geworden. Mit den Fördergeldern für die Graduiertenschule, immerhin rund eine Million Euro pro Jahr, können wir qualifizierte Wissenschaftler und Spitzenabsolventen aus dem In- und Ausland nach Konstanz holen und hier beschäftigen.

Was hat sich in Ihrem Fachbereich verändert?

Seit Anfang April hat nun die Graduiertenschule „Chemische Biologie“ ihren Betrieb aufgenommen. Dort erforschen 22 wissenschaftliche
Mitarbeiter aus den Disziplinen Chemie und Biologie die molekularen
Grundlagen des Lebens. Die Doktoranden bearbeiten dreijährige
Forschungsprojekte. In gemeinsamen Arbeitsgruppen tauschen sie sich
disziplinübergreifend aus. Dabei ist die Struktur der Graduiertenschule
keineswegs verschult, ganz im Gegenteil: Im Mittelpunkt steht klar die
eigenständige Forschung im Labor.

Viele Studentinnen und Studenten befürchten eine einseitige Förderung der Forschung auf Kosten der Lehre. Was bringt die Graduiertenschule den Studierenden konkret?

In den Laboren der Fachbereiche Biologie und Chemie wird hochkonzentriert gearbeitet (Foto-Uni-Konstanz)
Ich halte es für abstrus, Forschung und Lehre in der öffentlichen Diskussion zu trennen. Beides gehört untrennbar zusammen. Dank der Fördermittel aus der Exzellenzinitiative können wir nun mehr wissenschaftliche Assistenten beschäftigen. Diese betreuen wiederum die Konstanzer Studenten in Arbeitsgruppen, Lehrveranstaltungen und Laborpraktika. Die Lehre kommt also keineswegs zu kurz, sondern wird vielseitiger und tiefgründiger. Natürlich steht die Graduiertenschule auch den Konstanzer Absolventen selbst offen, die nach ihrem Studium hier vor Ort weiterforschen möchten. Insgesamt stärkt sie also den Studienstandort Konstanz.

Die bewilligten Fördergelder sind zeitlich auf fünf Jahre begrenzt. Wie wird es danach mit der Graduiertenschule weitergehen?

Fünf Jahre Förderlaufzeit sind natürlich eine tolle Sache, reichen aber für
den Aufbau effizienter Forschungsstrukturen nicht aus. Die
Graduiertenschule muss sich erst noch einspielen und zusammenwachsen. Allein für fünf Jahre hätte sich auch der enorme Wettbewerbsaufwand nicht gelohnt. Wenn wir aber in diesem Zeitraum erfolgreich forschen und zusammenarbeiten, halte ich eine weitere Verlängerung der Förderung für wahrscheinlich. Persönlich halte ich für die Graduiertenschule einen Förderzeitraum von mindestens 15 Jahren für sehr sinnvoll.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/die-lehre-kommt-keineswegs-zu-kurz