zum Inhalt springen
Powered by

Dreidimensionale Endoskopie weist neue Wege

Das Interdisziplinäre Endoskopie-Zentrum (IEZ) am Universitätsklinikum Heidelberg ist seit September im Besitz einer neuen 3D-Röntgenanlage. Damit können endoskopische Untersuchungen an Gallengangsystem und am Gang der Bauchspeicheldrüse unter gleichzeitiger Röntgenkontrolle präziser als bisher durchgeführt werden. Besonders Patienten mit komplexen Erkrankungen dieser Organe kommt die neue Methode, mit der selbst kleinste Gangstrukturen sichtbar gemacht und mögliche Veränderungen behandelt werden können, zugute. Ein Gerät mit vergleichbaren Eigenschaften, das im Bereich der Endoskopie zum Einsatz kommt, gab es bisher in Baden-Württemberg noch nicht.

Das neue Röntgengerät ermöglicht eine 180 Grad-Rotation um den Patienten und dank einer 3D-Rekonstruktion der gewonnenen Bilddokumente eine präzisere und höher auflösende Darstellung als bisher. Die neue Technologie kommt vor allem bei schwerkranken Patienten mit bösartigen Tumoren oder Metastasen im Bereich von Leber, Gallengängen und der Bauchspeicheldrüse, die mit einer Abflussstörung der Verdauungssäfte einhergehen, zum Einsatz sowie vor oder nach Operationen. Auch chronisch-entzündliche Lebererkrankungen, die zu einer narbigen Verhärtung und Verengung der Gallenwege führen, können besser entdeckt und sicherer therapiert werden.

Schneller und schonender Eingriff für den Patient

"Mit Hilfe des neuen Geräts lässt sich der Eingriff für den Patienten schneller, schonender und präziser als bisher durchführen", erklärt Privatdozent Dr. Peter Sauer, gastroenterologischer Leiter des IEZ. Patienten profitieren weiterhin von einer geringeren Strahlenbelastung, Mitarbeiter zusätzlich von einer besseren Bedienbarkeit. "Insgesamt erhöhen sich die diagnostische Qualität und therapeutische Sicherheit deutlich", weiß Viszeralchirurgin Dr. Anja Schaible, die das Zentrum zusammen mit PD Dr. Peter Sauer leitet.

Die 3D-Anlage kommt u.a. bei der ERCP ("endokopisch retrograde cholangio-pancreaticographie") zum Einsatz. Bei dieser Untersuchung führt der Mediziner dem Patienten über Mund, Speiseröhre und Magen das Endoskop - ein biegsamer Schlauch, mit dem man in Hohlräume des menschlichen Körpers blicken kann - bis in den Zwölffingerdarm. In ihn münden über eine kleine Öffnung der Hauptgallengang und der Gang der Bauchspeicheldrüse. Über einen winzigen Katheter injiziert der Arzt Kontrastmittel, wodurch die Gänge auf einer Röntgenaufnahme sichtbar werden. Diese lassen sich dann wiederum dreidimensional darstellen.

Endoskopie-Zentrum wegweisend für Deutschland

Im Interdisziplinären Endoskopie-Zentrum, das im August 2011 sein 5-jähriges Bestehen feierte, werden im Jahr etwa 10.700 endoskopische Eingriffe durchgeführt. Dazu gehören neben den Untersuchungen an Galle und Bauchspeicheldrüse auch Spiegelungen von Speiseröhre, Magen, Dünn- und Dickdarm. Der interdisziplinäre Charakter des IEZ -neben einem hochqualifizierten Pflegeteam arbeiten hier vier Mediziner aus Gastroenterologie und Chirurgie in einem "Kernteam", weitere Ober- und Assistenzärzte sowie ein eigener Anästhesist Hand in Hand - ist wegweisend für Deutschland.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/dreidimensionale-endoskopie-weist-neue-wege