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Einsatz und Endlichkeit nachwachsender Rohstoffe

Nutzpflanzen als Energiepflanzen, chemische Produkte aus Biomasse, globale Veränderungen durch die Biomasse-Verwertung und noch viele weitere brandaktuelle Aspekte rund um das Thema nachwachsende Rohstoffe wurden im Open-Space-Workshop "Einsatz und Endlichkeit nachwachsender Rohstoffe" diskutiert. Ort des Geschehens war die Veranstaltung "Biotechnologie zum Anfassen" der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH am 26. Juni in Stuttgart.

Der Wettlauf um die Biomasse nimmt Gestalt an. Sowohl die Energiewirtschaft als auch die Lebensmittel- und die Chemieindustrie umwerben die nachwachsenden Rohstoffe. Denn Öl als Rohstoff wird knapp und teuer. Dieses Spannungsfeld Energie/Chemie/Nahrungsmittel wurde im Open-Space-Workshop relativ schnell als Problempunkt identifiziert.
In einem Diagramm wird die Dreiecksbeziehung zwischen Energie, Chemie und Nahrungsmittel in Bezug auf die Biomasse dargestellt.
Energiewirtschaft, Lebensmittel- und Chemieindustrie umwerben die nachwachsenden Rohstoffe. (Abbildung: BIOPRO/mfg)

Eingriffe in das Gesamtgefüge und die Technologiefolgenabschätzung

Ein weiterer Aspekt kam in die Diskussion durch die Frage "Wie verändert sich das Gefüge auf der Welt durch Verwertung von Biomasse". Ebenso tauchte die Überlegung auf, ob die Biotechnologie schuld sei an eventuellen negativen gesellschaftlichen Entwicklungen. Gefordert wurde eine Technologiefolgenabschätzung, das heißt eine Beobachtung wohin die Entwicklung geht inklusive Abschätzung der gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen. Dabei stellten Diskussionsteilnehmer die Frage, ob jetzt eine Weichenstellung erfolgen müsse, damit alle einen Nutzen davon haben.

Regelung durch Politik oder freies Spiel der Wirtschaft

Damit kam die Politik ins Spiel. Schafft die Politik falsche Anreizsysteme? Greift sie zu stark in das Wirtschaftsgefüge ein? Die Statements dazu lauteten zum Beispiel: "Mehr freies Spiel der Wirtschaft", "Politik soll den Einsatz der Biotechnologie regeln", Biogasanlagen sind per se in Ordnung, nur sollten sie nicht kommerzialisiert werden".
Eindeutig wurde im Open-Space-Workshop der Biotechnologie eine zentrale Rolle zugeordnet. Doch wie lässt sich das Spannungsfeld Chemie, Energie, Nahrungsmittel auflösen. Ein vielfach mit Interesse aufgenommener Vorschlag lautete: Zuerst sollte die Biomasse in Chemie und Nahrungsmittelindustrie eingespeist werden, danach könnte die Energiesparte die weitere stoffliche Verwertung übernehmen.
In einem Diagramm sind die zwei möglichen Wege der Biomasse, ein Mal über die Chemie zur Energie und ein Mal über die Nahrungsmittel zur Energie dargestellt.
© Fleischmann-Greißing/BIOPRO

Biomasseproduktion limitiert durch Wasserressourcen

Aber auch die Biomasseproduktion ist limitiert. Begrenzender Faktor hierbei ist vor allem das Wasser, das ebenso wie Erdöl knapp zu werden droht. Zum Stichpunkt Wasser kam in der Open-Space-Runde die Assoziation zu "Biomasse aus dem Wasser" auf. Denn Wasser bietet mehr Biomasse als das Land, doch wie kann dies nutzbar gemacht werden und was bedeutet das für verschiedene Stoffkreisläufe und Gleichgewichte. Weitere Ideen wie Algen und Mikroorganismen zur Energiegewinnung wurden zur Diskussion gestellt. Diese Quellen seien aber zumindest bisher wegen zu geringer Effizienz noch nicht sehr erfolgversprechend.

Gesamtverantwortung in der Hand der Biotechnologen

Kernkraft ist langfristig nötig, um das Energieproblem zu lösen, lautete ein Statement. Das Problem hierbei ist allerdings nach wie vor die Endlagerung. Auch die Möglichkeit Energie zu sparen wurde als Lösungsansatz gesehen. Kritisiert wurde, dass bei Ökobilanzen häufig falsche Bilanzräume betrachtet würden. Deswegen wurde gefordert, die Themen Energie- und Ökobilanzen vermehrt in die Lehre mit aufzunehmen und Nachhaltigkeit zu vermitteln. Ein Kernsatz dazu lautete: "Die Nachhaltigkeitsthematik müsste die Biotechnologie viel stärker begleiten, um marktfähig zu sein." In der Biotechnologie sollte also analog zum Wirtschaftsingenieur ein neues Profil geschaffen werden. Bereits umgesetzt würde dies in Freiburg in dem neuen Studiengang "Energiemanagement".

Energie und Chemie brauchen wir wie das tägliche Brot. Deswegen lautete eine zentrale Forderung, die Biotechnologen sollten sich der Gesamtverantwortung stellen.

mfg - 02.07.08
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Open Space (englisch für „geöffneter Raum“) oder Open Space Technology ist eine Methode zur Strukturierung von Besprechungen und Konferenzen. Open Space schafft einen Raum, in dem viele Menschen selbstorganisiert und selbstverantwortlich ihre Anliegen gemeinschaftlich bearbeiten können. Es gibt keine vorgegebenen einzelnen Themen. Jeder kann ein Anliegen, das ihm besonders am Herzen liegt, vorantreiben. Das können komplexe und dringliche gemeinsame, aber auch persönliche Fragen und Themen sein. Sie werden erst zu Beginn der Veranstaltung formuliert.
Im Open Space gibt es vier Prinzipien:
1. Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute - einer oder 25 ist egal, und jeder ist wichtig und motiviert. 2. Was auch immer geschieht, es ist okay - Ungeplantes und Unerwartetes ist oft kreativ und nützlich. 3. Es beginnt, wenn die Zeit reif ist - wichtig ist die Energie (nicht die Pünktlichkeit). 4. Vorbei ist vorbei - Nicht vorbei ist Nicht-vorbei - wenn die Energie zu Ende ist, ist die Zeit um.
Und ein Gesetz: Das Gesetz der zwei Füße
Das „Gesetz der zwei Füße“ ist Ausdruck der Freiheit und Selbstverantwortung: der Teilnehmer bleibt nur so lange in einer Gruppe, wie er es für sinnvoll erachtet, also so lange, wie er etwas lernen und/oder beitragen kann. (Quelle: wikipedia)
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/einsatz-und-endlichkeit-nachwachsender-rohstoffe