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Empfehlungen für die Arbeit mit hochpathogenen Mikroorganismen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat Empfehlungen für die Arbeit mit hochpathogenen Mikroorganismen und Toxinen vorgelegt. Ein entsprechender „Verhaltenskodex“ wurde nun vom DFG-Präsidium beschlossen.

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Der Kodex steht insbesondere vor dem Hintergrund der so genannten „Dual-Use-Problematik“, also einer möglichen „doppelten Verwertung“ wissenschaftlicher Erkenntnisse: Einerseits werden Forschungsarbeiten an hochpathogenen Mikroorganismen und Toxinen immer wichtiger – sowohl für die Grundlagenforschung als auch für die Entwicklung neuer Diagnostika, Therapeutika und Impfstoffe sowie für Schutzmaßnahmen gegen mögliche bioterroristische Attacken. Andererseits besteht die Gefahr, dass Ergebnisse solcher Forschungsarbeiten für die Entwicklung von Biowaffen verwendet werden können. Deshalb will die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den von ihr geförderten Projekten, aber auch die Gutachterinnen und Gutachter sowie die Entscheidungsgremien in den Begutachtungsverfahren noch stärker für diese sensitive Thematik sensibilisieren.

Sicherheit der Bevölkerung oberste Priorität

Angelehnt an internationale Standards, die von Fachgesellschaften und Wissenschaftsförderern in den USA und Großbritannien erarbeitet wurden, führen die Empfehlungen zunächst jene Arbeiten auf, die im Hinblick auf die „Dual-Use-Problematik“ besonders relevant sind. Forschungsarbeiten auf diesen Gebieten sind nach Ansicht der DFG weiterhin notwendig und sollen auch künftig im Rahmen der DFG-Programme gefördert werden. Dabei sollte eine mögliche „doppelte Verwertung“ wissenschaftlicher Erkenntnisse jedoch bereits in den Förderanträgen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausführlich thematisiert werden, heißt es in den Empfehlungen. Auch die Gutachter und Fachkollegien sollten sich intensiv mit dieser Frage befassen und gegebenenfalls in ihren Förderempfehlungen konkrete Vorschläge für den Umgang mit den jeweiligen hochpathogenen Mikroorganismen und Toxinen machen. Eine besondere Verantwortung kommt nach Ansicht der DFG schließlich den Hochschulen und außeruniversitären Forschungsinstitutionen sowie den Fachgesellschaften und Wissenschaftsakademien zu; sie sollten die Thematik im Rahmen ihrer eigenen Tätigkeit, durch Seminare und andere Veranstaltungen für Studierende und Forschende sowie durch „best practice“-Beispiele behandeln.

Beim Umgang mit hochpathogenen Mikroorganismen und Toxinen hat aus Sicht der DFG die Sicherheit der Bevölkerung stets oberste Priorität. Sowohl auf nationaler (Gentechnikgesetz, Infektionsschutzgesetz) als auch auf internationaler Ebene sind die Sicherheitsaspekte für entsprechende Laborarbeiten ausführlich geregelt. Die DFG weist jedoch darauf hin, dass der Freiheit der Forschung hohe Bedeutung zukommt. Dies gilt auch für die Veröffentlichung der einschlägigen Forschungsergebnisse sowie den Austausch von Materialien; beides muss unter Berücksichtigung nationaler und internationaler Regularien weiter uneingeschränkt möglich sein.

Quelle: DFG - 25.04.08
Weitere Informationen:
Dr. Andreas Strecker
Deutsche Forschungsgemeinschaft
Gruppe Lebenswissenschaften 2
Tel.: +49 228 885-2530
E-Mail: Andreas.Strecker@dfg.de
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/empfehlungen-fuer-die-arbeit-mit-hochpathogenen-mikroorganismen