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Erhöhter Blutdruck durch Passivrauchen schon bei Vorschulkindern

Passivrauchen erhöht nicht nur die Gefahr, an Krebs zu erkranken, sondern kann auch zu einem schädlichen Bluthochdruck führen, und zwar schon bei Kindern im Vorschulalter, wie durch eine große neue Heidelberger Studie belegt wird.

Dass nicht nur aktive Raucher, sondern auch Personen, die passiv Tabakrauch einatmen, ein stark erhöhtes Risiko für Lungenkrebs und andere Krebsarten, für Krankheiten der Blutgefäße und chronische Atemwegerkrankungen haben, steht außer Frage (siehe BIOPRO-Artikel vom 13.01.2011: „Die selbst verschuldete Epidemie“). Dennoch ist das Ergebnis einer Studie, die vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg zusammen mit dem Gesundheitsamt Rhein-Neckar durchgeführt und jetzt in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift „Circulation“ veröffentlicht worden ist, alarmierend: Schon bei Vorschulkindern, die in ihrer Atemluft dem Tabakrauch passiv ausgesetzt sind, findet man häufig einen gesundheitsgefährdenden erhöhten Blutdruck.

Rund 4.000 fünf- bis sechsjährige Kinder aus Heidelberg und der Rhein-Neckar-Region nahmen an der Studie teil. © Universitätsklinikum Heidelberg

Für die Studie wurde die reguläre Einschulungsuntersuchung durch das Gesundheitsamt in den Kindergärten erweitert: Bei insgesamt 4.236 fünf- bis sechsjährigen Mädchen und Jungen in Heidelberg und der Rhein-Neckar-Region wurde von Februar 2007 bis Oktober 2008 zusätzlich der Blutdruck gemessen. „Mit dieser Studie haben wir erstmals gezeigt, dass Passivrauchen bei Kindern den Blutdruck deutlich ansteigen lässt", erklärte Professor Dr. Georg Hoffmann, Geschäftsführender Direktor des Heidelberger Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin, bei einer Pressekonferenz am 10. Januar 2011 in der Angelika-Lautenschläger-Kinderklinik des Universitätsklinikums Heidelberg. Bislang war vor allem der schädliche Effekt auf die Lunge bekannt. Hoher Blutdruck bei Kindern kann bis ins Erwachsenenalter persistieren. Er ist dann einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Risiko für Bluthochdruck um 21 Prozent erhöht

Das Ergebnis der Studie im Detail: Kinder, die zu Hause dem Zigarettenrauch ihrer Eltern ausgesetzt waren, hatten ein um 21 Prozent erhöhtes Risiko für einen hohen Blutdruck. Von erhöhtem Blutdruck (Hypertonie) spricht man bei Fünfjährigen bereits, wenn der Blutdruck im Mittel über einem Wert von 111 / 72 mmHg liegt. Bei 28,5 Prozent der Kinder rauchten die Väter, bei 20,7 Prozent die Mütter und bei 11,9 Prozent beide Eltern. Vor allem das Rauchen der Mütter beeinflusste den Blutdruck negativ, vermutlich weil sie eher zu Hause rauchen als die Väter, die bevorzugt am Arbeitsplatz zur Zigarette greifen.

Bekannte Risikofaktoren für Bluthochdruck bei Kindern sind Übergewicht, niedriges Geburtsgewicht sowie Bluthochdruck bei den Eltern. Passivrauchen stellt, wie die Studie jetzt aufdeckte, ein wichtiges zusätzliches, unabhängiges Risiko dar.

Passivrauchen stimuliert Hormone und schädigt Blutgefäße

Wie kommt es, dass Passivrauchen den Blutdruck steigen lässt? „Tabakrauch hat vielfältige Effekte auf die Blutgefäße“, erklärt Privatdozentin Dr. Elke Wühl, Oberärztin am Heidelberger Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin. So komme es zu einem Anstieg der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin und einer Abnahme des Wirkstoffs Stickoxid in der Gefäßwand, der diese erweitert. Außerdem wird die Innenwand der Blutgefäße durch Tabakrauch dicker und verliert an Elastizität.

Die Heidelberger Kinderärzte warnen Eltern davor, ihre Kinder Tabakrauch auszusetzen, da dies langfristige schädliche Folgen haben könne. Wichtig sei zudem, weitere Risikofaktoren wie Übergewicht zu reduzieren.

Die Heidelberger Studie wurde von der Manfred-Lautenschläger Stiftung, der Reimann-Dubbers-Stiftung, der Dietmar-Hopp-Stiftung und der Schweizerischen Hypertonie Gesellschaft unterstützt. Autoren der Studie sind Dr. Giacomo D. Simonetti (jetzt Kinderklinik des Universitätsspitals Bern; zuvor Heidelberg) zusammen mit Privatdozentin Dr. Elke Wühl, Professor Dr. Georg Hoffmann, Professor Dr. Franz Schaefer, (Leiter der Sektion Pädiatrische Nephrologie im Heidelberger Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin) sowie Dr. Rainer Schwertz und Dr. Martin Klett vom Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/erhoehter-blutdruck-durch-passivrauchen-schon-bei-vorschulkindern