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Fasten gegen Krebs?

Fasten ist Gift für Krebszellen, wie Forscher aus USA und Frankreich im Tierversuch herausfanden. Der Zellbiologe und Biogerentologe Valter Longo von der University of South California stellte dieses Ergebnis seiner Forschung an krebskranken Mäusen in der Überlinger Buchinger-Klinik vor. Die Klinik setzt schon lange auf das Fasten zur Bekämpfung von Krankheiten.

Raimund Wilhelmi und Dr. Françoise Wilhelmi de Toledo leiten die Buchinger-Klinik in Überlingen. © Lauterwasser

Fasten – also das Streichen der Nahrung für einen bestimmten Zeitraum – gilt bislang bei Krebspatienten als absolut kontraindiziert. Krebsbehandlungen, egal ob Chemo- oder Strahlentherapie, sind anstrengend und verlangen den Patienten alles ab. Da könne man dem Körper nicht noch die Nährstoffzufuhr abschneiden, so die Begründung.

Offenbar gibt es jetzt aber erste Hinweise darauf, dass Fasten bei Krebszellen günstige Wirkungen auslöst. Valter Longo, Biogerentologe und Zellbiologe an der University of South California (USC), beobachtete bei Tierversuchen mit an Krebs erkrankten Mäusen, die zeitweilige Fastenphasen einlegten, dass diese länger lebten und die Tumore deutlich weniger wuchsen als bei Tieren, die nicht fasteten und nur eine hochdosierte Chemotherapie bekamen. „Fasten ist ein Albtraum für die Krebszelle“, so Longo bei der exklusiven Vorstellung der Ergebnisse für Europa in der Buchinger-Klinik in Überlingen. Dort ist man schon lange von der gesundheitsfördernden Wirkung des Fastens überzeugt. Zu den Krankheiten, bei denen man es in Überlingen einsetzt, gehören Rheuma, Allergien und Asthma sowie Diabetes II. „Fasten hat seinen Platz in der Therapie“, ist die ärztliche Leiterin Francoise Wilhelmi de Toledo überzeugt.

Doch wie genau könnte das Fasten der Krebszelle schaden? Fasten scheint Einfluss auf die Zelle auf der genetischen Ebene zu haben, vermutet Longo. Gesunde Körperzellen verfielen im Fasten in eine Art Schutzprogramm. Krebszellen hingegen hätten dieses Schutzprogramm nicht. Weil sie sich sehr schnell teilen, seien sie extrem nährstoffhungrig und reagierten deshalb stark auf den Nährstoffentzug durch das Fasten. Das mache sie anfälliger für die Chemotherapie, folgert Longo. Der Wissenschaftler forschte bei seinen Tierversuchen an Mäusen, die an unterschiedlichen Krebsarten litten, so Brustkrebs, Hautkrebs sowie an Neuroblastomen. Die Ergebnisse seien „sehr ermutigend“.

Übertragbarkeit auf den Menschen wird geprüft

Was noch aussteht, ist eine Nachprüfung in größerem Stil an menschlichen Patienten. Bislang erprobten zehn Krebspatienten das Fasten am eigenen Leibe. Und derzeit läuft eine Studie mit 100 Patienten. Bislang habe es keine größeren Nebenwirkungen gegeben, so Longo. Endgültige Ergebnisse, ob ihnen das Fasten nützt, stehen aber noch aus, ebenso größere Studien an menschlichen Patienten. Bislang ist die Phase I der Forschungen abgeschlossen. Bis ein Medikament oder eine Therapie zugelassen wird, sind aber drei Phasen notwendig. „Wir haben nichts Klinisches, um Patienten große Versprechen zu machen“, erklärte der Basler Internist Walter Bühler von der Maria-Buchinger-Stiftung. Mit diesen ersten Hinweisen sollte man daher sehr vorsichtig umgehen.

Auf keinen Fall sollten Krebspatienten auf eigene Faust mit dem Fasten beginnen. „Gehen Sie zu Ihrem Onkologen und fragen Sie ihn“, so Valter Longo. Er hofft darauf, dass die Chemotherapie mit begleitenden Fastenphasen besser verträglich werde und vielleicht sogar in der Dosis reduziert werden könnte. Denn viele Chemotherapeutika schädigen andere Organe im Körper. Für Patienten, die keine anderen Wahlmöglichkeiten mehr hätten und bei denen die Situation ernst sei, könne das Fasten eine Überlegung wert sein. Aber auch er betonte: „Niemand sagt, dass das Fasten eine Medizin oder eine Heilmethode ist.“ Vermutet, aber noch nicht erhärtet wurde eine schützende Wirkung von Fasten gegen Krebs. Die heutige Ernährung sei für die Menschen viel zu üppig, Menschen für einen dauerhaft reich gefüllten Kühlschrank nicht geschaffen. Dazu fehle vielen die Bewegung. „Wir schaffen über die Nahrung eine Umgebung, in der sich Krebszellen wohlfühlen“, so Klinik-Chef Raimund Wilhelmi. Gelegentliche Fastenphasen irritierten die entarteten Zellen und machten ihnen Mutationen schwer.

Welche möglichen Therapieansätze sich aus den Funden von Valter Longo ableiten lassen, ist derzeit schwer zu sagen. Am wahrscheinlichsten ist es, dass Onkologen Fasten – falls Studien den Erfolg bestätigen – als adjuvante (unterstützende) Therapie mit einbeziehen. Falls das Fasten Tumore auch schrumpfen ließe, könne es sein, dass dadurch Tumore operabel werden, bei denen das bislang nicht möglich war, hofft Longo. Denkbar wäre, dass weitere Studien – eventuell unter Unterstützung der Maria-Buchinger-Stiftung – Hinweise dazu erbringen können, wie lang eine Fastenperiode für Krebskranke sein sollte, um nützliche Effekte zu haben. All das ist derzeit noch unerforscht.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/fasten-gegen-krebs