zum Inhalt springen
Powered by

Folgenreicher Ausflug in die Kariesdiagnostik

Volker Rasche, Physiker in der Inneren Medizin des Universitätsklinikums Ulm, ist beim akademischen Jahrestag der Ulmer Universität mit dem Kooperationspreis Wissenschaft-Wirtschaft der Universität ausgezeichnet worden.

Die mit 4.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt seine Zusammenarbeit mit dem Bensheimer Unternehmen Sirona Dental Systems GmbH bei der Untersuchung der klinischen Relevanz der Magnetresonanztomographie (MRT) für dentale Anwendungen, besonders die Detektion von kariösen Läsionen.

Bessere Diagnostik, weniger Strahlen

Dieses bildgebende Verfahren eignet sich aber auch, um akute von chronischen Entzündungen zu unterscheiden sowie zur Analyse von Kiefergelenksbewegungen. Ein großer Vorteil für die Patienten besteht nach Mitteilung der Universität darin, dass das MRT verglichen mit der Röntgendiagnostik eine deutlich reduzierte Strahlenbelastung aufweise.

„Mittelfristiges Ziel ist nun die Entwicklung eines Prototyps für dentale Anwendungen“, sagt der 47-jährige Wissenschaftler, der im klinischen Alltag eigentlich spezialisiert ist auf Forschungsaufgaben im Zusammenhang mit der Koronar- und Herzbildgebung. Rasches Ausflug in die Zahnmedizin sei zwar eher dem Zufall geschuldet gewesen. Aber „die Anforderungen bei der Darstellung von Zähnen, vor allem der hier enthaltenen Mineralien, ist vergleichbar jenen bei kalzifizierten Gefäßen, für die wir eine spezielle Technologie entwickelt haben“, sagt der Preisträger.

Ziel: ein weltweit einzigartiger MRT-Prototyp

Der MRT-Prototyp für die Zahnmedizin wäre nach Rasches Worten „ein weltweit einzigartiges Produkt“ und auch ein bemerkenswerter Erfolg für das beteiligte Unternehmen Sirona, das als Technologieführer der Dentalindustrie gelte. Die im hessischen Bensheim ansässige Firma ist 1997 aus der Siemens AG hervorgegangen und mit rund 2.400 Mitarbeitern dem Vernehmen nach Weltmarktführerin in der Zahnmedizintechnik. In die 2007 begonnene Kooperation mit dem Ulmer Physiker sind bisher Forschungsmittel im sechsstelligen Bereich geflossen.

Klinische Studie macht Hoffnung

Mit Magnetresonanztomographie (MRT) lassen sich kariöse Veränderungen in Zähnen mit hoher Sensitivität analysieren. Das hat eine klinische Studie an der Universität Ulm belegt. © Uni Ulm

Anlass zur Hoffnung auf ein Dental-MRT gibt Rasches Worten zufolge eine klinischen Studie mit 50 Patienten. Sie wurde vor Ort in Zusammenarbeit mit Bernd Haller, Ärztlicher Direktor der Uni-Klinik für Zahnerhaltungskunde und Paradontologie, durchgeführt. „Wir konnten dabei zeigen, dass die Detektion von kariösen Veränderungen in den Zähnen mittels der MRT mit hoher Sensitivität erfolgen kann", berichtet Volker Rasche.

Insbesondere sei belegt worden, dass in vielen Fällen problematische Diagnosen wie zum Beispiel Sekundärkaries, das heißt kariöse Schädigungen unter Füllungen, mit dem neuen Verfahren besser diagnostizierbar seien als mit den herkömmlichen klinischen Methoden. Gleiches gelte für okkulte Karies, Schäden ohne Einbruch des Zahnschmelzes. Nicht zuletzt könne die Dimension der Läsion mit dem bildgebenden Verfahren MRT präziser bestimmt werden.

Weitere diagnostische Anwendungen in der Kieferorthopädie hält Volker Rasche für „durchaus denkbar". Er ist seit 2005 Professor für kardiovaskuläre MRT in Ulm, war zuvor neben Lehraufgaben an verschiedenen Universitäten mit Leitungsfunktionen in der Industrieforschung betraut, zuletzt am renommierten Massachusetts General Hospital in Boston/USA. 

Noch stehen die Kosten dagegen

Die Vorteile der dentalen MRT-Technologie, die inzwischen auch auf internationalen Konferenzen vorgestellt, in Fachzeitschriften publiziert und durch mehrere internationale Patentanmeldungen geschützt sind, seien unbestritten, sagt Volker Rasche. Allerdings sind, so Rasche, die Kosten der MRT momentan der „limitierende Faktor“.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/folgenreicher-ausflug-in-die-kariesdiagnostik