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Forscher entdecken Rauchergen

Wissenschaftler einer von der EU geförderten Arbeitsgemeinschaft haben herausgefunden, dass eine Mutation eines menschlichen Gens zu Nikotinabhängigkeit führt. Die Ergebnisse entstammen dem europäischen Projekt GENADDICT (Genomik, Mechanismen und Behandlung von Sucht), das aus Mitteln des 6. EU-Forschungsrahmenprogramms und des U.S. National Institutes of Health mit insgesamt 8,1 Mio. EUR unterstützt wird.

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Nikotinabhängigkeit gilt als der Hauptgrund dafür, dass es Rauchern so schwerfällt, das Rauchen aufzugeben. GENADDICT hat sich das Ziel gesetzt, die Gene zu identifizieren, die bei dieser und bei anderen Formen der Sucht beteiligt sind, indem es die Arbeit der führenden europäischen öffentlichen und privaten Forschungseinrichtungen zusammenführt. Es ist ein integriertes multidisziplinäres Projekt, das die humangenetische Forschung bei Suchtpatienten mit genomischen Untersuchungen bei Mäusen verbindet.

Genvariante beeinflusst Rauchverhalten

In den Untersuchungen hat sich gezeigt, dass sich eine bestimmte Variante eines Gens, das als Nikotinrezeptor funktioniert, auf das Rauchverhalten auswirkt, was wiederum das Lungenkrebsrisiko um 30 Prozent und die Gefahr, an der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (einer Verengung der Gefäße in den Beinen, auch als „Raucherbein“ bekannt) zu erkranken, um 20 Prozent erhöht. Etwa die Hälfte der Menschen europäischer Abstammung verfügt über mindestens eine Kopie dieser genetischen Variante, die zwar keinen Einfluss darauf hat, ob die Person anfängt zu rauchen, das Aufhören jedoch erschwert.
Die Mutation, die die Nikotinabhängigkeit beeinflusst, findet sich auf dem Chromosom 15q24 und beeinflusst einen Nikotin-Acetylcholinrezeptor im Gehirn. Eine Untersuchung von 11.000 isländischen Rauchern, die an der Studie teilgenommen haben, hat ergeben, dass diese Mutation bei starken Rauchern weiter verbreitet ist als bei Rauchern im Allgemeinen und in der Gesamtbevölkerung. Somit wurde auch eine Verbindung hergestellt zwischen dieser Mutation und der klinischen Wahrscheinlichkeit einer Nikotinabhängigkeit. Vergleiche zwischen Rauchern und früheren Rauchern haben gezeigt, dass Menschen mit dieser Variante dazu neigen, immer mehr zu rauchen, und dass ihnen dass Aufhören schwerer fällt.

Meilenstein für die Suchtforschung

Die Ergebnisse gelten als Meilenstein für die Identifizierung genetischer Risikofaktoren und der Gene, die an Suchterkrankungen beteiligt sind. GENADDICT führt bei der Identifizierung der für diese und andere Suchterkrankungen verantwortlichen Gene die Arbeit von führenden öffentlichen und privaten Forschungseinrichtungen in Europa zusammen. In dem Projekt arbeiten zwölf Arbeitsgruppen aus sieben europäischen Ländern. Die beteiligte deutsche Arbeitsgruppe gehört der Organisation "Life&Brain GmbH" an.

Quelle: EU-Kommission - 03.04.08
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/forscher-entdecken-rauchergen