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Forscherpreis für zwei Freiburger Kardiologen

Mit dem renommierten Andreas-Grüntzig-Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. werden in diesem Jahr Professor Dr. Dr. Manfred Zehender, Leitender Oberarzt der Kardiologie, und Privatdozent Dr. Marc Kollum, Oberarzt der Kardiologie des Universitätsklinikums Freiburg ausgezeichnet. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert. Mit ihm werden herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der interventionellen Herzkathetertherapie gewürdigt. Die Verleihung fand in Mannheim statt.

Prof. Dr. Dr. Manfred Zehender © Universitätsklinikum Freiburg

Die beiden Kardiologen des Universitätsklinikums Freiburg erhalten in diesem Jahr den Preis für neue Behandlungsansätze zur Optimierung Medikamente-freisetzender Stents in der Behandlung der koronaren Herzerkrankung. Medikamente freisetzende Stents sind als Therapieprinzip in der Behandlung der koronaren Herzerkrankung etabliert. Alle bisher durchgeführten Studien auf diesem Gebiet nutzten interindividuelle Vergleichsansätze mit großen Patientenkollektiven und dem Ziel, den besten, für alle Gruppen gültigen Therapieansatz zu identifizieren. Das Studiendesign ist sinnvoll, um die generelle Überlegenheit einer Stenttechnologie zu testen. Jedoch bleibt die Frage offen, ob alle Patientinnen und Patienten im gleichen Maße von dem so evaluiert „besten“ Koronarstent wirklich profitieren.

Möglicherweise bietet ein über das ganze Kollektiv betrachteter unterlegener Stent für einen individuellen Patienten weitaus größere Vorteile. Die nun an insgesamt fünf Universitätsklinika unter Leitung der Freiburger Arbeitsgruppe durchgeführte „FREiburgRACE Studie“ geht erstmals dieser Frage nach. Sie wählt mit dem intraindividuell vergleichenden Studiendesign einen neuen Ansatz und liefert erstmals Daten, die darauf hinweisen, dass eine zunehmende Differenzierung der Stent-Technologie zum Wohle der einzelnen Patienten weitaus besser genutzt werden kann.

Im Rahmen der randomisierten Studie wurde die Fragestellung untersucht,
ob es einen einzigen Medikamente freisetzenden Stent mit dem besten Nutzen-Risiko-Verhältnis für alle Patientinnen und Patienten geben kann, oder ob bei der Auswahl des entsprechenden Stenttyps individuelle Kriterien berücksichtigt werden müssen. Hierzu wurden die Patientinnen und Patienten im intraindividuellen Vergleich, also mit zwei unterschiedlichen Medikamente freisetzenden Stents, in ihren unterschiedlichen Herzkranzgefäßen behandelt und zwölf Monate lang beobachtet.

PD Dr. Marc Kollum © Universitätsklinikum Freiburg

„Die FREiburgRACE Studie bestätigt experimentelle Ansätze, die davon ausgehen, dass individuelle Heilung und Verträglichkeit moderner Stenttechnologie von Patient zu Patient unterschiedlich sein können“,
berichtet Privatdozent Dr. Marc Kollum. „Darüber hinaus zeigt sie, dass das, was der Mehrheit von Patienten nutzt, nicht für jeden Patienten gilt. Im Gegenteil: Die in der allgemeinen Tendenz unterlegenen Koronarstents
können bei entsprechender individueller Auswahl für den einzelnen Patienten deutlich überlegene Ergebnisse erbringen. Das heißt, weniger Wiedereinengung von Gefäßstenosen, weniger Angina pectoris, weniger
Herzinfarkte und weniger Bypassoperationen.“

„Dies ist ein neuer Ansatz, der der modernen Stenttherapie mit ihrer zunehmenden Anzahl technologisch unterschiedlicher Ansätze ganz neue
Therapieoptionen eröffnet“, so Prof. Dr. Dr. Zehender. „Ziel muss es nun sein, den jeweils besten Stent mit dem besten Nutzen-Risiko-Profil für den individuellen Patienten auszuwählen. Die FREiburgRACE Studie hat hierzu die zukunftsweisende Grundlage geschaffen.“

Nicht zuletzt zeigte sich, dass intraindividuelle Vergleichsansätze für die Behandelten genauso zuverlässig und aussagekräftig sind wie große interindividuelle Studien mit zehnmal so vielen Teilnehmenden.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/forscherpreis-fuer-zwei-freiburger-kardiologen