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Forschungspreis für Studien zur genetischen Anfälligkeit der Alkoholabhängigkeit

Im September erhielten Professor Manfred Laucht und Dr. Jens Treutlein vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim den bekannten Wilhelm Feuerlein Forschungspreis 2010. Den renommierten Preis erhielten die beiden Wissenschaftler zu gleichen Teilen für ihre Forschungsarbeiten zum Thema genetische Anfälligkeit, Trinkverhalten und Alkoholabhängigkeit. Der Preis ist mit jeweils 4.000 Euro dotiert und wurde im Rahmen des Deutschen Suchtkongresses in Tübingen überreicht.

Als einer von insgesamt zwei Preisträgern am ZI erhielten Professor Manfred Laucht, Wissenschaftler und Leiter der Arbeitsgruppe Neuropsychologie des Kindes- und Jugendalters (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters) und seine Mitarbeiter im September den bekannten Wilhelm Feuerlein Forschungspreis 2010. Die zweiten Preisträger sind Dr. Jens Treutlein, Professor Sven Cichon (Universität Bonn) und Privatdozentin Monika Ridinger (Universität Regensburg) als gleichberechtigte Erstautoren der prämierten wissenschaftlichen Publikation und als Repräsentanten aller Autoren, die die wissenschaftliche Studie durchgeführt und publiziert haben. Jens Treutlein ist ebenfalls Wissenschaftler am ZI und in der Abteilung Genetische Epidemiologie in der Psychiatrie (Leiterin Professor Marcella Rietschel) tätig.

Die wissenschaftliche Arbeit „Impact of psychosocial adversity on alcohol intake in young adults: Moderation by the LL genotype of the serotonin transporter polymorphism” von Professor Laucht und seiner Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Rolle von Gen-Umwelt-Interaktionen in der Ausprägung des Alkoholkonsums von jungen Erwachsenen. Sie zeigt, wie der Zusammenhang zwischen Stressbelastung und Trinkverhalten durch genetische Faktoren beeinflusst wird. Danach weisen 19-Jährige, die vermehrt psychosozial belastenden Erfahrungen ausgesetzt waren, nur dann einen riskanten Alkoholkonsum auf, wenn sie Träger einer genetischen Variante sind, die mit einer verminderten Aktivität des Neurotransmitters Serotonin einhergeht.

Bei der zweiten prämierten wissenschaftlichen Arbeit von Dr. Treutlein „Genome-wide association study of alcohol dependence“ handelt es sich um die erste, auf individuellen Genotypen - d.h. auf der genetischen Konstitution jedes Individuums - basierende, genomweite Assoziationsuntersuchung zur Alkoholabhängigkeit. Bei dieser Methode wird die DNA jedes an der Studie teilnehmenden Individuums isoliert und dessen Genotypen einzeln bestimmt. Im Gegensatz zu Untersuchungen, bei denen die DNA aller Probanden der Studie gemischt wird. Der Erfolg dieser Studie ist vor allem auf den Fokus des genetischen Phänotyps „früher Krankheitsbeginn“ und auf den sogenannten konvergenten Ansatz zurückzuführen. Unter diesem Ansatz versteht man die gemeinsame Auswertung der Ergebnisse von Genexpressionsstudien in alkoholkonsumierenden Ratten und den Befunden der genomweiten Assoziationsanalyse beim Menschen. Dank dieses Ansatzes hat die Studie mehrere bisher unbekannte, genetische Risikovarianten für Alkoholabhängigkeit identifiziert. Damit ist ein wichtiger Schritt hin zum Verständnis der genetischen Ursachen und molekularen Pathomechanismen der Alkoholabhängigkeit gelungen.

Die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG Sucht) überreichte gemeinsam mit der Oberberg Stiftung Matthias Gottschaldt den mit jeweils 4.000,- Euro dotierten Wilhelm Feuerlein Forschungspreis im Rahmen des Deutschen Suchtkongresses 2010 in Tübingen an die Preisträger.
Als Forum des Austauschs zwischen Wissenschaft und Praxis bietet der Deutsche Suchtkongress einmal im Jahr eine umfassende Übersicht zu allen Themen der Suchtforschung und Suchttherapie. Der Kongress wird federführend von der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie und der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie organisiert. Weiter wirken die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin sowie eine Vielzahl von Verbänden, Instituten und Fachgesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/forschungspreis-fuer-studien-zur-genetischen-anfaelligkeit-der-alkoholabhaengigkeit