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Früherkennung Parkinson: Innovationspreis der BioRegionen geht an zwei HIH-Wissenschaftlerinnen

Dr. Dr. Saskia Biskup und Dr. Natalja Funk vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) im Universitätsklinikum Tübingen haben einen der drei mit 2.000 € dotierten Innovationspreise der BioRegionen in Deutschland erhalten. Die zwei Wissenschaftlerinnen werden für ihr neues (patentiertes) Verfahren ausgezeichnet, das möglicherweise die Früherkennung neurodegenerativer Erkrankungen wie z.B. der Parkinson-Erkrankung erlaubt und das sich jetzt in klinischer Erprobung befindet.

Preisverleihung auf den Biotechnologietagen in München. v.l.n.r.: Dr. Bindseil (Arbeitskreis BioRegionen Deutschland & BioTOP Berlin-Brandenburg), Dr. Biskup (Preisträgerin), Dr. Mourran (LifeTec Aachen-Jülich, Sponsor) © "Bio Deutschland" (Fotograf: Alex Schelbert, Wildcard Photodesign)

Die ausgezeichnete Idee von Dr. Dr. Saskia Biskup und Dr. Natalja Funk (Patent DE 10 2007 024 382A1) beschreibt ein Verfahren, das möglicherweise in Zukunft die Früherkennung und/oder Vorhersage der Entwicklung von neurodegenerativen Erkrankungen, zu der auch die Alzheimer- und Parkinson-Erkrankung zählen, mit einer einfachen Blutprobe beim Arzt erlaubt. Bisher sind auf dem Markt keine Tests verfügbar, mit deren Hilfe der Ausbruch einer neurodegenerativen Erkrankung in einer Risikoperson frühzeitig vorhergesagt werden kann. Dies ist aber sehr wichtig, da bei einer spät erkannten neurodegenerativen Erkrankung ein Großteil der Nervenzellen bereits abgestorben ist, und eine Therapie in Folge dessen zu spät einsetzt. Mit einer Identifizierung von Risikopersonen und einer frühen Diagnose könnte dem Verlust von Nervenzellen frühzeitig therapeutisch entgegengewirkt werden.

Wie gut die Methode ist, kann man erst in ein paar Jahren sagen

Das von Saskia Biskup und Natalja Funk entwickelte Verfahren befindet sich nun in der klinischen Erprobung. „Wir sind noch am Anfang unserer Forschungsarbeiten. Letztlich können wir erst nach Jahren sagen, wie gut unsere Methode wirklich ist, da wir ja abwarten müssen, ob die Personen, die wir heute mit unserem Verfahren testen, nicht erkranken oder erkranken. Wir suchen nun Partner aus der Industrie, um unseren Bluttest in einer grossen Kohorte von Risikopersonen auszutesten,“ so Saskia Biskup. Von besonderem Interesse ist zudem, dass man den Bluttest auch dazu verwenden könnte, die Wirksamkeit von Therapien in bereits erkrankten Personen zu überprüfen. Der Bluttest ist einfach durchzuführen, gefährdet den Patienten nicht und gibt Hinweise auf die Aktivität des Immunsystems und damit möglicherweise auch Hinweise auf die Krankheitsaktivität.

Das entwickelte Verfahren misst den Anstieg an weißen Vorläuferzellen im Blut

Die Erfinder haben nämlich bei der Entwicklung des Verfahrens den Umstand berücksichtigt, dass über das Blut ein ständiger Austausch zwischen den Nervenzellen des Gehirns auf der einen und den Zellen des Immunsystems auf der anderen Seite besteht. Neurodegenerative Erkrankungen führen unter anderem zu einem langsamen, unaufhaltsamen Tod von einzelnen Nervenzellen. Untergehende Nervenzellen wiederum führen zur Freisetzung von Signalstoffen, die im Gehirn befindliche Makrophagen (Fresszellen des Immunsystems) sowie weitere Zellen des Immunsystems anlocken. Das Einwandern von Immunzellen wiederum bedingt einen Nervenzelluntergang, so dass es zu einer nicht mehr kontrollierbaren Reaktion kommt, die letztendlich die Grundlage für die langsam fortschreitende neurodegenerative Erkrankung bilden könnte. Darüber hinaus werden Signalstoffe in das Blut abgegeben. Diese Signalstoffe entfalten auch eine Wirkung auf weiße Blutkörperchen im Blut sowie auf deren Vorläuferzellen im Knochenmark. Dies kann unter anderem die Vermehrung und Spezialisierung bestimmter weißer Blutkörperchen initiieren. Diesen Anstieg an weißen Vorläuferzellen macht sich das Verfahren zunutze: Es misst den Anstieg an weißen Vorläuferzellen im Blut.

Zu den neurodegenerativen Krankheiten zählen unter anderem die Alzheimer-, die Parkinson-Krankheit, die amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Trinukleotidkrankheiten wie zum Beispiel Chorea Huntington und Prionen-Krankheiten, wie zum Beispiel die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung. Insbesondere die Alzheimer- und die Parkinson-Krankheit sind dabei eine häufige Ursache von Demenz und hieraus resultierender Pflegebedürftigkeit im Alter.

(Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, 24.05.2011)

Zum vierten Mal prämiert der Arbeitskreis der BioRegionen in Deutschland die drei innovativsten patentierten Forschungsideen. Ausgezeichnet werden anwendungsorientierte Projekte aus dem Bereich der modernen Biotechnologie oder der Medizintechnik mit Bezug zur Biotechnologie. „Sowohl die Menge der Bewerbungen, als auch die Qualität der einzelnen Einsendung war in diesem Jahr erstaunlich hoch“ so Dr. Bernward Garthoff, Landesclustermanager Biotechnologie Nordrhein-Westfalen und diesjähriger Organisator des Innovationspreises. „Die Entscheidung fiel daher knapp aber dennoch eindeutig aus,“ so Garthoff weiter.

Die Jury entschied sich, die mit jeweils 2000 Euro dotierten Preise an die folgenden herausragenden Arbeiten zu verleihen:

  • Dr. Georg Brunner und Prof. Dr. Dr. Jens Atzpodien von der Fachklinik Hornheide in Münster erhalten den Preis für eine neue, personalisierte Diagnostikmethode, welche beim schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) eine verbesserte Prognose und anschließende Therapieentscheidung ermöglicht.
  • Dr. Tobias Pöhlmann vom Gründungsprojekt BianoScience der Universität Jena wird für die Entwicklung einer leistungsfähigen siRNA-basierte Therapie von Tumor- oder Viruserkrankungen ausgezeichnet. Mit Hilfe von siRNA besteht die Möglichkeit, auch solche Gene stillzulegen, die mitverantwortlich für Krankheiten sind.
  • Dr. Dr. Saskia Biskup vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) am Universitätsklinikum Tübingen hat ein neues, patentiertes Verfahren entwickelt, das möglicherweise die Früherkennung neurodegenerativer Erkrankungen wie zum Beispiel der Parkinson-Erkrankung erlaubt und das sich jetzt in klinischer Erprobung befindet.

Das Ziel ist herausragende Arbeiten bei der Umsetzung zu unterstützen

Die Jury wählte die drei Preisträger aus, da sie aus der Grundlagenforschung heraus innovative Technologien zur Diagnose und Therapie von Volkskrankheiten entwickeln. Patienten und das Gesundheitssystem brauchen aufgrund veränderter Umweltbedingungen und weil die Menschen immer älter werden, solche innovativen Lösungsansätze. “Das Ziel des Innovationpreises ist es, herausragende Arbeiten bei der Umsetzung zu unterstützen“, sagt Dr. Kai Bindseil, Leiter BioTOP Berlin-Brandenburg und Sprecher des Arbeitskreises der BioRegionen. „Ich gratuliere den diesjährigen Preisträgern und  wünsche Ihnen so viel Erfolg wie Ihren Vorgängern“. Gestiftet wird der jährliche Preis von der High-Tech Gründerfonds Management GmbH, BioSpektrum das Magazin der Biowissenschaften, der Biotechnologie und Life Science Messe BIOTECHNICA sowie LifeTecAachen-Jülich e.V.

Die Preisträger sind am 25. Mai 2011 auf den Deutschen Biotechnologietagen in München vom Arbeitskreis der BioRegionen in Deutschland geehrt worden.


Eindrücke von der Preisverleihung


Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/frueherkennung-parkinson-innovationspreis-der-bioregionen-geht-an-zwei-hih-wissenschaftlerinnen