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Gesundheits-Region Heilbronn - eine Testregion

Die Region Heilbronn hat schon langjährige Erfahrung mit Telematikprojekten. Im Oktober 2007 wurde der Feldtest gestartet, in dem Arztpraxen und Apotheken die Funktionalität der elektronischen Gesundheitskarte in der Region Heilbronn testen.

Heilbronn am Neckar (Foto: pixelio.de)
Der Landkreis Heilbronn liegt mit seinen rund 450.000 Einwohnern im Norden Baden-Württembergs. Die Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn GmbH gründete im Dezember 2003 eine Informations- und Kommunikationsplattform für Krankenkassen, Krankenhäuser sowie Ärzte und Apotheken - die Gesundheits-Region Heilbronn. Basierend auf dieser Plattform startete eine gute Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Vertretern, in die sich nun auch die Fachhochschule Heilbronn mit dem Studiengang „Medizinische Informatik“ einbringt. Ziele der Initiative sind die Förderung des Informationsaustausches sowie der Wissenstransfer. Im Bereich der Gesundheitswirtschaft wird versucht ein gutes Innovationsklima zu schaffen. Seit einiger Zeit beteiligt sich die Region an Telematikprojekten. Eines der Referenzprojekte auf diesem Gebiet ist die „Versichertenkarte mit Bild“ der AOK Baden-Württemberg. Dieser erfolgreich durchgeführte Modellversuch sollte durch das Bild auf der Karte über einen einfachen Weg die Sicherheit der Karte erhöhen. Die Region Heilbronn zeichnet sich zudem dadurch aus, dass fast alle Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser über eine PC-Ausstattung mit zertifizierter Software verfügen.
Telematik: Der Ausdruck Telematik setzt sich aus den Begriffen Telekommunikation und Informatik zusammen. Im Allgemeinen versteht man darunter die Zusammenführung, Verarbeitung und Weitergabe verteilter Datenbestände. Im Gesundheitssystem (Gesundheitstelematik) ist sie die Grundlage, um im vernetzten Gesundheitswesen eine sektorübergreifende Serviceleistung zu erbringen und ermöglicht eine bessere Kommunikation sowie Interaktion zwischen Hausärzten, Fachärzten und Krankenhäusern (Jahrbuch der Gesundheitswirtschaft 2008).

Release 1 im Herbst 2007 gestartet

Anfang des Jahres 2006 wurde die Region Heilbronn von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt als Testregion für die elektronische Gesundheitskarte (eGK) in Zusammenspiel mit dem elektronischen Heilberufsausweis (HBA) benannt. Organisiert wird der Test von der Arbeitsgemeinschaft zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (ARGE eGKBW). In Zusammenarbeit mit der Betriebsgesellschaft gematik mbH konnte nun im Herbst 2007 der erste Feldversuch mit 10.000 Versicherten, 14 Ärzten, zehn Apothekern und einem Klinikum in der Region Heilbronn gestartet werden. Im so genannten Release 1 wird zum ersten Mal mit echten Daten getestet. Dabei werden die Funktion der Versicherungsstammdaten, der eVerordnung für Arzneimittel und die Daten für die Notfallversorgung (Notfalldaten) offline getestet. Somit kommt es noch zu keinem Anschluss an die Telematikinfrastruktur. Erst im Release 2 können die Versicherungsstammdaten online abgerufen und aktualisiert werden.
Informationsgrafik des über die Merkmale der elektronischen Gesundheitskarte (Abbildung: Bundesministerium für Gesundheit / gematik mbH)
Die gematik mbH (Gesellschaft für Telematikanwendungen im Gesundheitswesen) ist eine Betriebsorganisation, die im Jahr 2005 von den Spitzenorganisationen (Krankenkassen und Verbände) des deutschen Gesundheitswesen zur Einführung der eGK gegründet wurde. Ein Ziel des gematik mbG ist die Einführung einer Telematikinfrastruktur in Deutschland, die basierend auf einer gemeinsamen Schnittstelle eine bundesweite Kommunikation zwischen Ärzten, Krankenkassen und Krankenhäusern ermöglicht. Die eGK bietet solch eine gemeinsame Schnittstelle, die auch dem Patienten eine erhöhte Transparenz seiner Gesundheitsdaten (Impfungen, Allergien und Diagnosen) liefern soll. Da die Gesundheitsdaten über die Karte einsehbar sind, wird erwartet, dass so unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden können. Hierdurch ließen sich auch die Kosten der Krankenkassen senken. Der Versicherte kann jedoch entscheiden, auf welche Daten der Arzt Zugriff hat.

Speicherung von Daten nur mit Einverständnis des Patienten

Der elektronische Heilberufsausweis (HBA) (Foto: Bundesärztekammer)
Es lassen sich Pflicht- und freiwillige Anwendungen der eGK unterscheiden. Die Pflichtanwendung bezieht sich bei Einsatz der eGK auf die Übermittelung
der Versicherungsstammdaten, Einlösen von Rezepten über die Karte sowie die Verwendung der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC). Die Bereitstellung der Gesundheitsdaten ist eine freiwillige Leistung. Dazu
gehören die Notfalldaten, in welchen zum Beispiel die Blutgruppe und operative Eingriffe abgefragt werden können sowie die individuelle Medikamentenhistorie des Patienten bereit gestellt werden kann. Der Patient kann seine Notfalldaten zusammen mit dem Arzt und dessen Heilberufsausweis auf der eGK speichern. Dazu müssen sowohl Arzt als auch Patient einen individuellen PIN eingeben. Hiermit wird sichergestellt, dass die Daten nur im Einverständnis des Patienten auf der eGK gespeichert werden. Nach den ersten bundesweiten Testmonaten (Juni - November 2007) konnte die Gematik mbH im Bereich der Notfalldaten schon die ersten Testergebnisse vorweisen. So gibt es Probleme durch die verschiedenen PIN-Verfahren, die nun vereinheitlicht werden sollen.

Erste positive Bilanz

Testlabor der gematik mbH (Foto: gematik mbH)
Teilnehmer des Tests sind die Heilbronner Stadt- und Landkreis-Kliniken (SLK-Kliniken). Die Versicherten nutzen die neuen Karten in den Kliniken in Heilbronn sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich. „Wir freuen uns, dass die elektronische Gesundheitskarte nun bei uns in den SLK-Kliniken erstmals in einem deutschen Klinikum erfolgreich zum Einsatz kommt“, so Dietmar Imhorst, Geschäftsführer der SLK-Kliniken am 4. Dezember 2007 in Heilbronn. „Durch unsere Beteiligung am Projekt können wir unsere Anforderungen in die Entwicklung der eGK einbringen.“

Zur Messe Medizin 2008 im Januar 2008 in Stuttgart konnte der Vorsitzende der ARGE eGKBW und Vorsitzende des Vorstandes der AOK Baden-Württemberg, Dr. Rolf Hoberg, bereits eine positive Bilanz ziehen. „Rund vier Monate nach dem Start des Tests in der Modellregion Heilbronn haben wir erste wichtige Erfahrungen gewonnen. Aus dem Kontakt mit den teilnehmenden Ärzten und Apotheken und den am Test teilnehmenden Versicherten wissen wir, dass bisher keine nennbaren Probleme beim Zusammenspiel der eGK mit dem HBA, beim Lesen der Versicherungsstammdaten und bei den Anwendungen der eRezepte aufgetreten sind.“
Im beobachteten Zeitraum waren insgesamt 150 eGk in teilnehmenden Arztpraxen in der Region Heilbronn im Einsatz und es wurden 100 eRezepte ausgestellt. Eine bedeutende Aufgabe der Feldtests besteht unter anderem auch in der Optimierung des Betriebes und der Schulungsmaßnahmen in den anwendenden Betrieben. Weiterhin soll die Akzeptanz der eGK und des HBS bei den Anwendern analysiert werden. Neben den Befragungen der ARGE führt die Hochschule Heilbronn eine unabhängige technische und wissenschaftliche Evaluation durch. Die zweijährige Studie wird von Prof. Dr. Oliver Kalthoff und Prof. Dr. Nicola Marsden geleitet und im Fachbereich der Medizinischen Informatik durchgeführt. Hier soll ein Schwerpunkt in den Bereich des Datenschutzes gelegt werden.

Zahlreiche Kritikpunkte der Ärzte

Doch neben den positiven Stimmen und Testergebnissen gibt es auch zahlreiche Kritikpunkte. Ein bedeutender Kritikpunkt ist die noch ungeklärte Kostenfrage. Die Bundesregierung kalkuliert für eine flächendeckende Einführung der eGK 1,4 Milliarden Euro. In einer von der gematik mbH in Auftrag gegebenen, aber im Abschluss nicht angenommenen Studie der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton wurden 2,8 Milliarden Euro für die Einführung veranschlagt. Die Studie gelangte 2006 durch den Chaos-Computer-Club in Umlauf und dient nun als Referenz für Kritiker der eGK. Zudem sei die durch die Einführung der eGK auf die Arztpraxen zukommende finanzielle Belastung zu groß. Am 18. Februar 2008 konnten sich jedoch die Spitzenverbände der Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) über eine erste Stufe einer Finanzierungsvereinbarung einigen. Jede Arztpraxis soll nun für die Ausstattung mit mobilen und stationären Kartenterminals eine Pauschale erhalten.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Datenschutz. Die Bundesärztekammer fordert in einem Diskussionsvorschlag aus dem Dezember 2007 einen besseren Schutz von sensiblen Patientendaten vor dem Zugriff Dritter. Weiterhin fordert die Ärztekammer, die Notfalldaten durch eine „Klinische Basisinformation“ zu ersetzen. Hierbei würden Dauerdiagnosen- und -medikation gespeichert, die während der Regelversorgung als auch im Notfall genutzt werden können. Die kritische Haltung der Ärzte gegenüber der Einführung der eGK und des HBA zeigte sich auch in der Studie „Monitoring eHealth & Gesundheitswirtschaft“ Deutschland 2008, in der 52 Prozent aller teilnehmenden Ärzte die Umsetzung einer Telematikinfrastruktur und der eGK für die eigene Praxis als negativ bewerten.

Der flächendeckende Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte in Deutschland scheint jedoch trotz aller Kritik immer näher zu rücken. Die Testregion Heilbronn wird vermutlich im Frühjahr 2008 in den Release 2 für den Feldtest einsteigen.

Literaturhinweis: Jahrbuch Gesundheitswirtschaft 2008, Herausgeber Wegweiser GmbH Berlin, 3. Auflage, Reihe Jahrbuch Gesundheitswirtschaft



ap - 20.02.08
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH












Weitere Informationen zum Beitrag:
Projektbüro der
Arbeitsgemeinschaft zur Einführung der
eGesundheitskarte in Baden-Württemberg (ARGE eGKBW)
c/o AOK Baden-Württemberg
Heilbronner Straße 184
70191 Stuttgart
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