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Heidelberger Forscher untersuchen intrazellulären Transport

Nach einer erfolgreichen internationalen Begutachtung setzt der Sonderforschungsbereich 638 „Dynamik makromolekularer Komplexe im biosynthetischen Transport" der Universität Heidelberg seine Arbeit mit Beginn dieses Jahres für weitere vier Jahre fort. Für diese dritte und letzte Förderperiode hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Mittel in Höhe von rund 12,4 Millionen Euro bewilligt. Der Heidelberger Verbund umfasst 17 Projekte, in denen Wissenschaftler verschiedener Disziplinen der Frage nachgehen, auf welche Weise und mit welchen Folgen große Molekülverbände innerhalb von Zellen transportiert und am richtigen Platz lokalisiert werden.

Modell einer Kernpore © SFB 638 Universität Heidelberg

Die Prozesse des intrazellulären Transports haben weitreichende Bedeutung für Vorgänge, die etwa die „innere Uhr" von Organismen steuern. Sie sind ebenso wichtig für die Fähigkeit, Proteine in ihrer richtig gefalteten Form zum richtigen Zeitpunkt herzustellen und entweder innerhalb einer Zelle oder innerhalb eines Organismus zur Verfügung zu stellen. Solche Mechanismen werden zum Beispiel von Viren für ihre Bildung und ihren Transport aus infizierten Zellen heraus ausgenutzt. „Darüber hinaus gibt es viele weitere Beispiele, wie diese Grundlagenforschung medizinische Fragestellungen berührt, etwa die verbreiteten neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, bei der die korrekte Faltung von Proteinen eine zentrale Rolle spielt, oder auch bei Blutfettkrankheiten, bei denen der Transport von Zelloberflächenproteinen gestört sein kann", erläutert der Sprecher des SFB, Prof. Dr. Felix Wieland vom Biochemie-Zentrum der Universität Heidelberg (BZH).

Wie der Wissenschaftler hervorhebt, nimmt Heidelberg in den molekularen Lebenswissenschaften international einen Spitzenplatz ein. „Die Breite der hier bearbeiteten Fragestellungen erlaubt einen interdisziplinären Ansatz innerhalb des Sonderforschungsbereichs, der sowohl im inhaltlichen als auch im methodischen Bereich außergewöhnlich ist", sagt Prof. Wieland. Die bisherigen Arbeiten des im Jahr 2004 eingerichteten SFB 638 haben bereits zu „aufregenden Ergebnissen" geführt. So konnte unter anderem der Mechanismus der Bildung und des Zellaustritts von Aids-Viren sowie die zellinterne Stelle der Produktion von sogenannten Flaviviruspartikeln beschrieben werden. Außerdem ist es den Forschern gelungen, einen allgemeinen Mechanismus des Abschnürens von Membranen zu entschlüsseln. Im Reagenzglas haben sie außerdem Teilstrukturen der Kernpore zusammengesetzt - ein großer Schritt, so Prof. Wieland, auf dem Weg zum Verständnis einer der kompliziertesten zellinternen Strukturen. „Ein faszinierender Aspekt des Forschungsverbundes besteht darin, dass Ergebnisse unserer Grundlagenforschung in vielen Fällen bereits tief in medizinisch wichtige Fragestellungen hineinreichen", betont Prof. Wieland.

Neben Prof. Wieland und seinen Mitarbeitern beteiligen sich am Sonderforschungsbereich „Dynamik makromolekularer Komplexe im biosynthetischen Transport" in der neuen Förderperiode vom BZH die Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Irmgard Sinning, Prof. Dr. Walter Nickel, Prof. Dr. Michael Brunner, Prof. Dr. Ed Hurt und Dr. Tamás Fischer, vom Zentrum für Molekulare Biologie (ZMBH) die Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Bernd Bukau, Dr. Matthias Mayer, Prof. Dr. Elmar Schiebel und Prof. Dr. Frauke Melchior beteiligt. Die Gruppe von Prof. Dr. Sabine Strahl vom Centre for Organismal Studies (COS) der Universität Heidelberg ist mit einem Forschungsprojekt beteiligt, und aus der Virologie der Medizinischen Fakultät Heidelberg sind die Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Ralf Bartenschlager, Prof. Dr. Hans-Georg Kräusslich und Dr. Oliver Fackler beteiligt. Das Team von Dr. John Briggs vom European Molecular Biology Laboratory (EMBL) ist ebenfalls mit einem Projekt am SFB 638 beteiligt.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/heidelberger-forscher-untersuchen-intrazellulaeren-transport