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Hoffnung auf Therapie des Grünen Stars

Forscher der Ulmer Universität haben am Tiermodell eine Möglichkeit entdeckt, wie sich verletzte Sehnerven reparieren lassen. Ob sich die für die Augenheilkunde bedeutsamen Erkenntnisse auf den Menschen übertragen lassen, müssen künftige Arbeiten zeigen.

Wird der Sehnerv geschädigt, sei es durch Unfall, Tumor oder neurodegenerative Erkrankung, bedeutet das in der Regel den unwiederbringlichen Verlust der Sehkraft. Auch der Grüne Star (Glaukom), eine der häufigsten Ursachen für Erblindungen, ist durch eine Schädigung des Sehnervs bedingt.

Im Prinzip ist die Schädigung irreparabel

Sehnervschädigungen lassen sich nicht mehr reparieren, weil die Axone der Retinalen Ganglienzellen, die die visuellen Signale von der Netzhaut zum Gehirn weiterleiten, bei Sehnervverletzungen durchtrennt werden.

Eine Regeneration dieser Axone kann unter normalen Umständen nicht erfolgen, da die Retinalen Ganglienzellen zum einen ihre Fähigkeit zum axonalen Wachstum nach der Geburt größtenteils einbüßen und darüber hinaus in Sehnerven inhibitorisch wirkende Faktoren zu finden sind, die eine axonale Regeneration ebenfalls erschweren. Wenige Tage bis Wochen nach Sehnervtraumata beginnen die geschädigten, nicht-regenerierenden Retinalen Ganglienzellen abzusterben.

Die Abbildung zeigt regenerierende Axone von Retinalen Ganglienzellen (grün), die in den verletzten Sehnerven einwachsen. Die Verletzungsstelle des Nervs ist mit einem roten Stern gekennzeichnet. © Uni Ulm

Entdeckung bringt Neurologen auf neue Fährte

Vor einigen Jahren haben Prof. Dietmar Fischer (Experimentelle Neurologie der Universität Ulm) und andere entdeckt, dass durch eine Verletzung der Linse des Auges der Zelltod verletzter Retinaler Ganglienzellen stark verzögert wird und diese Zellen in einen aktiven regenerativen Zustand übergehen. Dieser regenerative Zustand erlaubt es den retinalen Nervenzellen, Axone zurück in den verletzten Sehnerven zu regenerieren.

Linsenverletzung verzögert Apoptose

Fischers Arbeitsgruppe konnte in den letzten Jahren zeigen, dass diese starken neuroprotektiven und regenerationsfördernden Effekte einer Linsenverletzung indirekt über die Aktivierung von Astrozyten und Müllerzellen in der Netzhaut vermittelt werden, die als Folge die beiden Faktoren ciliary neurotrophic factor (CNTF) und leukemia inhibitory factor (LIF) freisetzen.

Sowohl CNTF als auch LIF besitzen starke regenerationsfördernde Eigenschaften auf Axone von Retinalen Ganglienzellen. Da eine Verletzung der Linse allerdings immer zu deren Verlust führt, ist diese Methode zur Induktion der Neuroprotektion oder Stimulation zur axonalen Regeneration beim Menschen nicht denkbar.

Funktioniert Pam3Cys auch beim Menschen?

In der Fachzeitschrift „Investigative Ophthalmology and Visual Science“ berichtet Dietmar Fischers Arbeitsgruppe, dass die positiven Effekte einer Linsenverletzung über die Injektion des spezifischen Toll-like-Rezeptor-Agonisten Pam3Cys nicht nur imitiert, sondern sogar noch deutlich übertroffen werden können. Ein Einsatz dieser Substanz zur Neuroprotektion und Regeneration der Sehnerven und so zum Beispiel zur Behandlung von bisher nicht therapierbaren Formen des Glaukoms rückt nach Angaben der Forscher damit in den Bereich des Möglichen.

Bei diesem Ansatz, der bislang im Tiermodell durchgeführt wurde, bleibt die Linse des Auges unbeschädigt und der Glaskörper des Auges klar, so dass der Lichteinfall auf die Netzhaut durch diese Anwendung nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Ob und inwieweit Pam3Cys bei Patienten angewendet werden kann, die an den Folgen eines geschädigten Sehnervs leiden, muss in zukünftigen Studien untersucht werden.

Mehr Informationen im nachstehenden Fachartikel:
Hauk, T.G., et al., Intravitreal application of the Toll-like receptor 2 agonist Pam3Cys stimulates axon regeneration in the mature optic nerve. Invest Ophthalmol Vis Sci, 2009, doi:10.1167/iovs.09-4203

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/hoffnung-auf-therapie-des-gruenen-stars