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Hohe Auszeichnung für Altrektor Theodor Fliedner

Der Ulmer Hämatologe und Altrektor der Universität Theodor Fliedner hat den mit 10.000 Euro dotierten Mechtild-Harf-Wissenschaftspreis der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) Stiftung Leben Spenden erhalten. Der Preis würdigt die herausragende wissenschaftliche Forschungsarbeit des inzwischen 81-Jährigen auf dem Gebiet der experimentellen und klinischen Strahlenhämatologie.

Fliedner erhielt die Auszeichnung auf dem Jahreskongress der European Group for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) in Paris. Der Preisträger kam mit der Thematik 1958 bei seinem ersten längeren Forschungsaufenthalt als junger Mediziner in den USA in Berührung. Dort hatte er das Knochenmark und das Blut von acht Menschen zu betreuen, die bei einem Unfall Strahlenschäden erlitten hatten.

Aussichtslose Prognose entscheidend verbessert

Bei der Preisverleihung in Paris (v.l.n.r.): Prof. Thomas Klingebiel, Prof. Theodor Fliedner, Prof. John Hansen, Prof.. Dieter Hoelzer und Axel Rodert. © DKMS-Stiftung

„Als experimenteller, aber immer der klinischen Anwendung verbundener Forscher hat er die früher aussichtlose Prognose onkologisch-hämatologischer Erkrankungen entscheidend verbessert", sagte Dieter Hoelzer, Stiftungsvorstand und Geschäftsführer der Deutschen Knochenmarkspenderdatei.

Alle 45 Minuten erkrankt der Stiftung zufolge in Deutschland ein Mensch an Leukämie, darunter auch viele Kinder und Jugendliche. Für viele von ihnen sei die Übertragung gesunder Stammzellen die einzige Überlebenschance.

Theodor Fliedner sei es durch radioaktive Markierung gelungen, die Existenz und Bedeutung der Stammzellen im Knochenmark für die Blutbildung nachzuweisen, nachdem ihre Eigenschaften in den 1960er-Jahren noch weitgehend unbekannt gewesen seien. Er habe in diesem Zusammenhang auch die Auswirkung der Strahlenbelastung auf das Knochenmark nach radioaktiven Unfällen untersucht. Wegweisend sei ferner die Erprobung neuer Technologien gewesen, um sie für den klinischen Alltag zu nutzen, wie etwa die kontrollierte Tiefkühlung lebensfähiger Stammzellen.

„Bahnbrechend" nennt die Stiftung Fliedners Selbstversuche der autologen Stammzellübertragung in den 70er-Jahren, um im Knochenmark das blutbildende System zu regenerieren - letztendlich der Weg zur ambulanten Stammzellapherese (Verfahren zur Herausfilterung der im Blut enthaltenen Blutstammzellen), die heute in acht von zehn Fällen  angewandt werde und eine Entnahme des Knochenmarks weitgehend ersetze.

In diesem Gesamtkontext stehe schließlich auch die verbesserte Behandlungsfähigkeit von Menschen mit Strahlungsschäden. 1993 übertrug die Weltgesundheitsorganisation WHO dem Ulmer Forscher für fünf Jahre die Leitung ihres höchsten wissenschaftlichen Beratergremiums.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/hohe-auszeichnung-fuer-altrektor-theodor-fliedner