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ILM - Molekularzytogenetische Diagnostik

Die Multicolor-Fluoreszenzin-situ-Hybridisierung wurde am ILM zur Detektion chromosomaler Veränderungen im Venengewebe von Patienten mit rezidivierender Varikose genutzt.

Abb. 1: M-(24-Farben)-FISH: Karyogramm einer Varizenzelle: 43, XX, t(4;15;5), t(8;12), -9,-11,-22 © ILM
Varizen (Krampfadern) stellen eine weit verbreitete Erkrankung dar, bei der Rezidive trotz korrekter operativer Entfernung der betroffenen Gefäße häufig sind. Bei fast der Hälfte der Patienten zeigt sich ein familiär gehäuftes Auftreten, über dessen pathophysiologisches Korrelat bisher wenig bekannt ist. Die Analyse zytogenetischer Veränderungen ist eine bei vielen erblichen Erkrankungen etablierte diagnostische Methode. Für die familiäre Varikose liegen jedoch trotz ihrer Häufigkeit, und somit auch gesundheitsökonomischer Relevanz, bisher nur sehr wenige diesbezügliche Untersuchungen vor. Wir untersuchten deshalb chromosomale Veränderungen in Zellen aus Varizengewebe von Patienten mit Rezidivvarikose erstmals mittels Multicolor-Fluoreszenzin-situ-Hybridisierung (M-FISH, 24-Farben-FISH).

In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ralf U. Peter vom Gefäß- und Hautzentrum Blaustein etablierten wir Primärzellkulturen aus Gewebeproben von Varizen. Nach der Chromosomenpräparation erfolgte die M-FISH-Hybridisierung mit DNA-Sonden und die Auswertung am Fluoreszenzmikroskop mit Spezialsoftware. Die MFISH-Technik erlaubt die eindeutige Zuordnung aller menschlichen Chromosomen und ist daher eine sehr sensitive Methode zur Detektion chromosomaler Veränderungen. Wir fanden in etwa der Hälfte der bisher untersuchten Fälle strukturelle chromosomale Aberrationen bzw. Veränderungen der Chromosomenzahl (Aneusomien). In der Abbildung links (M-FISH Analyse von Varizenzellen einer Patientin) sind an Hand von Farbwechseln bei einzelnen Chromosomen Translokationen zu sehen (Pfeile).
Abb. 2: Zellkern mit Trisomie 7 © ILM

In einem weiteren Fall wurden in Varizenzellen eines männlichen Patienten vorrangig Veränderungen der Chromosomenanzahl festgestellt. Dabei waren Gewinne von Chromosom 7 auffallend häufig. Diese klonale Trisomie 7 wurde darüber hinaus durch FISH mit Zentromersonden für Chromosom 7 an Interphase-Zellkernen bestätigt (Abbildung 2). Somit konnten wir erstmals mit Hilfe der M-FISH-Methode chromosomale Veränderungen und Aneusomien in Zellen aus Varizenbiopsien nachweisen. Es gibt Hinweise darauf, dass strukturelle Chromosomenaberrationen zwar im Varizengewebe von Patienten mit familiär gehäufter Varikose vorhanden sind, bei sporadisch auftretenden Fällen jedoch fehlen. Unsere Ergebnisse können deshalb für die Aufklärung der Genetik der Varikose hilfreich sein. Des weiteren könnte eine Untersuchung von Patienten, und ggf. Angehörigen, mit Varikose sinnvoll erscheinen, um Patienten mit einem erhöhten Rezidivrisiko zu identifizieren, und somit prophylaktische bzw. therapeutische Maßnahmen rechtzeitig ergreifen zu können.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/ilm-molekularzytogenetische-diagnostik