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Internationales Forschungsteam identifiziert Risikogene für Nierenerkrankungen

Ein internationales Forschungsteam aus Europa und den USA hat in einem gemeinsamen Großprojekt neue Gene entdeckt, die das Risiko für Nierenerkrankungen beeinflussen. Veränderungen in diesen Genen treten gehäuft bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung auf.

Dr. Anna Köttgen © privat

Die Arbeitsergebnisse des Forschungsteams, des Chronic Kidney Disease Genetics (CKDGen)-Konsortiums, wurden diese Woche in der renommierten Fachzeitschrift Nature Genetics veröffentlicht. Mehrere deutsche Institutionen sind an dem Projekt beteiligt; die Erstautorin der Veröffentlichung, Dr. Anna Köttgen, ist in der nephrologischen Abteilung des Universitätsklinikums Freiburg unter der Leitung von Professor Dr. Gerd Walz tätig.

Chronische Nierenerkrankungen betreffen rund fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung in den USA, mit steigender Tendenz. In Deutschland wird mit ähnlichen Zahlen gerechnet. Ein Fortschreiten der Erkrankung kann zu Nierenversagen führen und schließlich eine Nierentransplantation oder Dialyse erforderlich machen. Des Weiteren steigt das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und für Nebenwirkungen von Medikamenten. Wichtige Risikofaktoren für chronische Nierenerkrankung sind Bluthochdruck und Zuckerkrankheit. Auch eine familiäre Häufung von Nierenerkrankungen wird seit langem beobachtet, zugrunde liegende genetische Risikofaktoren sind großteils unbekannt.

Um einige der unbekannten genetischen Risikofaktoren für chronische
Nierenerkrankungen zu identifizieren, machten die Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler des CKDGen-Konsortiums Gebrauch von einer neuen
Technik, der sogenannten genomweiten Assoziationsstudie. Dabei werden
Unterschiede in der gesamten Erbinformation sehr vieler Personen, hier
von beinahe 70.000 Studienteilnehmenden, in Bezug zu deren
Nierenfunktion gesetzt. Studien dieser Art können erst seit der
Entschlüsselung der menschlichen Erbinformation durchgeführt werden
und haben in den letzten Jahren zu großen Fortschritten in der
Identifikation genetischer Risikofaktoren geführt.

„Die so identifizierten Risikogene können neue Erkenntnisse über die
Funktion der Nieren vermitteln. Ein besseres Verständnis der Erkrankungsmechanismen kann dabei als Grundlage zur Entwicklung
neuer Vorsorgestrategien und neuer Medikamente für Patientinnen und
Patienten mit chronischer Nierenerkrankung dienen”, sagt Dr. Köttgen. So
waren die Wissenschaftler aufgrund ihrer Ergebnisse bereits in der Lage, in
ersten Studien einen Blutwert zu identifizieren, der sich eventuell als
Marker zur Früherkennung von Nierenerkrankungen eignet. In ersten
Studien war dieser Blutwert bereits Jahre vor dem Auftreten einer
chronischen Nierenerkrankung erhöht.

Anna Köttgen hat in den vergangenen fünf Jahren an der Johns Hopkins
Universität in den USA geforscht, bevor sie an das Freiburger Uniklinikum
wechselte. Nun leitet sie eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
finanzierte Emmy-Noether-Arbeitsgruppe für vielversprechende junge
NachwuchswissenschaftlerInnen, in der unter anderem an der Identifikation
von Risikogenen für Nierenerkrankungen geforscht wird. „Ein Ziel meiner
Arbeitsgruppe ist es, die in den USA gelernten Methoden hier in Freiburg
zu etablieren”, so Anna Köttgen. Sie arbeitet auch daran, gemeinsam mit
anderen Ärzten Patientinnen und Patienten mit chronischer
Nierenerkrankung aus Freiburg und Umgebung in eine bundesweite Studie
zur Erforschung dieser Erkrankung einzuschließen. Die Kombination aus
großen Patientenkollektiven und modernen Methoden soll ermöglichen, die
Therapie und Lebensqualität von Patienten mit dieser häufigen Erkrankung
langfristig zu verbessern.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/internationales-forschungsteam-identifiziert-risikogene-fuer-nierenerkrankungen