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Krebszellen schädigen, übrige Organe schonen

Eine klinische Forschergruppe der Ulmer Unimedizin hat neue Wege gefunden, Krebszellen durch radioaktive Bestrahlung gezielt abzutöten und normale Organe zu schonen. Sie wies außerdem nach, dass gegen Chemotherapien resistente Krebszellen durch bestimmte radioaktive Strahlung effizient zerstört werden können.

Ziel war es, neue Therapien mit radioaktiven Stoffen/Substanzen gegen Leukämien und neuroendokrine Tumoren zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen. Dabei werden radioaktive Substanzen an verschiedene Botenstoffe gebunden, die in die vom Krebs betroffenen Körperregionen wandern und dort durch ihre Strahlung die Tumorzellen zerstören.

Was einfach klingt, ist kompliziert und wurde von Ärzten, Biologen, Chemikern und Physikern der Kliniken für Nuklearmedizin (Sprecher: Prof. Dr. Sven Norbert Reske), Innere Medizin I und III, der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und verschiedener Institute weiter enträtselt und entwickelt.

Richtiger Botenstoff zu richtiger Strahlung

Der Sprecher der Forschergruppe Prof. Sven Norbert Reske © UK Ulm

Das Geheimnis ist, den richtigen Botenstoff mit der richtigen Strahlung zusammenzuführen.

„Wir konnten zeigen, dass ein bestimmter Botenstoff (zum Beispiel  Bauelemente der Erbsubstanz oder CD45 Antikörper) in Kombination mit einer besonderen Strahlung (Auger-Elektronen-Emitter beziehungsweise Alpha-Emitter) die Vermehrung bestimmter Krebszellen stoppt und gezielt zerstört, die gegen Chemotherapeutika resistent sind“, erklärte Sprecher Sven Norbert Reske. „Das war mit anderen Verfahren bisher nicht möglich.“

Die Therapiemöglichkeit mit Antikörpern ist inzwischen bei mehreren hundert Krebspatienten mit einem bestimmten Krankheitsbild eingesetzt worden.

Mit radioaktivem Gepäck ins Knochenmark

Menschliches Knochenmark: an den dunklen Stellen haben sich die radioaktiven Substanzen zur Krebsbekämpfung angereichert. © UK Ulm

Bei Leukämien sollen die Botenstoffe mit ihrem radioaktiven „Gepäck“ in das Knochenmark gelangen, um dort die Tumorzellen zu zerstören. Antikörper z.B. gelangen über den Blutkreislauf, auch zu einem großen Teil in die Leber und andere schützenswerte Organe „Deshalb geben wir den Patienten über einen bestimmten Zeitraum den Botenstoff ohne radioaktive Substanzen, so dass die radioaktiv bepackten Antikörper in das Knochenmark umgeleitet werden“, erklärt Professor Reske das Verfahren.

„Wenn wir im Anschluss daran die Radioaktivität an die Botenstoffe hängen, werden die Leber und andere schützenswerte Organe abgeschirmt, die ‚Waffe’ gegen den Blutkrebs wandert zu einem viel größeren Anteil direkt ins Knochenmark, Normalgewebe wird geschont.“

Die Ulmer Forscher entwickelten eine neue Methode, mit der für jeden einzelnen Patienten die genauen Zeitfenster und Dosierungen für diese Therapie berechnet werden. „Das senkt den Anteil an Überdosierungen oder Wirkungslosigkeit und bietet die Chance auf bessere Wirkung und geringere Nebenwirkungen“, ist Reske überzeugt.

Die Klinische Forschergruppe der Ulmer Universitätsmedizin wurde über drei Jahre mit 1,6 Mio. Euro gefördert, je zur Hälfte von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Universität Ulm.

Quelle: Uniklinikum Ulm (19.12.2008, P, wp)

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/krebszellen-schaedigen-uebrige-organe-schonen