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Land unterstützt Traumaforschung

Mit drei Millionen Euro unterstützt das Forschungsministerium den Aufbau eines Zentrums für Traumaforschung an der Universität Ulm.

Landesministerin Theresia Bauer mit Präsident Prof. Weber und Dekan Prof. Wirth bei der offiziellen Scheckübergabe. © Universität Ulm

"Die Traumaforschung in Ulm gilt national und international als herausragend", betonte Forschungsministerin Theresia Bauer (Grüne). "Diese Kompetenz wollen wir stärken - um die Behandlungsmöglichkeiten für körperlich und seelisch durch Unfall oder Gewalteinwirkung verletzte Menschen gezielt zu verbessern." Mit der Anschubfinanzierung sollen über die kommenden sechs Jahre zwei Arbeitsgruppen in Ulm aufgebaut werden - eine für Klinische und Experimentelle Trauma-Immunologie sowie eine für die Trauma- und Akut-Kinder- und Jugendpsychiatrie. Etwa 8,7 Millionen Menschen - jeder zehnte Bürger - erleiden laut Ministerium jährlich bei einem Unfall ein Trauma.

Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit des Zentrums für Traumaforschung stehen die komplexen Wechselwirkungen zwischen psychischem und physischem Trauma. "Denn viele drängende Forschungsfragen an der Schnittstelle zwischen physischem und psychischem Trauma sind bis heute ungeklärt", so Professorin Anita Ignatius, Leiterin des Instituts für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik an der Universität Ulm. Beispielsweise hätten physische Traumata oft auch psychische zur Folge, und umgekehrt könnten sich seelische Belastungen über das Immun- und das Hormonsystem auch auf den Krankheitsverlauf körperlicher Verletzungen auswirken. "Mit einem transdisziplinären Ansatz, wie wir ihn am Ulmer Zentrum für Traumaforschung verfolgen werden, sind wir national und international bestens aufgestellt, um solche hochkomplexen Probleme zu lösen", versichert Ignatius, geschäftsführende Sprecherin und Fachvertreterin für den Bereich "Physisches Trauma" am ZTF.

So wie Verkehrsunfälle, Arbeitsunfälle oder andere Gewalteinwirkungen physische Traumata sowie seelische Belastungen auslösen können, sind psychische Traumen häufig auf Vernachlässigung, sexuellen Missbrauch und Misshandlung zurückzuführen. "Besonders gefährdet sind dadurch Kinder und Jugendliche", sagte Professor Jörg Fegert, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm. Die Deutsche Traumafolgenkostenstudie beziffert die jährlichen Folgekosten früher Kindheitstraumata auf über 11 Milliarden Euro. Ein weiteres Problem sieht Fegert, ZTF-Sprecher aus dem Bereich "Psychisches Trauma", in der transgenerationalen Weitergabe von traumatischen Belastungserfahrungen, beispielsweise von der Mutter auf das Kind. "Die Genetik, Epigenetik und Immunologie bilden hier eine vielversprechende Schnittstelle für die transdisziplinäre Forschung in diesem Bereich", ist der Kinder- und Jugendpsychiater sowie Psychotherapeut überzeugt.

Informationen zum Zentrum für Traumaforschung (ZTF)

Das Ende 2015 gegründete Zentrum für Traumaforschung (ZTF) gliedert sich in die Bereiche Physisches und Psychisches Trauma. Unter dem Dach der neuen Einrichtung finden sich zahlreiche Projekte und Mitglieder des "Zentrums für Muskuloskelettale Forschung Ulm" (zmfu), das 2007 mit Unterstützung des Landes gegründet wurde, um die Ulmer Expertise in der Traumaforschung zu bündeln. Eine Schlüsselrolle bei der Gründung spielen aber auch Akteure aus dem Kompetenzzentrum Kinderschutz in der Medizin Baden-Württemberg. Zur Stärkung der transdisziplinären Forschung sollen nun zwei komplementäre Arbeitsgruppen neu eingerichtet werden, die an der Schnittstelle zwischen physischen und psychischen Traumata eng miteinander interagieren. Für die Arbeitsgruppe "Klinische und experimentelle Traumaimmunologie" und die Arbeitsgruppe "Trauma- und Akut-Kinder- und Jugendpsychiatrie" sind eigens zwei W3-Professuren vorgesehen - finanziert mit den dazugehören Sach- und Personalmittel über die Anschubfinanzierung des Landes. Die medizinische Fakultät der Universität Ulm selbst trägt rund 1,3 Millionen Euro der Kosten als Eigenanteil. Zwei Sprecher stehen dem Zentrum für Traumaforschung (ZTF) vor: Professorin Anita Ignatius, Leiterin des Instituts für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik sowie Professor Jörg Fegert, Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/land-unterstuetzt-traumaforschung