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Landtagsabgeordnete informieren sich über Biotechnologie

Biotechnologie ist einer der Innovationsmotoren für Baden-Württemberg und kann auch in Zukunft einen erheblichen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes leisten. Dies erläuterte die BIOPRO Baden-Württemberg gemeinsam mit den fünf Bioregionen des Landes in einem Informationsgespräch für die Mitglieder der Ausschüsse für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie Finanzen und Wirtschaft des Landtags von Baden-Württemberg.

Dr. Ralf Kindervater, Geschäftsführer der BIOPRO Baden-Württemberg, erläutert die Innovationskraft der Biotechnologie für Baden-Württemberg. © BIOPRO

Anlässlich ihres 10-jährigen Geburtstags präsentierte die Landesgesellschaft BIOPRO Baden-Württemberg am 18. Oktober 2012 gemeinsam mit den Bioregionen BioRN, Freiburg, STERN, Ulm und BioLAGO inhaltliche Meilensteine aus der biotechnologischen Forschung und zeigte auf, wie die Cluster des Landes zur weiteren Entwicklung der Wirtschaft beitragen.

Allein die Anzahl der Bio(techno)logen an der Gesamtzahl der Nobelpreisträger der letzten fünf Jahre ist beeindruckend und zeigt die Relevanz der Biotechnologie zur Lösung anstehender Fragen der Zukunft: Alle fünf Nobelpreise in der Kategorie Medizin & Physiologie gingen an Projekte und Themen, bei denen die Erforschung der molekularbiologischen Zusammenhänge eine zentrale Rolle spielt. In der Kategorie Chemie waren es immerhin drei von fünf Nobelpreisen.

„Die große Resonanz auf unsere Einladung und das große Interesse der Abgeordneten zeigt uns, dass das Thema Biotechnologie auch aus Sicht der Politik ein wichtiges Thema für Baden-Württemberg ist und bleibt“, freute sich Dr. Ralf Kindervater, Geschäftsführer der BIOPRO Baden-Württemberg, über die 34 Teilnehmer aus dem Landtag.

v.l.n.r.: Dr. Klaus Eichenberg, Dr. Bernd Dallmann, Dr. Armin Pscherer, Prof. Dr. Klaus P. Schäfer, Prof. Dr. Uwe Bücheler © BIOPRO

Dr. Klaus Eichenberg, Geschäftsführer der BioRegio STERN Management GmbH, setzt in seiner Region auf Regenerative Medizin und deren Schnittstelle zur Medizintechnik sowie auf eine weitere Stärke der Region Stuttgart: den Maschinenbau. Der nächste Schritt für die wirtschaftliche Anwendung von biotechnologischen Produkten in der Medizintechnik - wie zum Beispiel bei autologen Zelltransplantationen - ist die Automatisierung, ohne die eine qualitativ hochwertige, reproduzierbare Produktion der Zelltherapien in ausreichendem Umfang nicht zur Verfügung gestellt werden kann. Hier kann die Expertise der Maschinenbauer einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Biotechnologie leisten. Außerdem mahnte Eichenberg in der Diskussion an, dass das Land Baden-Württemberg sich für verbesserte steuerliche Rahmenbedingungen für Investoren einsetzen müsse, um die Unternehmensgründungen solide finanzieren zu können.

Dr. Bernd Dallmann, Vorstand Technologiestiftung BioMed, BioRegion Freiburg, erläuterte den Abgeordneten die besondere Lage und Strategie eines Biotech-Clusters im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz. Gefördert durch die EU sind hier Strukturen aufgebaut worden, die den grenzüberschreitenden Dialog erleichtern und so zum Erfolg der Region beitragen. Dr. Dallmann lobte die Zusammenarbeit mit der BIOPRO Baden-Württemberg: „Den Regionen geht es gut, ­ aber wir brauchen Sie weiterhin als starken Partner." Ein weiterer wichtiger Baustein im Freiburger Konzept ist der auch mithilfe des Landes etablierte Technologiepark, der für Unternehmensgründungen aus der Biotechnologie ein gutes Angebot bereithält.

Dr. Armin Pscherer, Leiter Projekt- und Wissenschaftsmanagement in der BioRN Cluster Management GmbH, vertrat den Cluster um Heidelberg und Mannheim. Als einer der drei Sieger im BioRegio-Wettbewerb, dem Start der breiten, kommerziellen Nutzung der Biotechnologie in Deutschland, hat die Region aus der herausragenden Forschungslandschaft heraus auch ein gutes wirtschaftliches Umfeld für die Unternehmen aufgebaut. Diese Position wurde durch den Sieg als erstes Life-Sciences-Cluster im bundesweiten Spitzenclusterwettbewerb nochmals eindrücklich bestätigt. BioRN trägt damit erheblich zur internationalen Positionierung des Life-Sciences-Standortes Baden-Württemberg bei. Im Gegenzug hofft man im Rhein-Neckar-Dreieck auch weiterhin auf die Unterstützung der Politik durch nachhaltige öffentliche Förderung, vor allem in Hinblick auf Unternehmensgründungen. „In den letzten Jahren musste BioRN durch seine intensiven internationalen Kontakte feststellen, dass es Deutschland im internationalen Vergleich an unabhängigen Inkubator-Strukturen mangelt. Dies ist vor allem für Baden-Württemberg sehr bedauerlich, da wir im deutschen Vergleich mit an der Spitze sind, was den Output an wissenschaftlicher Exzellenz und an wirtschaftlichen Spitzenstandorten betrifft. Allerdings werden Betreuung und Förderung von Ausgründungen/Entrepreneurship fast ausschließlich im universitären Umfeld befördert. International werden solche Inkubator-Strukturen schon lange von neutralen Einrichtungen betreut, welche als sogenannte Akzeleratoren/Dealmaker fungieren, also auch in allen F&E-Einrichtungen einer Region nach Ausgründungspotenzial aktiv suchen können.“

Auf eine andere wichtige regionale Aufgabenstellung wies Prof. Dr. Klaus P. Schäfer, Vorstandsvorsitzender des BioLAGO e.V. hin: "Als regionaler Wirtschaftsförderer sind wir auch in der Krise gefordert. Durch den Weggang eines Großunternehmens in Konstanz ist ein wichtiger Partner und Steuerzahler verloren gegangen. BioLAGO engagiert sich hier bei der Entwicklung neuer Nutzungskonzepte." Aber auch die Politik sei hier stark gefordert, um ein tragfähiges Konzept auf den Weg zu bringen.

© BIOPRO

Last, but not least zeigte auch die BioRegion Ulm, welches Potenzial Baden-Württemberg zu bieten hat. Die BioRegion Ulm ist zentraler Standort für die biotechnische Prozessentwicklung und Produktion in Europa. In Deutschland zählt die Region zwischen Ostalb und Bodensee zu den drei Topstandorten der Herstellung von Biopharmazeutika. Nirgendwo in Europa werden mehr Biopharmazeutika in Säugetierzellen für den globalen Markt produziert. Prof. Dr. Uwe Bücheler, Vorstandsvorsitzender der BioRegionUlm und Vertreter des Clusters BioPharMaXX, erläutert: „Biopharmazie und -technologie unserer Region bieten enorme Chancen für die Entwicklung und Herstellung neuer innovativer biotechnologischer Wirkstoffe zur Behandlung von Erkrankungen, welche bisher nicht hinreichend therapierbar sind. Durch die Bündelung von Interessen und Ressourcen in diesem regionalen Cluster erhöhen sich die Chancen der Kooperationspartner und der Region. Die Aktivitäten des Clusters BioPharMaXX sollen dazu beitragen, die Produktion von Biopharmazeutika kostengünstiger und effizienter zu gestalten. Darüber hinaus sollen neue Diagnostik- und Therapielösungen im Gesundheitswesen entwickelt werden.“ Des Weiteren betonte Bücheler, dass sich sein Unternehmen mit einem eigenen Fonds engagiert, um neue Projekte zu fördern. Boehringer Ingelheim setzt dabei aber bewusst auf die Projektförderung und nicht auf die Finanzierung einer Unternehmensgründung, da so passgenauere Ergebnisse im Sinne von Boehringer Ingelheim erreicht werden können.


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