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Medikamente aus körpereigenen Wirkstoffen: Ulmer Zentrum für Peptidpharmazeutika (UPEP) eröffnet

Mit der Eröffnung des Ulmer Zentrums für Peptidpharmazeutika (UPEP) am 17. Juli 2013 ist an der Universität eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung entstanden, die sich einer ganz besonderen Klasse von organischen Verbindungen widmet: den Peptiden. Die aus Aminosäuren zusammengesetzten Eiweißbausteine sind Bestandteile der körpereigenen Proteine. Das Besondere daran: sie gewinnen immer mehr pharmakologische Bedeutung als Wirkstoffe gegen eine große Bandbreite von Krankheiten.

(v.l.n.r.) Thomas Wirth, Frank Kirchhoff, Tanja Weil, Frank Rosenau, Jan Münch, Wolf-Georg Forssmann, Sven Rau, Karl-Joachim Ebeling © Eberhardt/Universität Ulm

„Das UPEP bündelt die naturwissenschaftliche und medizinische Expertise auf dem Gebiet der Protein- und Peptidwirkstoffe mit dem langfristigen Ziel, innovative und sichere Pharmazeutika herzustellen“, erklärt UPEP-Sprecher Dr. Frank Rosenau. „Das Besondere am Ulmer Zentrum für Peptidpharmazeutika ist neben der engen Zusammenarbeit von Physikern, Chemikern, Biologen und Medizinern die Verzahnung von Forschung und Entwicklung“, betonte der Prodekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät, Professor Sven Rau, bei der Eröffnungsfeier.
Das UPEP versteht sich als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Industrie und steht sowohl universitären wie auch industriellen Forschungsgruppen als Partner zur Verfügung. Gegründet wurde es von den Virologen Frank Kirchhoff und Jan Münch sowie der Chemikerin Tanja Weil und dem Biotechnologen Frank Rosenau. Das Zentrum verfügt über alle Kernexpertisen und Schlüsseltechnologien, die für die Entwicklung von Peptid- und Proteinbasierten Wirkstoffen nötig sind: von der Isolation und Identifikation der Peptide bis zur Synthese und  Optimierung.

Peptide sind fast unerschöpfliche Wirkstoffquelle

Das humane Peptidom – darunter versteht man in Anlehnung an den Genom-Begriff die Gesamtheit aller Peptide des Menschen – ist mit seinen Millionen an Proteo-Peptiden der Komplexität und Vielgestalt des menschlichen Genoms mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen. „Es stellt damit eine fast unerschöpfliche Quelle für bioaktive und immunmodulatorische Substanzen dar“, erklärt Professor Frank Kirchhoff. Mittlerweile gibt es sogar gentherapeutische Anwendungen für Peptide wie das Protransduzin.

Professor Roland Wagner wies als Bereichsleiter Entwicklung des Pharmaunternehmens Rentschler Biotechnologie GmbH noch einmal auf die strategische Bedeutung der UPEP-Gründung hin: „Als Pharmastandort kann Deutschland im internationalen Wettbewerb nur bestehen, wenn wir weiterhin Ideenschmiede bleiben und mit innovativen Wirkstoffen punkten können.“ Das Ulmer Peptidforschungsinstitut ist dabei nicht nur Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und Anwendung, sondern wird – wie Professor Jürgen Hannemann vom Institut für Angewandte Biotechnologie der Hochschule Biberach (HBC) betonte – auch die Zusammenarbeit zwischen der Universität Ulm und der HBC in der pharmazeutischen und industriellen Biotechnologie weiter stärken.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/medikamente-aus-koerpereigenen-wirkstoffen-ulmer-zentrum-fuer-peptidpharmazeutika-upep-eroeffnet