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Medizintechnik auf der Überholspur

Bisher waren die Schwaben hauptsächlich dafür bekannt, dass sie gute Autos bauen und alles außer Hochdeutsch können. Nun werden aber ganz andere "Sterne" am Himmel Baden-Württembergs wahrgenommen: In der „MedCare TechArea“ existieren rund um den Clusterkern Tuttlingen/Neckar-Alb zahlreiche Satellitenregionen, in denen Experten auf dem Gebiet der Medizintechnik forschen, produzieren und Dienstleistungen erbringen.

Baden-Württemberg war im Jahr 2006 das Bundesland mit den meisten Betrieben und Beschäftigten im Bereich Medizintechnik. Vor allem in der Region um die Städte Tuttlingen, Hechingen, Tübingen und Reutlingen haben sich viele Unternehmen angesiedelt. Dank der Tatsache, dass sich in diesem Einzugsgebiet auch hochrangige Universitäten, Forschungseinrichtungen und Anwendungszentren sowie Zuliefer-, Dienstleistungs- und Serviceunternehmen befinden, hat sich die Region zum Kern des Spitzenclusters „Medizintechnik und Gesundheit Tuttlingen/Neckar-Alb“ entwickelt. Unter der Dachmarke „MedCare TechArea“ sind bis dato 63 Firmen, 13 Verbände und Netzwerke, 35 Forschungseinrichtungen, 24 regionale Behörden, 9 Finanzpartner und 7 Gesundheitsregionen vereint.
Partner der MedCare TechArea (zur Vergrößerung auf das Bild klicken. Abbildung: Biopro Baden-Württemberg GmbH)

Dynamik – Wachstum – Beschäftigung

Namhafte Firmen wie Aesculap, Gambro, Henke-Sass, Wolf oder Karl Storz arbeiten hier, doch vergeblich sucht man nach einer breiten Masse großer Unternehmen. Die „MedCare TechArea“ besticht eher durch eine große Zahl mittlerer, kleiner und Kleinstunternehmen, die den Markt mit hoch spezialisierten Endprodukten, aber auch Vorprodukten, Bauteilen oder Bauteilgruppen versorgen. Und dies nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

So gehört der Landkreis Tuttlingen aufgrund der starken Präsenz von mittelständischen Weltmarktführern laut einer internationalen Studie sogar in die Gruppe renommierter Industriecluster. Darüber hinaus kann der Landkreis am Rande der Schwäbischen Alb mit annähernd 400 Betrieben und 8600 Beschäftigten die höchste absolute und relative Konzentration an Medizintechnikindustrialisierung aufweisen und damit in Deutschland Platz 1 in diesem Wirtschaftsektor. In den räumlich benachbarten Regionen um Hechingen, Reutlingen und Tübingen sind über 4000 Beschäftigte im medizintechnischen Bereich tätig, was Platz 4 in der Bundesrepublik bedeutet. Ein weiteres Kennzeichen für die hohe Dynamik dieser Branche: Im Zeitraum von 2000 bis 2006 sind allein im Clusterkern 1800 neue Arbeitsplätze entstanden.

Von A wie Anästhesiesystem bis Z wie Zentrifuge

Doch Zahlen allein geben keinen Aufschluss über die Leistungs- und Innovationskraft der „MedCare TechArea“. Vielmehr spricht die Art und Qualität der aus ihr hervorgehenden Produkte dafür. In Tuttlingen steht die Herstellung von Produkten für die operative Medizintechnik im Fokus. Dazu gehören klassische chirurgische Instrumente, Implantate, Endoskope und medizintechnische Apparate, aber auch Zubehör wie OP-Leuchten oder Zentrifugen. Die Unternehmen in der Region Neckar-Alb bieten hingegen eine Produktpalette von therapeutischen und organunterstützenden Systemen an. Dazu gehören beispielsweise Herzunterstützungs-, Anästhesie- und Beatmungssysteme sowie Systeme zur Nieren- und Blutkomponenten-Ersatztherapie. Ein weiteres Kompetenzfeld ist die Herstellung von medizinischen Implantaten sowie künstlichen Geweben und Organen.
Die MedCare TechArea (zur Vergrößerung auf das Bild klicken. Abbildung: Biopro Baden-Württemberg GmbH)

Keine Innovation ohne Forschung und Entwicklung

Derartig innovative Produkte sind nicht ohne entsprechende Forschungs- und Entwicklungsarbeit möglich – und somit auch nicht ohne das fundierte Know-how entsprechend ausgebildeter Experten. Im Clusterkern kann dafür auf die Kompetenzen an den Universitäten Stuttgart und Tübingen zurückgegriffen werden bzw. auf deren gemeinsam gegründetes Interuniversitäres Zentrum für Medizinische Technologie Stuttgart – Tübingen (IZST). Für die Ausbildung hoch qualifizierter Nachwuchskräfte stehen beispielsweise die Hochschulen Furtwangen, Reutlingen und Albstadt-Sigmaringen zur Verfügung. Aber auch in den Satellitenregionen kann die „MedCare TechArea“ auf starke Partner bauen: Institute und Hochschulen mit Sitz in Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg, Denkendorf, Ulm und Konstanz unterstützen gemeinsam das Ziel, die Clusterregion voranzutreiben – unter anderem auch zu einem international renommierten Aus- und Weiterbildungsstandort der Medizintechnik.

Or – 05.05.2008
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH




Weitere Informationen zum Beitrag:
Petra Pauline Remmlinger
Leiterin Wirtschaftsförderung, Technologietransfer
und Wissensmanagement
BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Breitscheidstr. 10
70174 Stuttgart
Fax: 0711/218285-02
E-Mail: remmlinger@bio-pro.de
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/medizintechnik-auf-der-berholspur